Heft 241 Oktber 2010
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Stadtteile

30-jähriges Ringen ohne Ergebnis:

Finther Sportler ohne Dach über dem Kopf


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Derzeit ist hier der Parkplatz der Bezirkssportanlage, doch die Finther träumen immer noch von einer Sporthalle an dieser Stelle.

Dass die Stadt Mainz pleite ist, wegen immenser Schulden kaum noch handlungsfähig ist, hat wohl jeder mitbekommen. Trotz allem bleiben Aussagen wie »Die Stadt hat kein Geld« stets etwas abstrakt. Was die Finanzmisere im wirklichen Leben bedeutet, wird am besten anhand eines konkreten Projekts deutlich, dessen steten Scheiterns und der deutlichen Worte, die übergeordnete Instanzen zur Mainzer Kassenlage finden.

Blicken wir in den westlichsten Stadtteil: Seit rund 30 Jahren warten die Finther bereits auf eine Sporthalle. Dabei schien nach langem Ringen schon einmal alles klar, von höchster Stelle auf den Weg gebracht: Im Juni 2008 verkündete Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) auf einer anderweitigen Pressekonferenz in Finthen zum Thema Sporthalle, es könne losgehen, erinnert sich Finthens Ortsvorsteher Herbert Schäfer (CDU). Als Baubeginn sei 2009 genannt worden, eine Million Euro sollten als Landeszuschuss fließen. Hellhörig geworden, hätten die Mainzer daraufhin sofort die fertigen Baupläne im Ministerium eingereicht, berichtet der Mainzer Sportreferent Günter Pfeifer. Weil die Papiere aber schon mehr als zehn Jahre alt gewesen seien, habe das Ministerium sie als nicht mehr genehmigungsfähig eingestuft. Am 13. Februar 2009 habe er daraufhin die überarbeiteten Papiere persönlich dort abgegeben, sagt Pfeifer - »ich warte bis heute auf eine Antwort«.

Taubertsbergbad im Wege


Seit den 80er Jahren haben die Finther laut Ortsvorsteher Schäfer immer wieder eine neue Sporthalle gefordert. Im November 1998 dann ein erster Erfolg. Erstmals sei im Sportstätten-Leitplan der Bedarf einer Dreifeldsporthalle festgestellt worden. Von da an schien alles einen guten Weg zu nehmen. Für 2001 sollten 6,2 Millionen D-Mark bewilligt werden, der Baubeginn war für die zweite Jahreshälfte angesetzt.

Doch dann begann das Dilemma. Zunächst sei über die Prioritätenliste des Sportstättensanierungsprogramms einem Kleinspielfeld neben der Sportanlage der Vorzug vor einer Halle gegeben worden, berichtet der Ortsvorsteher. Dann kam das Taubertsbergbad den Finthern in die Quere. Die Landesregierung machte einen Zuschuss für den Neubau des Bades davon abhängig, dass das Projekt an die erste Stelle der Mainzer Prioritätenliste rutscht - was so auch geschah, die Finther Halle rückte nach hinten. Als neuer Baubeginn wurde nun 2003 ausgerufen. 2002 verzögerte aber die Standortfrage die Planaufstellung: Anstatt eines Baus im Naturschutzgebiet Höllenberg wurde jetzt der Parkplatz an der Bezirkssportanlage ausgeguckt. Doch im Jahr 2003 stoppte die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier, Wächter über das Finanzgebaren der Kommunen, die Pläne. Da das Land den Zuschuss für die Finther Halle erst 2012 gezahlt hätte, hätte die Stadt die Zwischenfinanzierung stemmen müssen, berichtet Schäfer. Doch die ADD habe den Kreditbedarf nicht genehmigt.

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Wo die Sporthalle in Finthen stehen soll, weiß Ortvorsteher Herbert Schäfer ganz genau, nur das Geld wird nicht bewilligt.


Die Stadt ist »investitionsunfähig«


Das war im Juni 2003. Inzwischen geht die Aufsichtsbehörde noch härter mit den Mainzern ins Gericht. »Die Stadt ist als dauernd leistungsunfähig einzustufen«, schreibt ADD-Präsident Josef Peter Mertes im Dezember vergangenen Jahres an den Vereinsring Mainz-Finthen. Da genüge es nicht »abstrakt Sparwillen zu bekunden, sondern es müssen Taten folgen«. Man müsse also »die Umsetzung von Projekten aufschieben oder sie gar gänzlich aufgeben«. Damit sei der der Hallenbau wohl für immer gestorben, argwöhnt der Vereinsring-Vorsitzende Jürgen Hinkel. Vielleicht nicht ganz zu Unrecht. Denn auch aus dem Innenministerium kommen mittlerweile andere Töne als zu Zeiten der Bruch'schen Pressekonferenz. Im Gegensatz zum städtischen Sportreferenten teilt ein Ministeriumssprecher auf Anfrage mit, ein Antrag auf Förderung der Sporthalle Finthen läge nicht vor. Derzeit fördere das Ministerium überhaupt keine städtische Sportanlage, weil die Stadt ihren über die Landeszuweisung hinausgehenden Eigenanteil gar nicht finanzieren könne.

Der Stadt sind komplett die Hände gebunden. Zwar stünden 3,6 Millionen Euro für den Bau im Haushalt, die ADD gebe das Geld aber wegen des hohen Schuldenstands nicht frei, sagt Sportreferent Pfeifer. Die Aufsichtsbehörde bezeichne Mainz inzwischen als »investitionsunfähig«. Weil man um die Dringlichkeit des Hallenbaus wisse, werde die Summe auch im kommenden Jahr wieder im Etat stehen - »aber es wäre unredlich, den Finthern Hoffnung zu machen, dass es 2011 tatsächlich losgeht«. Die Finther seien von alldem maßlos enttäuscht, sagt Ortsvorsteher Schäfer. Die Vereine suchten händeringend Hallenzeiten, mangels Trainingsmöglichkeiten habe der DJK Rot-Weiß schon seine Handballsparte aufgeben müssen. Dass in Gonsenheim Ende August eine neue Sporthalle für 4,4 Millionen Euro eingeweiht worden sei, habe »die Emotionen in Finthen noch mal hochgehen lassen«, sagt Schäfer. 30 Jahre im Ortsbeirat, 17 Jahre davon als Ortsvorsteher, haben ihn jedoch gestählt: Er gibt die Hoffnung nicht auf: »Ich habe immer meinen Spaten im Kofferraum und warte jeden Tag auf den ersten Spatenstich.« Christoph Barkewitz :


SoS