Heft 238 Juli 2010
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Straßen

Erinnerung an das

St. Albans Kloster


St. Albans Kloster
Die St. Alban Kirche

»Am Stiftswingert« heißt die Straße in der Mainzer Oberstadt, die von der Hechtsheimer Straße bis zum Volkspark verläuft. Am Stiftswingert? Wo bitte gibt es hier ein Stift oder gar einen Wingert?

Tatsächlich gab es beides genau hier - vor vielen Hundert Jahren. Die Straße wurde einst nach dem Weinbergsbesitz des Klosters St. Alban benannt. Der Priester Alban, Schutzpatron der Stadt Mainz, war um 406 ermordet worden und vermutlich auf einem Gräberfeld südlich von Mainz beigesetzt worden: auf dem Albansberg.

Ungefähr an der Stelle von Albans Grab wurde Anfang des 5. Jahrhunderts ein Benediktinerkloster errichtet, das in der Folgezeit vergrößert wurde. Im Jahr 805 weihte Erzbischof Richulf dann die neugebaute dreischiffige Klosterkirche St. Alban ein. Bis zum Bau des Mainzer Willigis-Doms war das Albanskloster die größte Kirche in Mainz.

Am Taubertsberg
Am Stiftswingert
Das Kloster war aber nicht nur für seine prachtvolle Kirche bekannt. Es gehörten auch Schulen, ein großes Skriptorium und weiterer Grundbesitz dazu - darunter eben auch Weinberge und Gärten. Aus dem Stiftsgarten ging später der heutige Stadtpark hervor.

Wie es mit dem Albanskloster weiterging? Bereits im Jahr 858 wurden Teile der Kirche bei einem Erdbeben zerstört. Weitere Zerstörungen folgten 1329, als sich Mainzer Bürger mit dem Administrator der Stadt Balduin von Luxemburg stritten, und 1552 im Zweiten Markgrafenkrieg. Übrig blieb nur eine Kapelle, die immer wieder beschädigt wurde und während der Belagerung von Mainz 1793 dem Erdboden gleich gemacht wurde.

Endgültig vorbei war es dann 1802, als Napoleon das Stift St. Alban offiziell aufhob. 1930 allerdings wurde eine neue Kirchengemeinde St. Alban gegründet, einen Katzensprung von dem Standort des ehemaligen Klosters entfernt. 1952 wurde St. Alban als erster Kirchenneubau in Mainz nach dem Zweiten Weltkrieg geweiht. An das alte Kloster St. Alban erinnern heute noch mehrere Straßennamen.

So sollen die Grundmauern des Klosters ungefähr dort gestanden haben, wo heute die Straße »Auf dem Albansberg« verläuft. Auch die »Abtsgasse« und »Am Klostergarten« haben ihren Ursprung in der Klostergeschichte und natürlich - der »Stiftswingert«.

Ilonka Hartmann