Heft 242 November 2010
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Denkmal

Denkmal

Am Anfang stand der Namensgeber


Gutenbergedenkmal vor der  Uni

In unserer Reihe über Skulpturen in Mainz beschäftigen wir uns in den folgenden Ausgaben mit der Vielzahl von Kunstwerken auf dem Gelände der Johannes-Gutenberg-Universität. Zurzeit sind rund 20 Denkmäler, Skulpturen und Installationen aus Bronze, Basalt oder auch Glas auf dem Campus und an ausgelagerten Instituten verteilt. Als erstes wurde die Büste des Namensgebers der Universität aufgestellt: Johannes Gutenberg.

Sie ist eine Kopie des großen Gutenberg-Denkmals von Bertel Thorvaldsen, das 1837 auf dem Gutenbergplatz in der Innenstadt aufgestellt wurde. Wer die Kopie angefertigt hat und wann genau sie entstanden ist, ist unbekannt. Auf dem Uni-Gelände aufgestellt wurde sie vermutlich um die Zeit der Neueröffnung der Mainzer Uni am 15. Mai 1946. Die Uni selbst ist natürlich viel älter. Gegründet wurde die Hochschule bereits 1477, von dem damaligen Mainzer Erzbischof, Kurfürst und Erzkanzler der Deutschen Nation Diether von Isenburg.

nochn Foto vom Gutenbergedenkmal vor der  Uni Studieren konnte man anfangs Theologie, Medizin, Recht und die sieben "Freien Künste": Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik. In den ersten Jahrzehnten hatte die Uni um die 200 Studenten und wuchs rasch. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde dann sogar ein Neubau errichtet: die Domus universitatis, das Gebäude, in dem heute das Institut für Europäische Geschichte und das Journalistische Seminar untergebracht sind. Danach wechselten sich negative Einschnitte und Fortschritte ab. Erst brachte der Dreißigjährige Krieg den Universitätsbetrieb vorübergehend zum Erliegen.

Mit der Zeit der Aufklärung folgten dann Reformen und neue Fakultäten mit Fächern wie Geschichte, Statistik, Mathematik oder Vieh-Arzneikunst. Nach den Kriegswirren der Französischen Revolution wurde der Lehrbetrieb dann um 1823 endgültig eingestellt. Gut ein Jahrhundert und zwei Weltkriege später eröffnete die französische Militärregierung die Mainzer Uni unter dem Namen "Johannes Gutenberg-Universität" neu. 2088 Studenten waren im Eröffnungssemester eingeschrieben, erstmals auch Frauen. Die Uni sollte dazu beitragen, die Deutschen nach der Nazi-Zeit in einem neuen Geist zu erziehen. Möglicherweise sollte dabei auch die Steinbüste des Namensgebers vor dem Forum helfen, an der praktisch jeder Besucher als erstes vorbei muss. Gutenbergs ernstem, fast mahnendem Blick kann sich keiner entziehen.


Ilona Hartmann