Heft 239 August 2010
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Denkmal

Die Heunensäule

»Wahrzeichen im Schatten des Mainzer Doms«


Die Heunensäule

Eigentlich sollte man meinen, dass neben dem Mainzer Dom alles andere verblasst. Aber: Nicht so die Heunensäule. Seit die markante Säule im Jahr 1975 mitten auf dem Marktplatz aufgestellt wurde, bleiben dort täglich Heerscharen von Touristen stehen. Schließlich gibt es auch genug zu sehen, vor allem am Sockel. Der wurde von dem Pfälzer Künstler Gernot Rumpf gestaltet. Auf witzige Art und Weise hat er mittels verschiedener Kopfbedeckungen Teile der Mainzer Stadtgeschichte dargestellt.

Unter anderem lugt aus einer römischen Gladiatorenmaske der ehemalige Mainzer Oberbürgermeister Jockel Fuchs hervor. Eine Bischofsmitra steht für die Tradition der Stadt als Bischofssitz und natürlich darf auch eine Narrenkapp' nicht fehlen. Außerdem gibt es zahlreiche Abbildungen des Mainzer Rades, einen Davidstern zur Erinnerung an die Judenpogrome in Mainz und Darstellungen der zerstörten Stadt nach den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg.

Auch die Heunensäule selbst hat eine spannende Geschichte. Ursprünglich stammt sie aus Miltenberg in Unterfranken. Sie gehörte zu einer Gruppe von mehr als einem Dutzend gleichartiger Säulen, die dort in einem Felsenmeer »herum« liegen. Die Geschichte dazu ist über 1000 Jahre alt. Man vermutet, dass die Steinmetze in Miltenberg Anfang des 11. Jahrhunderts einen Großauftrag erhielten. Möglicherweise ging es damals um den Bau des Vorgängers des heutigen Mainzer Doms. Der erste Martinsdom war ja direkt am Tag seiner Weihe im Jahr 1009 abgebrannt. So liegt der Gedanke nahe, dass die Säulen für den Wiederaufbau benötigt wurden. Warum sie dann letztendlich übrig blieben, ist unklar. Möglicherweise waren es fehlerhafte Stücke oder - eine weitere Theorie - die Baumeister entschieden sich kurzfristig für einen anderen Säulenstil.

Fast 1000 Jahre später jedenfalls übergab die Stadt Miltenberg die Heunensäule an Mainz. Anlass war die Einweihung der neu gestalteten Domplätze 1975. Mit reichlicher Verzögerung hat die Säule also doch noch ihren ursprünglichen Bestimmungsort erreicht und ist aus dem Mainzer Stadtbild nicht mehr wegzudenken. ,Im Schatten des Doms' steht sie allerdings höchstens bei der passenden Sonneneinstrahlung.


Ilona Hartmann