Heft 238 Juli 2010
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Wurstbude

Zimt, Koriander und Soßen zum Anfeuern:

Die Worscht hat's in sich!


Kerstin Halm beim Schärfetest

»Wo in Mainz gibt's eigentlich so ne richtig leckere Curry-Wurstbude?« Diese Frage einer in Frankfurt lebenden Kollegin hat in der MAINZER Redaktion doch für einigermaßen Ratlosigkeit gesorgt. Denn während in Mainhattan solche Gourmettempel quasi an jeder Straßenecke zu finden sind, muss man in der Domstadt beinahe schon detektivische Fähigkeiten haben, um sich derart Fast-Food-technisch den Bauch vollschlagen zu können. Unsere Redakteure Kerstin Halm und Mario Bast haben sich auf die Suche gemacht und sind in der Altstadt fündig geworden. »Best Worscht in Town« - Der Slogan über dem von außen eher unscheinbaren Laden in der Augustinerstraße verspricht einiges. Und Patrick Wiegand, der die Bude mit seinem Partner Robert Dinek zusammen betreibt, noch mehr. »Neben der lecker Wurst hat man bei uns noch die Wahl, in den Geschmacks-Himmel zu kommen oder in die Schärfe-Hölle«. Stimmt, so stehtīs auch auf der Speisekarte. Nur: Was heißt das? »Geschmacks-Himmel bedeutet, wir streuen nicht nur einfach Curry auf die Wurst. Bei uns kann der Kunde verschiedene Styles wählen«, erklärt Wiegand. Da gibt's z. B. die X-Mas-Worscht, mit Zimt und Koriander. Oder den Jambalaya-Style, ein geheimnisvoller Sampler aus 17 verschiedenen Gewürzen. Zudem gibt's jeden Monat noch einen Spezial-Mix, wie etwa grünen Curry passend zur Fußball-WM. Also so eine Art Wurst mit Rasen obendrauf. Und was ist die Schärfe-Hölle? »Das heißt, dass man seine Wurst noch entsprechend ,anfeuern' kann«, beschreibt der Wurst-Experte den zweiten Teil der Speisekarte. Die Skala dabei reicht von A bis F. Wobei B in etwa dem Brennen der bekannten Tabascosoße entspricht und D bereits 100 Mal schärfer ist.

Worschtimperium made in Frankfurt

Kerstin Halm und Patrick Wiegand
Wie scharf darfs denn sein? Patrick Wiegand weiß, wie Würste »angefeuert« werden.

Das - doppelte - Erfolgsrezept stammt übrigens von Lars Obendorfer. Der Frankfurter Kult-Brutzler und selbst ernannte »Godfather Of Worscht« hat sein Imperium auf mittlerweile neun Läden ausgebaut. Wobei Wiegand und Dinek den ersten Franchiseableger außerhalb Hessens betreiben. Dass sie trotzdem zur BWiT-Familie gehören, beweist das Zertifikat des Curry-Wurst-Gurus an der Wand. Sind sie aber auch so gut? Wir wollen es wissen, wobei die Rollenverteilung klar geregelt ist: der Mann genießt, die Frau leidet. Heißt: Während sich Mario eine doppelte Curry-Wurst, halb Brat-, halb Rindswurst, Jambalaya-Style mit Pommes rot-weiß zu Gemüte führt (und schon bald genussvoll die Augen rollt), wird sich Kerstin durch die sechs Kammern der Schärfe-Hölle kämpfen. Stückchenweise natürlich. Nicht, dass der Magen schon schlapp macht, bevor das Chilifeuer so richtig angefangen hat zu brennen. Los geht's mit Stufe A: »Nett« lächelt die MAINZER-Redakteurin. Tiefenentspannt, schließlich kennt sie sich sowohl in der indischen, als auch der thailändischen Küche bestens aus. Stufe B: »Bitzelt im Hals«, bleibt Kerstin weiter unbeeindruckt. Das ändert sich mit B plus. Urplötzlich wird sie rot, erste Tränen schießen ihr in die Augen, Schweißperlen glänzen auf der Stirn. Ist hier schon Schluss? Mit einem Stück Brot kann Kerstin das drohende Aus verhindern und macht mutig weiter. Stufe C: »Wirkt irgendwie harmloser«, ist das Versuchskaninchen irritiert. Der Schärfemeister klärt auf: »Das kommt öfter vor«, erzählt Patrick Wiegand. »Laut Schärfeeinheit ist die Extraktsoße von C zwar schärfer, als das Chili-Pulver von B plus. Wie es sich dann auf der Zunge anfühlt, kann trotzdem unterschiedlich sein.« Mit dieser Irritation aber hört es bei D dann auf: »Vor allem im Nachgang brenntīs jetzt höllisch«, stöhnt Kerstin. Die Pausen zwischen den Bissen werden länger, der Griff zum Löschmittel Brot häufiger. Aufgeben will sie deshalb aber noch lange nicht. Stufe E: »Ich fühle mich, als hätte ich 40 Grad Fieber«, ist die Höllengängerin beeindruckt. »Mein Kreislauf läuft auf Hochtouren«. Ihre Gesichtsfarbe beweist es, die sich nach und nach der einer reifen Tomate angleicht. Trotzdem greift sie nach Stufe F. Ein Fehler? »Hölle«, kommt es krächzend aus Kerstins Kehle, unterstrichen von Tränen und Schweißperlen, die ihr zusammen die Wangen herunterlaufen. Auf einen zweiten Bissen verzichtet sie. Da nutzt auch die Zusatzmotivation von Patrick Wiegand nichts: »Wer eine ganze F-Wurst schafft, kommt mit Bild in unsere ,Hall Of Pain'«, versucht er sie ködern. Kerstins Antwort: »Vergiss es«. Und irgendwie kann man sie verstehen.


Kerstin Halm und Mario Bast

Info:
Best Worscht in Town
Augustinerstraße 11
Öffnungszeiten:
Mo-Do: 11-22 Uhr,
Fr + Sa: 11-1 Uhr,
So + Feiertags: da schaffe mer nix!