Heft 239 August 2010
Werbung




Stadtteile

Hechtsheim wehrt sich gegen Dachpappen-Fabrik

Wohin mit den Mogat-Werken?



Rheinhessenstraße Richtung Mainz-Ebersheim
Rheinhessenstraße Richtung Mainz-Ebersheim

Die Mogat-Werke darf man wohl mit dem meist anerkennend gemeinten Begriff »alteingesessen« bezeichnen. Seit 1932 produziert die Dachpappenfabrik bereits an ihrem Standort auf der Ingelheimer Aue; geführt nach wie vor von der Gründerfamilie. Doch wehe, wenn aus dem alteingesessenen Unternehmen in der Gaßnerallee andernorts ein Neubürger werden soll - dann kippt die Stimmung.

Denn Produktion und Lagerung der Dach- und Bauwerksabdichtungen auf Bitumen-Basis riechen, was wiederum den Gegnern einer Neunansiedlung stinkt. Allen voran den Hechtsheimern, in deren Wirtschaftspark im Süden des Stadtteils das Werk ziehen will. Oder muss. Denn eigentlicher Grund für den Umzug sind die Expansionspläne der Stadtwerke für den Containerhafen. Um dessen Areal zu vergrößern, soll Mogat sein angestammtes Gelände verlassen.

Ortsvorsteherin Ursula Groden-Kranich (links) und BI-Chefin Heike Leidinger-Stenner
Ortsvorsteherin Ursula Groden-Kranich (li.) und BI-Chefin Heike Leidinger-Stenner
Also hat die städtische Grundstücksverwaltungsgesellschaft (GVG) ein 1,8 Hektar großes Gelände an der Kreuzung Ludwig-Erhard-/Rheinhessenstraße an Mogat verkauft. Aus GVG-Sicht ein Erfolg: Das Unternehmen in der Stadt gehalten, 40 Arbeitsplätze gesichert und ein brachliegendes Gelände gefüllt. Anders die Reaktion der Hechtsheimer: eine Bürgerinitiative, fünf Parteien und 2000 Einwender laufen Sturm gegen die Ansiedlungspläne.

Die Hechtsheimer Ortsvorsteherin Ursula Groden-Kranich (CDU) ist empört. Bereits im Frühjahr 2009 sei der Verkauf von der GVG unter Ausschluss der Öffentlichkeit eingefädelt worden, erfahren hätten die Hechtsheimer davon erst Ende des Jahres. Sie wirft der Verwaltungsspitze vor, die Betroffenen »bewusst ausgeklammert« zu haben. Die GVG mit ihrem Geschäftsführer Franz Ringhoffer, dem FDP-Wirtschaftsdezernenten, an der Spitze, hätte doch schon gleich zu Beginn die Befindlichkeiten der Hechtsheimer bezüglich der Werksansiedlung ausloten müssen.

Nachteile für Hechtsheim?

Die fürchten nämlich eine massive Geruchs- und Schadstoffbelastung für ihren Stadtteil. Dass ein 25 Meter hoher Schornstein gebaut werden solle, zeige doch, dass da »besondere Emissionen« ausgestoßen würden, so Groden-Kranich. Und das ausgerechnet, in dem Stadtteil, in dem der meiste Weinbau betrieben werde. Zumal das Gelände einstmals als »Öko-Gewerbepark« geplant worden sei. »Ich will das Unternehmen nicht kaputt machen, aber ich will es nicht in Hechtsheim«, stellt die Ortsvorsteherin klar.

Heike Leidinger-Stenner, Vorsitzende der Bürgerinitiative »Hechtsheim - industriefrei«, traut den Beteuerungen seitens Mogat nicht, dass durch moderne Filter- und Absauganlagen keine nennenswerten Belästigungen zu erwarten seien. Es sei ein baugleiches Werk wie am Westerwälder Mogat-Standort in Nentershausen geplant, so Leidinger-Stenner. Bei einem Besuch von BI-Kollegen hätten dortige Anwohner über massive Geruchsbelästigungen berichtet. »Bei Ostwetter Fluglärm, bei Westwetter Gestank«, zeichnet die BI-Chefin ein düsteres Zukunftsszenario für Hechtsheim.

Enttäuscht ist Leidinger-Stenner zudem über das Abstimmverhalten mancher örtlicher Politiker. Im Januar hatten sich mit CDU, SPD, Grüne, FDP und ÖDP/Freie Wähler noch alle Fraktionen im Ortsbeirat in einer gemeinsamen Resolution gegen die auf Mogat gemünzte »Ansiedlung von Produktionsanlagen mit belastenden Emissionen« ausgesprochen. Im Stadtrat hatten sich jedoch zwei Hechtsheimer SPD-Ratsmitglieder einem Beschluss der Ampel-Koalition angeschlossen, die Standortfrage »ergebnisoffen« zu prüfen - also Hechtsheim inklusive.

Zumindest der ursprünglich geplante Standort scheint inzwischen allerdings vom Tisch zu sein. Mogat habe das Gelände zwar gekauft, aber mit dem Vorbehalt der Baugenehmigung, berichtet die Ortsvorsteherin. Angesichts der Widerstände habe Mogat im Februar beantragt, das Genehmigungsverfahren ruhen zu lassen. Ein zwischenzeitlich präsentierter Alternativstandort - auf dem Wirtschaftsparkareal, aber nördlich der Messe - stößt bei den Hechtsheimern jedoch ebenfalls auf Ablehnung: Die Geruchsbelästigung bliebe die gleiche, glaubt Groden-Kranich.

Irgendwo müssen die Mogat-Werke aber hin, der Bauausschuss hat dem Unternehmen Bestandsschutz für Mainz gewährt. Die Ortsvorsteherin fürchtet, dass am Ende doch Hechtsheim betroffen sein könnte. »Ich habe Angst, dass da etwas in der Sommerpause durchs Ferienparlament geschleppt wird, ohne dass man es mitkriegt oder was dagegen tun kann«, sagt Groden-Kranich. Sie glaubt, Grund zum Misstrauen zu haben: Während im Stadtrat gesagt werde, es sei nichts entschieden, höre sie andererseits Gerüchte, dass bereits Bauausschreibungen liefen.

Was sagt der Wirtschaftsdezernent?

Aufklärung über den aktuellen Sachstand der Mogat-Umsiedlung hatte sich die CDU von einer Anfrage in der Stadtratssitzung am 30. Juni erhofft. Doch die Antwort Ringhoffers war dürftig: Im Zuge der Prüfung von Alternativstandorten seien »einige weggefallen und andere Möglichkeiten haben sich eröffnet«. Abschließende Bewertungen seien noch nicht erstellt, sobald dies der Fall sei, werde die Verwaltung informieren. Aha! Präzisere Angaben wollte das Dezernat auf Anfrage nicht machen.

Christoph Barkewitz