Heft 241 Oktber 2010
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100 Jahre Naturhistorisches Museum

100 Jahre Naturhistorisches Museum - mit Zukunftsvisionen

Attraktiver Ort der Kommunikation


Naturhistorisches Museum

Geschichte versus Zukunftsvision. Naturwissenschaft versus Privatfeiern. Das Naturhistorische Museum Mainz (NHM) befindet sich 100 Jahre nach seiner Gründung in einer Umbruchphase, sowohl architektonisch als auch konzeptionell. Im Interview mit dem MAINZER schildert Museumsdirektor Dr. Michael Schmitz historische Eckpfeiler und neue Ideen für die weitere Entwicklung der Bildungseinrichtung.

DER MAINZER: Basierend auf den Sammlungen der 1834 gegründeten Rheinischen Naturforschenden Gesellschaft ist das Naturhistorische Museum entstanden, das zeitweise im Kurfürstlichen Schloss untergebracht war. Am 16. Oktober 1910 wurde es als städtisches Museum in der ehemaligen Klosterkirche der Reichen Klarissen eröffnet. Was waren herausragende Momente in der Vergangenheit des Hauses?

Dr. Michael Schmitz: »Das Klassifizieren und Systematisieren der Natur ist eine der wichtigsten Aufgaben für alle naturwissenschaftlichen Museen. Die enzyklopädische Sammlung des Mainzer Museums war damals schon sehr bedeutend gewesen und erhielt auch überregional Aufmerksamkeit, denn sie beinhaltet ganz besondere Exponate, die es nur bei uns gibt. Hierzu gehören die Quaggas. Weltweit gibt es nur 23 präparierte Exemplare dieser ausgestorbenen Steppenzebras aus Südafrika. Immerhin drei davon befinden sich bei uns. Wir haben sie bereits Mitte des 19. Jahrhunderts erhalten. Viele andere der auch heute noch markanten Objekte sind in frühen Jahren in die Sammlung gelangt. Die Kriegsjahre waren zudem sehr einschneidend für das Museum, denn das Haus wurde fast vollständig zerstört und mit ihm große Teile der Sammlung und Dokumentation. Der Schaden war so erheblich, dass das Museum erst 1962 wieder eröffnet werden konnte. Ab diesem Zeitpunkt änderte sich die Konzeption des Sammelns hin zu regionalen Stücken. Daraus folgte ein wirklich wichtiger Schritt für das Museum, nämlich die Beschließung der Landessammlung für Naturkunde in Rheinland-Pfalz 1988. Seitdem wächst das Archiv der Erd- und Lebensgeschichte unseres Landes. Derzeit pflegen wir rund 1,5 Millionen Objekte, was zwangs­läufig zu Platzproblemen führt, die wir dringend lösen müssen.«

Nach 100-jähriger Geschichte, welche Zukunftsvisionen haben Sie für das Haus?

Dr. Michael Schmitz: »Wir haben als Team eine Vision entwickelt und möchten, dass das Haus in den nächsten Jahren zu einem Schaufenster der Naturwissenschaft wird. Unsere Themen kommen traditionell aus den Geo- und Biowissenschaften, aber wir sind offen für andere Bereiche. Deshalb können wir uns auch Themen aus Medizin, Physik und Chemie genauso vorstellen wie Umweltprojekte zu Klimawandel, Naturkatas­trophen oder auch Gentechnik. Das Schaufenster wird aber nicht nur aufgrund neuer konzeptioneller Inhalte geschaffen. Auch der Glasvorbau, der zurzeit entsteht, ist ein Schaufenster, durch das Besucher in das Museum blicken können. Mit diesem Bau erhalten wir im Erdgeschoss eine Cafeteria, im ersten und zweiten Stock kommen zu den bisherigen 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche weitere 200 Quadratmeter hinzu. Bis Februar 2011 soll der circa 2,2 Millionen Euro teure Bau, dessen Kosten die Gebäudewirtschaft Mainz trägt, fertig gestellt sein.«

Das Museum soll in Zukunft auch attraktiver Ort für die verschiedensten Veranstaltungen wie Tagungen, Firmenfeiern und sogar private Feste werden. Wie passen Eventcharakter und naturwissenschaftliches Gedankengut zusammen?

Dr. Michael Schmitz: »Unsere Hauptzielgruppen als Bildungseinrichtung sind und bleiben Schulen und Familien. Dennoch wollen wir uns öffnen für Verbände, Parteien und Unternehmen, weil wir das Museum zum Ort der Kommunikation und Diskussion machen wollen. Dafür benötigen wir einen ent­sprechenden Veranstaltungsraum, der zusammen mit der angrenzenden Anne-Frank-Schule genutzt werden könnte. Ich denke, das Museum bietet mit seiner Aus­stel­lung ebenfalls einen außergewöhn­lichen sowie attraktiven Rahmen für fachfremde Veranstaltungen.«

Das Naturhistorische Museum Mainz ist seit 1. Juli Mitglied der Mainzer Wissenschaftsallianz und gehört zu den Einrichtungen, die bei »Stadt der Wissenschaft« partizipieren. Worin bestehen die Vorteile der Zugehörigkeit?

Dr. Michael Schmitz: »Diese Beteiligung ist sehr wichtig für unser Haus, und der Zeitpunkt passend, denn unser Haus richtet sich neu aus und zugleich steigen die Chancen, eine auskömmliche Finanzierung für unsere Ideen zu finden. Außerdem haben sich die Verbindungen zur Fachhochschule deutlich verbessert und mit dem Netzwerk optimale Verbindungen ergeben, die uns bei unserem für nächstes Jahr geplanten großen Programm und für die vielen Projekte behilflich sein könnten.«

Gibt es ein besonderes Programm am 16. Oktober, dem Jubiläumstag?

Dr. Michael Schmitz: »Ich will noch nicht zu viel verraten, aber zum Thema Natur wird gezaubert, um Kinder wie Erwachsene zu verzaubern. Da wir einige Veranstaltungen im Freien planen, hoffe ich auf gutes Wetter. Wünschwert wären sehr viele Besucher, die viel Vergnügen an unserem großen Tag haben.«


KH

Geburtstagsfest, 16.10., ab 11 Uhr:
100 Jahre Naturhistorisches Museum im ehemaligen Reichklarakloster - ein buntes Programm mit Rückblicken, Einblicken und Ausblicken
Naturhistorisches Museum,
Landessammlung für Naturkunde Rheinland-Pfalz,
Mitternacht/Reichklarastraße 10, 55116 Mainz,
Telefon: 06131/ 122646,
www.naturhistorisches-museum.mainz.de