Heft 239 August 2010
Werbung




Jubiläum

Ludwig Johann Ignaz Fischer

Von Mainz an den Hof des Königs


Ludwig Johann Ignaz Fischer
Ludwig Johann Ignaz Fischer

Er sang für die ganz großen seiner Zeit: Am kurfürstlichen Hof in Mainz und Mannheim, vor dem Kaiser in Wien und dem König in Berlin. Komponisten wie Wolfgang Amadeus Mozart und Antonio Salieri schrieben seinem gewaltigen Stimmumfang entsprechend Opernrollen für ihn. Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. stellte ihn gar lebenslänglich als Sänger an seinem Hof ein und entlohnte ihn mit einem Gehalt, das dem eines Fürsten entsprach. Der gebürtige Mainzer Ludwig Johann Ignaz Fischer galt seiner Zeit als einer der berühmtesten Bass-Sänger Deutschlands; am 11. Juli dieses Jahres jährte sich sein Todestag zum 185. Mal, vor 265 Jahren, am 18. August 1745, wurde er geboren - Grund genug sein Leben Revue passieren zu lassen.

Betrachtet man heute seine Geschichte ist man versucht, sie mit der viel genutzten Metapher des Tellerwäschers und Millionärs zu beschreiben. In ärmlichen Verhältnissen, als Sohn des Mainzer Mehlhändlers Adam Fischer geboren, lässt zunächst wenig auf den Glanz seiner späteren Jahre schließen. Als Ludwig acht Jahre alt ist, stirbt sein Vater, an Auszehrung wie es heißt. Der Halbwaise wird fortan von den Mainzer Jesuiten unter die Fittiche genommen, im dortigen Kirchenchor wird seine Singstimme zum ersten Mal entdeckt und gefördert. Im Alter von 16 Jahren machen sich seine Stimmbildungsübungen zum ersten Mal bezahlt: Zur finanziellen Unterstützung seiner Mutter singt er in Messeauführungen mit. Vielleicht war dieses regelmäßige Einkommen ausschlaggebend für seine Entscheidung Berufsmusiker zu werden. Jedenfalls entschließt er sich gegen eine berufliche Laufbahn als Theologe oder Jurist, Optionen, die auf Grund seiner Ausbildung bei den Jesuiten passend gewesen wären.

Er feilt weiter an seiner Stimme und erhält mit 18 Jahren eine ers­te Anstellung: Als Beamter auf Pro­be kommt er an den kurfürstlichen Hof des Mainzer Erzbischofs Emmerich Josef; gesanglich übernimmt er immer öfter die Bass­stim­me. Kurze Zeit später muss Emmerich Josef das aufstrebende Gesangstalent wieder ziehen lassen: an den kurpfälzischen Hof in Mannheim. Bei einem Vorsingen hatte Fischer den damals deutschlandweit geschätzten Tenorsänger Anton Raaf für sich begeistert, der ihn an den Mannheimer Hof abwirbt. Eine bedeutende Chance für Fischer. Immerhin gilt Mannheim unter Kurfürst Carl Theodor als Theater- und Musikhochburg. Für Fischer sollte die kurpfälzische Residenzstadt zum Karrieresprungbrett werden. Zunächst als Lehrer am dortigen »Seminario Musico« tätig, zieht er 1778 mit Kurfürst Carl Theodor und dem gesamten Hof nach München: Nach dem Tod des bayerischen Kurfürsten Maximilian folgte als Erbe nämlich der Mannheimer Kurfürsten Carl Theo­dor, der als einzig verbleibender Wittelsbacher die Regierungsgeschäfte in Bayern übernehmen sollte. Für Fischer bietet sich so die nächste berufliche Chance: Er singt am kaiserlichen Hof Josephs II. und wechselt ans Nationaltheater in Wien. Streitereien mit dessen Intendanten veranlassen ihn ein Engagement am Fürstenhof in Regensburg anzunehmen, beim Fürsten von Thurn und Taxis. Zwischenzeitlich führen ihn Konzertreisen durch die bedeutenden Städte Europas, unter anderem nach Paris, wo ihm ein Empfehlungsschreiben Mozarts Tür und Tor öffnet. Letzterer war von Fischers Stimme so angetan, dass er ihm die Figur des Osmin in der »Entführung aus dem Serail« auf den Leib schrieb. Komponisten wie Antonio Salieri und Johann Friedrich Reichardt folgen dem Beispiel Mozarts und schreiben in ihren Opern Bass- und Baritonrollen für Fischer.

Berlin - Endstation königlicher Hof


An positiven Referenzen mangelt es dem mittlerweile berühmten und wohlhabenden Mehlhändlersohn also nicht und so nimmt er schließlich 1789 das Angebot des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. an, lebenslänglich an dessen Hof zu singen. Entlohnt wird er nicht nur mit einem fürstlichen Gehalt von 2.000 Talern jährlich (zum Vergleich: Einer der wichtigsten höfischen Beamten, der Hofmarschall, verdiente durchschnittlich 1.800 Taler), sondern auch mit regelmäßigen stehenden Ovationen des Berliner Publikums. Ausschlaggebend für das Angebot des Königs war ein erfolgreiches Konzert Fischers zum Geburtstag der preußischen Königen, Friederike Luise, gewesen.

Die alte Heimat scheint Fischer während seiner Berliner Zeit aber nicht gänzlich vergessen zu haben: Er lässt einige Mainzer Sänger und Sängerinnen an den königlichen Hof holen. Außerdem huldigt er in einem von ihm komponierten Trinklied, »Im tiefen Keller sitz ich hier«, ausgiebig dem Rheinwein, den er, laut Text, am liebsten aus dem Römerglas zu sich nimmt.

Bildnachweis:
Wolfgang Balzer »Mainz - Persönlichkeiten der Stadtgeschichte«, Mainz 1995, S. 103

Katrin Henrich