Heft 241 Oktber 2010
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MOGUNZIUS

Mogunzius

Stadtschreiber des Mainzers


Hand auf's Herz: Auch wir Mainzer lechzen nach guten Nachrichten. Mit der furiosen Fußballparty, mit der Mainz 05 in die Erstliga-Saison gestartet ist, wurden wir in der Richtung zuletzt mächtig verwöhnt. Und nebenbei, fast unbemerkt wurde eine andere positive Nachricht im zurückliegenden Monat öffentlich: Das Kurfürstliche Schloß wird mit einem Acht-Jahres-Plan aufgepeppt. Und soll 2018 eine komplett sanierte Außenfassade haben. Viele Jahre wurde erfolglos um diese kosmetische Korrektur gerungen - bislang erfolglos. Jetzt könnte die Politik der kleinen Schritten den Durchbruch bringen - nicht zuletzt weil so die Kosten für die Schloßsanierung zu stemmen wären.

Endlich beweisen die Dezernenten Marianne Grosse und Franz Ringhoffer stellvertretend für das ansonsten oft schläfrige Rathaus Kreativität im Umgang mit einem der Vorzeigeprojekte in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Viele redeten ständig über die Notwendigkeit, die »Gut Stubb«, die nicht nur in der telegenen Fastnacht imageprägend für Mainz ist, zu sanieren - doch getan hat bisher niemand etwas. Bis auf die rührigen MCV-Narren, die seit Jahren in mühevoller Detailarbeit einmal im Jahr eine Benefizveranstaltung für die Sanierung auf die Beine stellen und damit einen kleinen, aber feien Beitrag leisten.

Feder Logischerweise setzt die finanziell stark angeschlagene Stadt Mainz wieder mal auf die Landeshilfe, was gerade in Zeiten vor einer Landtagswahl sogar doppelte Aussichten auf eine spendable Ader haben dürfte. Schließlich profitiert auch die Landesregierung vom städtebaulichen Ensemble am Rhein mit Schloss, Landtag und »Sautanz«. Nebenbei ist das Kurfürstliche Schloss auch eine willkommene Adresse, wenn prominente Staatsgäste anreisen. Und es muss tatsächlich nicht immer nur das Hambacher Schloss sein, in das der Ministerpräsident als »Wiege der Demokratie« übrigens schon vor Jahren sattes Geld investiert hat. Nur mal so viel zur Erinnerung, dass jetzt vielleicht die Mainzer mal wieder mit einem hochkarätigen Sanierungsprojekt an der Reihe wären.

Selbstverständlich wissen auch die Kongressverantwortlichen um das Juwel, den das Schloss darstellt. Hier könnte Mainz im hart umkämpften Kongressgeschäft noch mehr punkten, wenn das Schloss in einem besseren Zustand wäre. Und auch noch mehr Flexibilität bei den Tagungsräumlichkeiten anbieten könnte. Hier ist der avisierte Auszug des Römisch-Germanischen Zentralmuseums ein in der Tat heiß herbeigesehntes Datum, weil dann ein modernes Tagungszentrum entstehen könnte, das die nationale wie internationale Vermarktung des Schlosses deutlich erleichtern würde. Das scheinen alle Verantwortlichen im Rathaus verinnerlicht zu haben, so dass sie jetzt mal ausnahmsweise an einem Strang ziehen und die Werbetrommel für den Sanierungsplan rühren.

Gleich noch mal Fingerspitzengefühl beweist die Chefetage im Rathaus, wenn sie den Gedankenspielen, im Schloss noch ein Hotel unterzubringen, eine klare Absage erteilt. Mainz hat wahrlich keinen Mangel an Hotels, gerade erst wurde mit dem Hilton ein Flaggschiff der Übernachtungsbranche modernisiert, was der neuen Spielbank zugute kommen könnte. Und auch an anderen Stellen der City herrscht kein Mangel an Betten für touristische Gäste. Das Kurfürstliche Schloss hat, wenn es denn endlich aufgepeppt wird, eine kreativere Nutzung als die eines Hotels verdient.


MOGUNZIUS