Heft 240 September 2010
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Handel

Faire Woche 2010 mit Schwerpunkt Gastronomie

Hohe Qualität und guter Geschmack


Weltladen
Baumwollbäuerin Justine Oedrago aus Burkina Faso. Foto:Transfair

Woher kommen eigentlich die Bohnen für meinen Morgenkaffee? Erhalten die Baumwollbauern den angemessen Preis für ihre Erzeugnisse? Welche Orangen sind mit Giftstoffen behandelt? Immer mehr Menschen stellen sich die Frage, unter welchen sozialen und ökologischen Bedingungen die Produkte hergestellt werden, die sie täglich kaufen. Mit der kritischen Betrachtung der Lebensmittel und Gebrauchsgüter steigt der Trend, das Geld für fair gehandelte Waren auszugeben. Insgesamt 322 Millionen Euro gaben Verbraucher 2009 dafür nach Informationen des Forum Fairer Handel, dem bundesweiten Netzwerk Organisationen und Akteure des Fairen Handels in Deutschland aus. Dies entspricht einer Steigerung von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr und einer Verdreifachung innerhalb der letzten fünf Jahre. »Dass trotz der Wirtschaftskrise der Faire Handel wächst, liegt daran, dass sich zwar langsam, aber nachhaltig das Bewusstsein der Konsumenten geändert hat. Sie achten verstärkt darauf, was sie essen und trinken«, sagt Christoph Albuschkat, Referent des Weltladen-Dachverband in Mainz. »Die hohe Qualität, wie sie bei fair gehandelten Lebensmitteln zu finden ist, wird immer wichtiger.« Grundlage für die positive Entwicklung ist außerdem das große Vertrauen, das der Faire Handel in Deutschland genießt. Er ermöglicht benachteiligten Produzentenfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika eine Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen, steht für partnerschaftliche Handelsbeziehungen, fördert soziale Gerechtigkeit und setzt sich ein für den schonenden Umgang mit der Natur und den natürlichen Lebensgrundlagen.

»Fair schmeckt mir«


Damit sich dieses Bewusstsein ebenso in das Hotel- und Gaststättengewerbe überträgt, findet die diesjährige bundesweite Aktion Faire Woche vom 13. bis 26. September unter dem Motto »Fair schmeckt mir!« statt. Entsprechend soll der Slogan vor allem Cafés, Restaurants, Hotels, Kantinen und Mensen Lust auf das Ausprobieren fair gehandelter Produkte machen. In der so genannten Außer-Haus-Verpflegung, zu der auch alle Speisen und Getränke gehören, die auf dem Weg konsumiert werden, herrscht enorm hohes Arbeitstempo. Oft fehlt die Zeit, sich mit dem »ethischen Hintergrund« des Fairen Handels zu beschäftigen oder in die Bestellmodalitäten eines weiteren Lieferanten hineinzuarbeiten. Insbesondere das Kostenargument ist eine hohe Hürde, die viele Gastronomen davon abhält, Artikel aus Fairem Handel in ihr Sortiment aufzunehmen. Albuschkat, der auch einer der beiden Bundeskoordinatoren der Aktionswoche ist, schränkt jedoch ein, dass dieses Argument nicht immer gelten kann: »Auch konventioneller Kaffee und Tee können im selben Preissegment liegen wie fair gehandelte Ware - wenn man die gleiche Qualität miteinander vergleicht.« Die Aktionswoche ruft aus diesem Grund jene gastronomischen Betriebe auf, faire Menüs anzubieten oder spezielle Aktionen zum Fairen Handel durchzuführen, die schon mit fair gehandelten Erzeugnissen arbeiten. Außerdem gibt es einen Restaurant-Wettbewerb: »Fair schmeckt mir! - Fairer Handel auch in der Gourmet-Küche«. Aber auch Schulen, Aktionsgruppen, Kirchengemeinden, Weltläden, Supermärkte und engagierte Verbraucher können sich mit ihren Veranstaltungen beteiligen. Um diese bundesweit vorzustellen, wurde auf der Homepage der Fairen Woche ein Kalender eingerichtet, in den noch bis zum 26. September Termine eingetragen werden können. »Wir gehen davon aus, dass wir mehr als 1000 Anmeldungen registrieren. Und natürlich würden wir uns freuen, wenn aufgrund der Aktionswoche mehr Verbraucher auf den Geschmack von fairen Produkten kommen und im Restaurant oder in ihrer Kantine danach fragen.«


Weltladen
Ingrid Christmann, Mainzer Weltladen Unterwegs-Mitarbeiterin, mit fair gehandelten Trockenfrüchten, deren Geschmack Kinder bei einer Probieraktion testen können.

Die Idee der erstmals 2001 ausgerichteten Fairen Woche stammt von TransFair und ist eine Aktion des Forums Fairer Handel, das die Aktivitäten des Fairen Handels in Deutsch­land koordiniert, gemeinsame Forderungen gegenüber Politik und Handel durchsetzt sowie eine stärkere Ausweitung des Fairen Handels erreichen will. Die Aktionswoche wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), dem Evangelischen Entwicklungsdienst (eed), Brot für die Welt und dem Bischöflichen Hilfswerk MISEREOR finanziell gefördert.

Infos: Im Landtagsrestaurant veranstaltet das Entwicklungspolitische Landesnetzwerk Rheinland-Pfalz, ELAN e.V. in Kooperation mit dem Mainzer Weltladen Unterwegs vom 9.9. bis zum 19.6. die Fair-regionale Woche, in der Menüs mit Zutaten aus Fairem Handel und aus der Region angeboten werden. Die Verbraucherzentrale lädt ab 13.9. unter dem Titel »Fairer Handel - Mach mit!« in ihrer Geschäftstelle dazu ein, bei fairen Köstlichkeiten Wissenswertes über die Grundlagen des Fairen Handels zu erfahren und erklärt, was das mit Nachhaltigkeit zu tun hat. Am 18.9., dem Weltkindertag, organisiert der Weltladen Unterwegs Mainz eine Probieraktion mit fairen Trockenfrüchten für Kinder auf dem Gutenbergplatz und am 19.9. ab 10Uhr im Café Grün einen fairen Brunch. www.faire-woche.de.


KH