Heft 238 Juli 2010
Werbung




Stadtteile

Bahnhof Mombach:

Erst verkauft, dann vergessen?


yyy
Wo einst die Bahnhofsuhr den Mombachern den Takt vorgab, hängt nur noch eine Holzscheibe. Auch sonst bietet das Bahnhofsgebäude einen traurigen Anblick.

Wenn Kommunen und Deutsche Bahn um den Zustand eines Bahnhofs ringen, müssen regelmäßig dicke Bretter gebohrt werden, wie jüngst unser Bericht über den Ortsbeirat Altstadt und den Südbahnhof gezeigt hat. Doch was, wenn noch ein Dritter ins Spiel kommt, ein Investor, der das Bahnhofsgebäude gekauft hat? Dann steht der Ortsbeirat auf richtig verlorenem Posten, davon kann die Mombacher Ortsvorsteherin Dr. Eleonore Lossen-Geißler (Foto unten) ein Lied singen. Der Zustand des Bahnhofs in der Quellenstraße erregt die Gemüter schon seit langem. So ist in einem Antrag der SPD-Fraktion im Ortsbeirat vom August 2007 zu lesen: »Der Mombacher Bahnhof befindet sich im Inneren in einem erbärmlichen und unhygienischen Zustand.« Knapp zwei Jahre später hat sich nichts getan, im April 2009 fragt die Mombacher SPD erneut bei der Stadtspitze an: »Welche Möglichkeit sieht die Verwaltung, der fortschreitenden Verwahrlosung des Bahnhofsgebäudes (...) entgegenzuwirken?« Die Antwort des Liegenschaftsamts verdeutlicht das Problem. Dezernent Franz Ringhoffer (FDP) erklärt darin, dass sich die ehemalige Empfangshalle »im Privatbesitz« befindet. Eigentümer sei ein Konsortium aus der Patron Capital Ltd. London und der Projektentwicklungsgesellschaft Procom in Hamburg. Daraus folgert Schüler: »Seitens der Verwaltung besteht keine Möglich­keit, auf die Gestaltung des Bahnhofsgebäudes Einfluss zu nehmen.« Aber man werde mit der Deutschen Bahn und dem Verwalter der Liegenschaft Kontakt aufnehmen...

pipipfütze in der unterführung
Die Pfütze in der Unterführung gehört Bahnhofsnutzern zufolge dort schon zum festen »Inventar«.

So läuft es regelmäßig, wie Ortsvorsteherin Lossen-Geißler berichtet: »Die Stadtverwaltung sagt, sie sei nicht zuständig, sondern die Bahn, die wiederum sagt, sie sei nur ein bisschen zuständig, das sei Sache des Investors.« Jeder schiebe es auf den anderen, im Ergebnis passiere zu wenig. Tatsächlich macht der Bahnhof einen ziemlich heruntergekommenen Eindruck. In der Unterführung steht eine große Wasserpfütze, Risse durchziehen die Wände. Grob verschmutzt wirken Durchgang und Bahnsteige hingegen nicht. Beides wird laut Stadtverwaltung einmal wöchentlich von der Bahn gereinigt. Den größten Schrecken verbreitet im Grunde das Vordach. Die Farbe bröckelt ab, Elektrokabel einer fehlenden Leuchte baumeln über den Köpfen der Reisenden, eine stützende Metallsäule bricht bereits aus der Betondecke. Das sei »als Entree für Mombach einfach fies«, urteilt die Ortsvorsteherin. Trotz aller Kritik am Zustand des Gebäudes betont sie aber auch, dass sie in Sachen Vermietung mit dem Investor zufrieden ist. In den Räumen des jüngst ausgezogenen Harley-Davidson-Clubs bezieht jetzt vorübergehend das Jugendzentrum Haus Haifa für etwa ein Jahr Quartier, solange dessen Domizil renoviert wird. Und auch der zweite Mieter, der Fastnachtsverein CCM Eulenspiegel, sei zufrieden, meint Lossen-Geißler. Ein Anruf bei dessen Vorsitzendem Friedhelm Krost, bestätigt dies weitgehend. Die Miethöhe sei gut, sagt Krost, das Verhältnis sei weitgehend störungsfrei. Das äußere Erscheinungsbild findet der CCM-Chef aber »auch nicht so schön«. Angesprochen auf die Tür zu den Vereinsräumen, deren Sicherheitsglas von Rissen und Löchern durchzogen ist, sagt er: »Wir melden das zwar, aber es passiert nichts«.

Was sagen Bahn und Investor?

yyy
Ob das noch lange trägt? Ein Stützpfeiler bricht aus der Betondecke des Vordachs, weiter hinten baumelt eine Kabelbuchse.

Patron und Procom sind ganz groß im Geschäft mit Bahnhofsgebäuden. Anfang 2008 haben sie 490 Bauten von der Deutschen Bahn gekauft. Außerdem hat Patron/Procom 500 Gebäude nach der Insolvenz eines vorherigen Investors übernommen, der diese schon 2001 von der Bahn erworben hatte. Die Empfangsgebäude seien nicht betriebsnotwendig, begründete die Bahn damals den Verkauf. Der Staatskonzern hatte allerdings Nutzungskonzepte vom Investor verlangt und die Zusage erhalten, dass binnen fünf Jahren 15 Millionen Euro in die Immobilien investiert würden. Warum sieht der Mombacher Bahnhof, dann aber so aus? Für Schönheitsreparaturen sei man nicht mehr zuständig, sagt ein Bahnsprecher. Kontrolliert die Bahn die Erfüllung der verlangten Nutzungskonzepte? Die Bahn ließe sich durchaus alle Maßnahmen vorlegen, zentral in Berlin, so der Sprecher. So ließe sich überprüfen, ob nach den fünf Jahren die Millionen investiert seien - »wir machen dem Investor allerdings keine Vorschriften, wo er was machen muss«. Vor diesen Entscheidungen steht Siegfried Fernitz, Geschäftsführer der Main Asset Management GmbH in Dreieich. Die Patron-Tochtergesellschaft ist für Entwicklung und Vermarktung der Bahnhofsgebäude zuständig. »Natürlich will jede Gemeinde einen tollen Bahnhof«, berichtet der Manager, aber nur vom Sanieren würde der Käufer nun mal keine Rendite erzielen. Erst wenn ein Objekt »vollvermietet« (also langfristig) sei, werde saniert. Dies sei mit der nur vorübergehenden Vermietung an das Jugendzentrum in Mombach noch nicht der Fall. Sollte eine Gefährdung vorliegen, werde aber sofort gehandelt. Wie bei den herunterhängenden Kabeln am Mombacher Vordach: »Jetzt, wo wir die Meldung haben, wird das behoben«, verspricht Fernitz zumindest erste Hilfe.


Christoph Barkewitz