Heft 242 November 2010
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Darstellung

Performance und zeitgenössisches Theater

Pad schließt Lücke in Kulturlandschaft


pad - Peter Schulz und Nic Schmitt

Das Stück heißt »Making Sense«. Tänzer bewegen sich im Schein blitzender Lichter. Eine Frau versucht nach der Darstellung den vermeintlich ungebildeten Zuschauer in überzogener, intellektueller Künstlermanier den Tanz mit Worten zu erklären. Dabei immer wieder unterbrochen von skurrilen, teils spärlich gekleideten Darstellern und ihren absurden Performances.

Provokant - anders

Es war das Debüt von performance art depot (pad) in der Mainzer Kulturlandschaft vor drei Jahren. »Dieses Programm hatten wir bewusst gewählt, weil wir mit der Mission angetreten waren, den Mainzern zu zeigen, was Performance und zeitgenössischer Tanz ist«, erläutert Peter Schulz (Foto li.) rückblickend. Er ist Initiator und Gründer von pad, genauso wie Nic Schmitt (Foto re.), die beschriebene Intellektuelle. Ihre Spiel- und Produktionsstätte gibt Performan­ce und anderen zeitgenössischen Theaterformen eine Bühne. »Bei der Auswahl des Namens für das pad haben wir bewusst den Begriff »depot« genommen, weil es etwas Festes ist. Wir wollten einen Ort schaffen, an dem diese Kunst und Darstellungsformen zu Hause sind, denn dies fehlte in der Stadt schon lange. Bei uns kann man immer so etwas sehen«, erklärt Schmitt den Namen und ergänzt: »Der Ort passt auch gut zu unserer Idee, denn ursprünglich war dies eine Lagerhalle, was übrigens die Übersetzung für das englische »depot« ist.« Pad zeigt Eigen­pro­duktionen mit wechselnden Darstellern aus Deutschland und der ganzen Welt genauso wie regionale, internationale Gastspiele.

Selbst machen

Bei der kuratorischen Auswahl setzen Schmitt und Schulz den Schwerpunkt auf künstlerische Qualität und Innovation, unabhängig von Rang und Bekanntheitsgrad der Künstler. Die Produktionen orientieren sich inhaltlich an aktuellen gesellschaftlich wie ästhetischen Tendenzen der Gegenwart. Das war ihr Anspruch und Konzept von Beginn an. Über Freunde lernten sich die beiden vor elf Jahren kennen. Wie Nic Schmitt hat Peter Schulz Theaterwissenschaft an der Universität Mainz studiert, parallel zum Studium allein den Theaterausschuss der Hochschule verantwortet. Dabei sammelt er viele Erfahrungen, die er heute gebrauchen kann: »Als mein Vertrag nicht mehr verlängert wurde, entstand die Idee, selbst so einen Ort zu betreiben und selbst zu inszenieren. Und das genau ist mit pad in Erfüllung gegangen.« Auch Schmitt leitet früh eigene Theaterprojekte, führt Regie und spielt selbst. Gemeinsamen entwickeln sie unter anderem performative Projekte, die viel mit Raumsituationen zu tun haben und daher weniger bühnentypisch sind. Im September 2007 entdeckt das Künstler-Duo den Lagerraum in der Neustadt, zwei Monate später eröffnen sie bereits das pad. »Dass wir unsere Sache so aus dem Boden gestampft haben, ging auch nur, weil viele Sachen im Hintergrund organisiert worden waren«, erinnert sich Schulz, »vor allem auch Dank der Kontakte, die ich zum Veranstaltungstechniker der Universitätsbühne hatte.« Erst seit 2009 erhält pad von der Stadt pro Jahr 4 500 Euro institutionelle Förderung, die allerdings nur reicht, um die laufenden Kosten zu decken. Obendrein kennzeichnet die Summe die geringe Größe des Projektes, an der sich laut Schmitt auch andere Sponsoren orientieren, und deshalb insgesamt zu wenig Geld fließt. Ein Grundproblem, dass das Leitungsteam noch immer unentgeltlich arbeiten lässt. Im kommenden Jahr hoffen die pad-Gründer mehr finanzielle Mittel akquirieren zu können, denn dies sei eine »existentielle Notwendigkeit« und »damit ließe sich endlich ein umfangreicheres Programm anbieten«, da bei weitem nicht gezeigt werde könne, was aufgrund künstlerischer Kontakte, vor allem auch international, möglich sei. Dazu gehört auch ein Artist in Residence-Projekt, bei dem Künstler eingeladen werden, im pad ihre Arbeit zu entwickeln und währenddessen in Mainz wohnen. »Es gibt dafür eine lange Warteliste mit Kandidaten aus der ganzen Welt, die das gerne bei uns machen möchten. Aber mit eigenen Mittel können wir das nicht stemmen«, bemerkt Nic Schmitt.

Erkundungstrip im Identitäten-Labyrinth

pad lab

Das Programm-Highlight im November ist »I-Lab«. »I« steht sowohl für Ich und Identität und »Lab« für Laboratorium oder auch Labyrinth. Die Darsteller spielen in einem von außen einsehbaren, Lichtmodulierten Spiegellabyrinth mit den verschiedensten Facetten, Nuancen und Mutationen ihres Ichs, kramen versteckte oder verbannte Charakterzüge hervor und bauen daraus die absurdesten Identitäten. Geschichten entstehen, verrückte Welten, Situationen, die sich kein Schriftsteller je hätte ausdenken können. Die Zuschauer können diese Versuchsanordnung solange wie sie möchten beobachten und gleichzeitig das Spiel der Darsteller direkt manipulieren. I-Lab entsteht und entwickelt sich jeden Abend neu.


KH

Infos: I-Lab findet vom 13. bis 27. November an acht Terminen statt, jeweils von 19 bis 22 Uhr und kostet 7 Euro, ermäßigt 5 Euro.
pad - performance art depot,
Leibnizstr. 46,
Telefon: 06131/88 694 33
www.pad-mainz.de