Heft 239 August 2010
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Nullfünfer - Gedanken vor der Saison

Gedanken vor einer Saison

Oder: Wo ist Paul?


Fussballer

Am Sonntag dem 22. August geht es um 15.30 Uhr endlich wieder los. Wenn der Schiedsrichter die Partie des 1. FSV Mainz 05 gegen den VfB Stuttgart eröffnet pfeift er nicht nur ein Fußballspiel an - sondern (wenn alles gut geht) auch die letzte Saison der Rot-Weißen im alten Bruchweg-Stadion. Und für manchen Fan ist in diesem Jahr eine Frage fast genauso wichtig wie der Punktestand seiner Mannschaft: Wann und wie bekomme ich wo meinen neuen Stammplatz in der Coface-Arena?

Spekulationen und Tipps über das Abschneiden des Teams in der neuen Saison sind überraschend wenig zu hören. Da uns Krake Paul nicht zur Verfügung steht, haben wir uns in den Fankneipen kurz umgehört. Alleine die Frage »Kann Nullfünf die Liga halten?« erzeugt überall böse Blicke. Selbstverständlich! Na klar! Wieso denn nicht? Natürlich hoffen wir alle darauf. Die Coface-Arena ein Zweitliga-Stadion? Niemals! Und normalerweise sollte es auch mit einer konstant guten Leistung zu schaffen sein - obwohl die Liga in dieser Saison sicherlich stärker besetzt ist. Auch der 1. FC Kaiserslautern und der FC St. Pauli müssen erst einmal geschlagen werden. Und ob sich die Bayern aus München nochmals so desolat in Mainz präsentieren ist leider auch eher unwahrscheinlich.

»Normalerweise« müssten wir es schaffen - aber was ist im Fußball schon »normal«?

Der Kader hat sich verändert, man darf wohl sagen verbessert. Sicher sind die Abgänge von Chadli Amri (musste der ausgerechnet auf den »Betze« gehen?), Malik Fahti und Tim Hoogland sind bedauerlich. Andererseits muss man der Vereinsführung wieder mal ein Kompliment für ihre unaufgeregte und besonnene Kaderergänzung machen. Adam Szalai bleibt! Für viele sicherlich die wichtigste Meldung. Die Verhandlungen mit Real Madrid konnten positiv abgeschlossen werden. (Nur mal so am Ran­de: Mainz verhandelt mit den »Königlichen« - vor einigen Jahren hätte man sich so ein Szenario wohl auch kaum vorstellen können.) Christian Fuchs (österreichischer Nationalspieler), Lewis Holtby, Marco Caligiuri, Dragan Georgiev, Haruna Babangida - auch das sind »Neue« von denen man einiges erwarten darf. Und auch aus der Jugend stoßen neue Spielerpersönlichkeiten dazu. Nun ist es die Aufgabe von Cheftrainer Thomas Tuchel aus allen eine schlagkräftige Truppe zusammen zu stellen. Eigentlich spricht nichts dagegen, dass er das schafft - wenn da nicht die menschliche Anatomie wäre. Ein Tritt, ein Crash, ein blöder Sturz - und schon werden die Karten neu gemischt.

Siehe Heinz Müller: Bester Torhüter der letzten Saison (laut Kicker-Punkteliste) und da erwischt ihn der Ex-Mainzer Auer im Freundschaftsspiel gegen die Alemannia aus Aachen ebenso unnötig wie blöd - und das Kreuzband ist lädiert. Halb Mainz wird über Nacht zum Kniespezialisten - diskutiert, hofft bangt. Was ist wenn.? Dann am 26. Juli die (halbe) Entwarnung: »Der Mainzer Torhüter, der sich im Testspiel gegen Alemannia Aachen (4:0) am vergangenen Donnerstag einen Längsriss im hinteren Kreuzband des rechten Knies zugezogen hat, muss voraussichtlich nicht operiert werden. Das hat eine ärztliche Untersuchung am Montag in München ergeben. Auch wenn die konservative Behandlung wie gewünscht greift, wird Müller allerdings mehrere Wochen ausfallen und in den ersten Partien der Saison den Mainzern nicht zur Verfügung stehen.«

Dazu 05-Manager Christian Heidel. »Auf Grundlage dieser Informationen sehen wir zunächst keinen akuten zusätzlichen Handlungsbedarf auf der Position des Torhüters.« Leichtes Aufatmen - und der Blick geht weiter zu Aristide Bancé: Was macht sein Knie? Abreise aus dem Trainingslager - ärztliche Behandlung in Mainz.

Derweil schlägt der FSV den griechischen Meister Panathinaikos Athen 2:0 - ohne Müller und Bancé. Wie aussagekräftig ist dieses Ergebnis? Spannend wird es am 22. August. Gegen 17.30 Uhr ist dann klar wo wir wirklich stehen. Werden es drei Punkte - die ersten drei im Kampf gegen den Abstieg - oder um ein Platz in einem europäischen Wettbewerb? Gibt es denn in Mainz keine Okrakel, die man mal befragen könnte?


(mdl)