Heft 240 September 2010
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Straßen

Die reinste Fundgrube -

nur nicht für Schuhe!


Schusterstraße

Im Gegensatz zu manch anderer Straße kann man sich bei der Mainzer »Schusterstraße« ganz gut vorstellen, woher sie ihren Namen hat. Die Gasse liegt mitten im früheren Siedlungskern von Mainz, einer Gegend, in der sich zahlreiche Handwerker niederließen und ihrem Gewerbe nachgingen. Dabei wurde die Straße - unschwer zu erraten - nach den ansässigen Schustern benannt. Allerdings setzte sich diese Bezeichnung erst im 17. Jahrhundert durch. Bis dahin war die heutige Schusterstraße offensichtlich fest in den Händen anderer Zünfte.

Im Mittelalter war sie noch zweigeteilt. Der Bereich in Richtung der heutigen Korbgasse hieß »Unter den Kannengießern«. Bis zur Quintinskirche hieß die Gasse »Unter den Schwerdtfegern« (Handwerker, die fertig geschmiedete Schwerter schleiften oder polierten).

1576 bekam sie dann den Namen Schusterstraße und dieser Name ist bis heute geblieben, auch wenn sich dort mittlerweile nicht einmal mehr das kleinste Schuhgeschäft findet. Viele andere spannende Dinge allerdings wurden in den vergangenen Jahrhunderten in der Schusterstraße gefunden. Angefangen 1880: an der Ecke Schusterstraße / Stadthausstraße entdeckten Arbeiter damals bei Kanalisationsarbeiten den so genannten »Giselaschmuck« - Geschmeide aus dem 11. Jahrhundert, vermutlich von der Kaiserin Agnes von Poitou.

Noch heute sind Teile aus dem Schatzfund im Mainzer Landesmuseum ausgestellt, unter anderem die Große Adlerfibel, eine mit Edelsteinen besetzte goldene Gewandnadel. Nur wenige Jahre später wurde bei Grabungen in der Schusterstraße eine kleine Fortuna-Statue mit Weihinschrift entdeckt.

1906 folgte der Fund eines Steinbeils aus der Jungsteinzeit (Neolith), eines Viergöttersteins, der Basis einer Jupitersäule von ca. 225 n.Chr., und von Resten einer Apollostatue aus dem 2.Jahrhundert n. Chr. Zuletzt wurden dort 1979 zahlreiche Keramikteile aus dem 7. und 8. Jahrhundert n.Chr. ausgegraben. Einzig von Schuh-Funden ist nichts überliefert, weder aus der neolithischen, noch aus der Römerzeit.

Ilona Hartmann