Heft 238 Juli 2010
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Denkmal

Leise bimmelt der Glockenbaum sein Lied

»Guten Morgen, liebe Beamte!«


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Wenn man Glück hat und gerade ein etwas kräftigeres Lüftchen weht, dann kann man die vielen Glöckchen leise bimmeln hören. Spätestens dann kann man erahnen, warum der Glockenbaum vor dem Bildungsministerium von den Mainzern liebevoll »Beamtenwecker« genannt wird. Schon seit den 70er Jahren ziert die Bronzeskulptur den Vorplatz der Behörde an der Mittleren Bleiche. Seitdem wurde sie bereits einmal gründlich geputzt: Als das Ministeriumsgebäude von 2004 bis 2006 saniert wurde, bekam auch der Glockenbaum eine Runderneuerung verpasst. Geschaffen wurde die Bronzeplastik von Gernot Rumpf. Der Künstler stammt aus Kaiserslautern und lebt seit Jahren in Neustadt. 1973 bekam er den Kunstpreis des Landes Rheinland-Pfalz für Plastiken.

In dem Glockenbaum hat er gleich mehrere symbolträchtige Aspekte vereint. Da ist einmal die gesamte Form der Plastik, die an eine Äolsharfe erinnert, ein Symbol für Poesie. In der Beschreibung des Kunstwerkes heißt es außerdem, die Wasserspritzdüsen an den Trägerarmen erinnerten an die Brüste der Diana von Ephesus. Die griechische Göttin der Fruchtbarkeit wird nämlich gern mit einer ganzen Reihe von Brüsten dargestellt. Und schließlich die vielen Glocken. Rumpfs Idee: die verschiedenen Glocken sollen die unterschiedlichen Weltkulturen symbolisieren. Alle 14 großen Glocken des Kunstwerkes sind Nachbildungen von berühmten Glocken aus anderen Ländern.

Mit dabei sind Glocken aus Äthiopien, Südamerika, Indien, China und Java. Auf drei Bronzetafeln am Boden ist zu lesen, welche Glocken zu welchem Land gehören. In die großen Klangkörper sind 68 kleinere Glöckchen mit Windscheiben-Klöppeln eingehängt. Alle zusammen sorgen sie bei entsprechendem Wind für ein ständig wechselndes Klangspiel. Ob das zarte Bimmeln aber tatsächlich ausreicht, um einen Beamten aus dem wohlverdienten Tiefschlaf zu reißen - das sei dahingestellt.


Ilona Hartmann