Heft 240 September 2010
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Stadtteile

Grundschule kämpft seit über 35 Jahren für eine Sportanlage

Ebersheimer Langstreckenlauf


Mainz-Ebersheim Grundschule
Die Ebersheimer Grundschule Im Feldgarten - mit Pausenhof, aber ohne Sportanlage

Es lebe der Sport und damit natürlich auch der Schulsport. Was Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) ausdrücklich bekräftigt: »Schulsport macht Kinder nicht nur fitter und fördert damit nachhaltig deren Gesundheit, sondern ist auch Katalysator für bessere Lernergebnisse in den anderen Schulfächern.« So selbstverständlich das Angebot des Schulsports demzufolge sein sollte, so absurd ist die Situation im Stadtteil Ebersheim: Seit mehr als 35 Jahren versucht die dortige Grundschule eine Sportanlage zu bekommen!

Die Worte der Ministerin stammen aus einem Schreiben an den Ebersheimer Ortsvorsteher Helgi Schwedass (FDP) und sind nur ein Mosaikstein in einem Jahrzehnte währenden Ringen um Kleinspielfeld, Laufbahn und Weitsprunggrube. Letztere existiert sogar - ein morsches Sprungbrett führt in eine Sandgrube, von deren Rändern aus das Unkraut seinen Siegeszug antritt. Ansonsten eine triste Kiesfläche ohne Einfriedung. Für Grundschulkinder in Ebersheim gibt es keinen erreichbaren Sportplatz, bemängelt der Schulelternbeirat. Die Sportanlage an der Rheinhessenstraße am Ortsrand sei mit zwei Kilometern Distanz keine Ausweichmöglichkeit. »Eine Stunde hin, eine Stunde zurück«, schildert Schwedass den langen Weg.

Dabei gab es bereits im April 1974 grünes Licht für die Sportstätte, die Körperertüchtigung der Kinder aus der Grundschule »Im Feldgarten« hätte also gesichert sein sollen. Der damalige Ortsvorsteher hielt die Mitteilung der Stadt in der Hand, dass die Planungen abgeschlossen seien. Die Bezirksregierung Rheinhessen-Pfalz wurde um einen Zuschuss gebeten, lehnte ihn aber ab. Der Beginn einer Odyssee.

Es folgte im Mai 1974 der Kompromissvorschlag, zumindest einen Bolzplatz zu schaffen. Doch die Idee ging von der Halbzeitpause direkt in die behördliche Verlängerung: In einem Zwischenbericht vom Juni 1979 wurde immer noch auf die ungeklärte Zuschussfrage verwiesen. 1986 wurde erneut festgestellt, eine Verbesserung der Schulsportanlage sei zu zeit- und kostenaufwendig.

Mainz-Ebersheim Sandgrube an der Grundschule
Einzig eine verwahrloste Sandgrube gibt es auf dem Gelände an der Schulrat-Spang-Straße, auf dem eigentlich der Schulsport stattfinden soll

2001 fand laut Schulelternbeirat eine Ortsbegehung statt. Ergebnis: Aufnahme der Maßnahme frühestens in den Haushalt 2004/2005. Nach seinem Einzug in den Ebersheimer Ortsbeirat habe er dann im Juni 2006 einen Antrag auf Verbesserung der Schulsportsituation gestellt, berichtet Schwedass. Die Entscheidung sei mit Hinweis auf die Kassenlage aber auf das folgende Jahr verschoben worden.

Als Schwedass im November 2009 Ortsvorsteher wurde, drängte er erneut auf eine Umsetzung des Projekts. Mangels Fortschritts wandte er sich im Februar dieses Jahres per Brief an Ministerin Ahnen und auch an ihren Kabinettskollegen Karl Peter Bruch, zuständig für Inneres und Sport.

Für Sport ja, so antwortet Bruch, aber nur für Vereinssport. Im Zusammenhang mit Schule obliege dies der Kollegin Ahnen. Die wiederum weist Schwedass darauf hin, dass laut Schulgesetz der kommunale Schulträger, also die Stadt Mainz, für Bereitstellung und Unterhaltung von Schulgebäuden und -anlagen zuständig sei. Das Land könne nur Zuschüsse gewähren - sofern der Träger dies beantragt. Aber: »Bislang liegt kein Förderantrag der Stadt Mainz für den Bau einer Freisportanlage an der Grundschule Im Feldgarten vor«, stellt die Ministerin am 22. März klar.

Schuldezernent Kurt Merkator (SPD) bringt im Juni eine neue Bedingung für die Schulsportanlage ins Spiel. »Eine Chance zur Realisierung« bestehe nur, wenn die Ebersheimer Grundschule sich entschlösse, Ganztagsschule zu werden. Was er im übrigen ausdrücklich begrüßen würde. In einer Beschlussvorlage vom 2. August verpasst Merkator den Ebersheimern einen weiteren Dämpfer. Demnach führt die Gebäudewirtschaft Mainz das Umfeld der dortigen Grundschule in einer Liste von 42 Schulsanierungsmaßnahmen im Stadtgebiet erst an 39. Stelle. Es folgt der erneute Hinweis, wie »hilfreich« die Einrichtung eines Ganztagesangebots wäre, um Zuschüsse einzuholen.

Demnach ist also die Schule am Zug. »Kurzfristig plant unsere Schule nicht, Ganztagsschule zu werden«, teilt Rektorin Roswitha Letzelter jedoch auf Anfrage mit. »Ob wir mittelfristig Ganztagsschule werden, muss mit dem Kollegium besprochen werden.« Doch die dortige Lehrerschaft steht dem Gedanken des Ganztagsangebots offenbar eher ablehnend gegenüber. Dem Vernehmen nach gab es bei einer Abstimmung im knapp 20-köpfigen Kollegium jüngst nur zwei Stimmen für die Erweiterung.

»Schizophren«, sagt Ortsvorsteher Schwedass zu alldem nur noch. Und überhaupt, die Ebersheimer blieben ja immer auf der Strecke. Wie bei der Töngeshalle: Für deren Sanierung vorgesehene 1,3 Mio. Euro seien kurzfristig nach Mombach verschoben worden. 100.000 Mark hätte die Sportanlage 1974 kosten sollen, Stand heute: fast doppelt soviel, aber in Euro. Aufgegeben hat der Mann trotz allem nicht. Mit einem privaten Spender aus der Wirtschaft stehe er in Verhandlungen, der würde möglicherweise einen ordentlichen Zuschuss für die Schulsportanlage geben.

Christoph Barkewitz