Heft 242 November 2010
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Energie

Mitmachmodell für Bürger/innen

UrStrom hat Mainzer Dächer im Visier


Solarzellen
Dächer Gesucht
Der offizielle Startschuss für die UrStrom BürgerEnergieGenossenschaft Mainz eG fällt mit der Vorstellung des ersten Projektes, dann ist die Mitgliedschaft für 250 Euro Genossenschaftsanteil und, einmalig, 20 Euro Eintrittsgeld, möglich. Wer sein Dach mit Photovoltaik Geld verdienen lassen will oder Dächer kennt, die dazu geeignet sind, wende sich an info@urstrom.com. Zurzeit wirken in UrStrom drei Vorstandsmitglieder und sechs Aufsichtsratsmitglieder - ehrenamtlich! Weitere Informationen: www.urstrom.com .

Es geht um eine langfristige, dezentrale Versorgung mit erneuerbaren Energien, um Klimaschutz sowieso, um die Förderung der regionalen Wirtschaft, um gelebte Demokratie und ums Geld verdienen. Das passt alles zusammen unter ein Dach: UrStrom BürgerEnergieGenossenschaft Mainz eGiG steht drauf. Was unter diesem Dach alles zusammengefasst ist, erfuhr DER MAINZER im Gespräch mit zwei der Initiatoren.

»Die Genossenschaft ist keine Konkurrenz sondern eine Ergänzung zu den bereits bestehenden Projekten der Solarförderung in Mainz«, stellt Michael Coridaß direkt klar. Er ist Mitinitiator und Aufsichtsratsvorsitzender der »Genossenschaft in Gründung«. Das 500-Dächer-Programm der Stadtwerke und der Solarsparbrief der Sparkasse sind zwei Standbeine, um Mainz auf den Weg zur »Solarstadt« zu bringen. Nummer drei wird die Genossenschaft, die eindeutig auf Mitsprache und Engagement der Bürger/innen setzt. »Unser Angebot richtet sich insbesondere an Menschen, die kein geeignetes Dach zur Verfügung haben, die aber trotzdem den Ausbau der erneuerbaren Energien insgesamt und die Stromerzeugung durch Photovoltaik in der Region unterstützen wollen.«

Möglich ist das zum Einen durch Kapitalbereitstellung über die Mitgliedschaft in der Genossenschaft: 250 Euro kostet ein Genossenschaftsanteil, maximal 80 Anteile kann jedes Mitglied erwerben. »Wir rechnen mit einer Rendite zwischen 4 und 6 Prozent pro Jahr«, beziffert Christoph Albuschkat den finanziellen Vorteil dieser Mitgliedschaft. Wobei das UrStrom-Vorstandsmitglied ganz deutlich hervorhebt: »Egal wie viele Anteile ein Mitglied hat, sie oder er hat nur eine Stimme in der Mitgliederversammlung.« Es ist eines der »urdemokratischen« Prinzipien von Genossenschaften, die allerorten gerne gegründet werden, wenn Menschen gemeinsam etwas auf die Beine stellen und die finanziellen Risiken für den Einzelnen minimieren wollen. »Jedes Mitglied haftet nur mit der Höhe seiner Einlage, falls etwas schief geht«, ergänzt Coridaß und: »Genossenschaften gehen selten pleite, denn ihre Wirtschaftlichkeit wird jedes Jahr vom Genossenschaftsverband geprüft.« Hinzu kommt, dass im Falle von Photovoltaik das Erneuerbare Energien-Gesetz die Rendite sichert: »Wir haben kein Gewinnmaximierungsziel«, sagt Albuschkat, »aber UrStrom will auch Geld mit der Stromproduktion verdienen und seine Mitglieder werden davon profitieren.«

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Auf der Suche nach Dachflächen und aktiven Mitstreitern: UrStrom- Mitbegründer Christoph Albuschkat (li) und Dr. Michael Coridaß

Die zweite Möglichkeit, der »Solarstadt Mainz« über UrStrom auf die Sprünge zu helfen, führt übers Dach - am besten eines das mindestens 200 Quadratmeter groß ist und dessen Besitzer nichts dagegen hat, mit dieser Fläche Geld zu verdienen. »Unser Angebot richtet sich weniger an Eigenheimbesitzer. Besser, weil entsprechend größer sind die Dächer von Kitas, Sporthallen, Supermärkten oder Lagerhallen von Speditionen zum Beispiel, idealer Partner sind auch Kirchengemeinden und Wohnungsbaugesellschaften«, so Coridaß. Ob Dachausrichtung und Statik des jeweiligen Daches geeignet sind, wird von Urstrom geprüft, wobei den Dacheignern keine Kosten entstehen. Wichtig ist auch, dass für die kommenden 20 Jahre keine Dachsanierungen anfallen - so lange bis die Photovoltaikanlage ihr Geld verdient hat. Passt alles, werden die Einzelheiten vertraglich festgehalten. »Wir zahlen an den Eigner eine Pacht in Höhe von 3-5 Prozent des jährlichen Bruttoertrags der Photovoltaikanlage, die Versicherungen gegen Sturm- und andere Schäden sind unsere Sache, die Kontrolle der Anlage ebenso«, zählt Albuschkat die Vorteile auf. Um die Eigentumsverhältnisse rechtlich sauber zu regeln, wird die Photovoltaikanlage im Grundbuch eingetragen. Sie bleibt Eigentum von UrStrom, um die langfristige Verwertung durch die Genossenschaft zu sichern. Eine Formalie, die bei öffentlichen Gebäuden, die dem Staat gehören, nicht erforderlich ist.

Längst werden über Dachflächenbörsen im Internet Dachflächenanbieter und -nutzer zusammengeführt, Kommunen und Landesbehörden bieten Dächer von Schulen oder Universitätsgebäuden via Ausschreibung an und suchen sich die für sie lukrativsten Angebote aus - was die Einnahmeseite der Etats von Kommunen und Ländern freut. »Wir erwarten von der Stadt Mainz, dass sie auf unsere attraktiven Angebote eingeht und die Dächer ihrer Gebäude für Photovoltaikanlagen zur Verfügung stellt«, meinen die beiden UrStrom-Mitbegründer und listen auf: Die politisch gewollten Klimaziele würden konkretisiert, die dezentrale regenerative Energieversorgung langfristig und nachhaltig ausgeweitet, die regionalen Handwerksbetriebe verdienten an den Aufträgen und die Stadt an der Pacht, das bürgerschaftliche Engagement werde deutlich gestärkt.


SoS

Info: www.urstrom.com