Heft 240 September 2010
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Mogunzius

Respekt ist längst kein Thema mehr


Feder

Nein, amtsmüde sei er keineswegs. Beteuert Oberbürgermeister Jens Beutel in einem sommerlichen Interview und schiebt sogleich mit sorgenvoller Miene die Forderung nach, die MAG (Mainzer Aufbau-Gesellschaft) müsse unbedingt zu alter Stärke zurückfinden. Davon ist die stadtnahe Gesellschaft momentan so weit entfernt wie die Stadt Mainz von einem Rathausgebäude ohne Sanierungsbedarf. Die öffentlichen Debatten, die nicht zuletzt MAG-Geschäftsführer Lukas Augustin und damit die Gesellschaft selbst in den vergangenen Wochen aushalten musste, haben das Image der handelnden Personen und die politische Kultur der Landeshauptstadt nachhaltig beschädigt. An dieser Stelle soll unter keinen Umständen bewertet werden, ob Augustin seinen Job in der Vergangenheit gut oder schlecht gemacht hat. Dafür gibt es einen Aufsichtsrat, der letztlich über solche Fragen zu bewerten hat. Eigentlich hinter verschlossener Tür.

Doch im vorliegenden Fall wurde so viel schmutzige Wäsche gewaschen, so dass auch die mit hehren Zielen angetretene Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP einiges an Schmutzwasser abbekommen hat. Nach einer alles entscheidenden Sitzung eine Pressekonferenz anzusetzen, die dann aus vielen Gründen platzte, aber alle anwesenden Journalisten auf die Meinungsverschiedenheiten aufmerksam machte wie den Bär auf den Honigtopf, war ein grandioser Fehltritt.

Irgendwann kamen die politischen »Ampel-Würdenträger« der Stadt auf die Idee, Augustin müsse vom MAG-Chefsessel verbannt werden. Sei's drum, ob wegen beruflicher Verfehlungen oder aus Gründen des CDU-Parteibuchs, das derzeit in Mainz eher Garant für sogenanntes »Polit-Bashing« ist. Am Ende geriet der MAG-Chef in einen Riesenstrudel, der noch mit dem Winterhafen-Thema und einem vermeintlich schlecht getimten Urlaub an Sogkraft gewann. Wenigstens wollten die Ampel-Koalitionäre Gnade walten lassen und Augustin statt dem MAG-Job einen Posten als Justitiar in der mit Erwartungen überfrachteten Holding anbieten.

Doch ausgerechnet Augustins CDU-Parteifreunde zeigen sich in bestechender Form. Verwehren der Holding in der Gänze aus polittaktischen Gründen ihre Zustimmung und sägen damit dem eigenen Mann und wohlgemerkt letzten CDU-Mitglied in den städtischen Führungshierarchien den Ast ab, auf dem er gesessen hat. Zu guter Letzt wurde Augustin dadurch zum Märtyrer gemacht, weil die Union daraus die unerbittliche Härte der treibenden Kräfte der Ampelkoalition ableiten wollte. Was bleibt? Der Name Augustin ist im politischen Gezänk verheizt worden - die Zukunft des einstigen MAG-Geschäftsführers könnte für ihn ein Gang nach Canossa werden.

Richten wir den Blick auf die Holding. Der momentane FDP-Wirtschaftsdezernent Franz Ringhoffer wurde urplötzlich in der nebulösen öffentlichen Diskussion als neuer MAG-Geschäftsführer genannt, der dann zum späteren Zeitpunkt gleich noch den Chefsessel der Wohnbau in Personalunion mit übernehmen soll. Kaum war diese Nachricht gestreut, fielen alle über die Holding, Ringhoffer und die Stadtspitze her. Obwohl Ringhoffer selbst dazu keinen Ton gesagt und dies bisher auch noch nicht getan hat, ist auch er plötzlich Hauptfigur politischer Ränkespiele, die von Personen in der zweiten Reihe mit gezielten Presseinformationen inszeniert werden, um zu schaden. Den Schaden hat am Ende die Stadt, die Holding, die noch keine ist und die betroffenen Personen haben ihn ohnehin. In Mainz scheinen derzeit Kräfte zu wirken, die öffentliche Personen diskreditieren wollen. Die respektlos vorgehen gegenüber handelnden Personen wie Augustin oder Ringhoffer, die seit Jahren in guten wie in schlechten Zeiten die Birne hinhalten. Und am Ende trifft diese Respektlosigkeit die, die alle fünf Jahre die politische Arithmetik von Mainz bestimmen - die Wähler. Eine traurige Erkenntnis.

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