Heft 240 September 2010
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Meisterschaften

Mit Stechpaddeln im Takt der Trommeln

Drachenköpfe auf dem Rhein unterwegs


Mainz-Ebersheim Grundschule
Nicole Cooper mit dem Drachenkopf der Harbour Dragons

Sie nennen sich Wann Sea Dragons, Spree Sisters oder East Town Dragons: Knapp 50 Mannschaften werden bei den 20. Deutschen Drachenboot-Meisterschaften am 4. und 5. September in Mainz an den Start gehen. 48 Teams reisen zum Teil aus Berlin und Hamburg an, um am Mombacher Industriehafen spannende Wettkämpfe und eine ausgelassene Feier zu erleben.

Bei Nicole Cooper, die Organisation und Anmeldungen koordiniert, laufen die Fäden zusammen. Die Drachenbootwartin freut sich über die positive Entscheidung des Deutschen Drachenbootverbandes: »Die zentrale Lage und eine gute Regatta-Strecke sprachen für Mainz - nun dürfen wir sogar die Jubiläumsregatta hier austragen.«

Die Anhänger dieses Sports können auf eine 2000 Jahre alte Geschichte zurückblicken. Die ersten Drachenbootrennen in China gingen auf die Legende um den Dichter und Staatsmann Qu Yuan zurück. Aus Furcht, ins Exil verbannt zu werden, hatte sich der einstige Hoffnungsträger in einen Fluss gestürzt. Fischer versuchten ihn mit ihren Booten zu retten, wobei Trommeln und mit Reis gefüllte Blätter gefährliche Fische vertreiben sollten - allerdings ohne Erfolg. Der Drachenbootsport hingegen erfreute sich immer größerer Beliebtheit.

Im Laufe der Zeit veränderte sich das Aussehen der Boote und wurde immer stärker dem Rennsport angepasst. Feste Bestandteile sind der Rumpf mit aufsteckbarem Drachenkopf und -schwanz, Trommel, Trommlersitz, Steuer und Paddel. Der Tradition nach wird der Drache eines neuen Bootes durch das Ausmalen des Auges zum Leben erweckt. Auch Nicole Cooper kann sich noch gut erinnern, wie das 13 Meter lange, leuchtend grüne Boot ihres Vereins vor zwei Jahren von einem buddhistischen Mönch getauft wurde: »Es wurde mit Blumen geschmückt und mit Reis und Münzen beworfen - das war wirklich ein besonderes Erlebnis.« Zudem soll der spezielle Segen Glück und Erfolg bei den Wettkämpfen bringen.

Doch bevor die 18 bis 20 Paddler und Paddlerinnen mit Steuermann /-frau und Trommler/in an den Start gehen können, sind viele Trainingsstunden erforderlich. Hierfür treffen sich die Harbour Dragons, die als Mannschaft seit zehn Jahren bestehen, bei den Mombacher Kanufreunden, wo sie als Abteilung gelten. Das Team um Nicole Cooper trainiert meist drei Mal pro Woche - für die Verkäuferin der ideale Ausgleich zum Beruf. Nicht selten werden Strecken von 12 bis 14 Kilometern zurückgelegt, um Starts zu üben, die nötige Ausdauer zu bekommen und das Boot zu trimmen. Darunter verstehen die Drachenbootsportler die Feinabstimmung: Wer sitzt wo, wie kann alles so synchron wie möglich ablaufen - denn neben Kraft und Kondition ist auch die richtige Paddeltechnik entscheidend. Zugleich entwickelt sich die relativ feste Besetzung zu einer eingeschworenen Gemeinschaft. Zudem werden mehrtägige Trainingslager angeboten, die auch für Jugendliche eine gute Einstiegsmöglichkeit bieten.

Variable Rennen

Drachenbootpaddeln Weltmeisterschaft in Prag 2009
Beim Drachenbootpaddeln, hier eine Aufnahme von der Weltmeisterschaft in Prag 2009, zählen Kondition, Kraft und Koordination. Foto privat

Wie bei den Coopers ist nicht selten die ganze Familie sportbegeistert: Der 17-jährige Sohn hat sich sogar für die Jugend-Nationalmannschaft qualifiziert und ist zweifacher Vize-Weltmeister im Drachenbootpaddeln. Außerdem werden am ersten Septemberwochenende Olympiasieger im Kanadier und einige frischgebackene Europameister nach Mainz kommen. Auch die hiesige Jugendmannschaft Harbour Babies, die vor zwei Jahren deutscher Meister wurde, ist entsprechend motiviert.

Neben dem Training liefen in den vergangenen Wochen die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Steganlage wurde verändert, um Platz für mehr Boote zu schaffen, auch die Kooperation mit den Nachbarvereinen, die Plätze zur Verfügung stellen, funktionierte gut. »Für das leibliche Wohl der Mannschaften und Zuschauer ist bestens gesorgt«, verspricht der 1. Vorsitzende der Kanufreunde, Friedrich Wernet. Auf Distanzen von 200, 500 und 2000 Metern wird ein abwechslungsreicher Rennplan für verschiedene alters- und geschlechtsbezogene Premium-Klassen erstellt. Zudem treten Fun-Klassen, die wegen ihrer originellen Kostüme bekannt sind, gegeneinander an und nehmen am Staffelrennen teil. Bei ihnen wie bei den Sportklassen findet im Rahmen der Meisterschaften eine Bestenermittlung statt.

Lautstark wird es sicherlich zugehen bei bis zu sechs Booten nebeneinander und Trommlern, die ihre Teams aus Leibeskräften antreiben. Zudem schwören sich die Mannschaften mit Schlachtrufen ein. »Doch sobald der Wettkampf beendet ist, klatscht man sich ab, als Zeichen der Verbundenheit«, so Cooper. »Auf dem Wasser herrscht Konkurrenz, aber an Land großer Zusammenhalt.« Die Kameradschaft macht für sie die besondere Faszination dieser Sportart aus. Sie freut sich daher auch auf die Drachenbootparty am Samstag mit Musik und Feuerwerk - als großes Familienfest.

Infos:
Die Mainzer Drachenbootsportler bieten dienstags um 19 Uhr Schnuppertrainings am Bootshaus in der Rheinallee 128b an. Interessenten sind willkommen.

Weitere Informationen:
www.drachenboot-dm-mainz.de
und bei Nicole Cooper Tel.: 06131 / 950339.

Nicole Weisheit-Zenz