Heft 238 Juli 2010
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Ausprobiert

Stadtrundfahrt per Express-Bahn

Sehenswürdigkeiten Komprimiert


Express-Bahn

Seit zwei Jahren dreht sie ihre Runden durch die Innenstadt. Ihre Markenzeichen, die riesige Lock und die beiden Wagen im Stil des letzten Jahrhunderts, sind unverkennbar. Die rote Mainzer Touristik-Bahn oder auch Gutenberg-Express genannt ist für Touristen eine komfortable Art, innerhalb einer Stunde die markantsten Ecken und bekanntesten historischen Stätten kennen zu lernen. Allerdings äußern immer mal wieder Fahrgäste ihren Unmut über diese Art der Stadtführung. Also begab sich MAINZER-Redakteurin Kerstin Halm auf eine eigene Rundtour.

Tickets gibt es beim - freundlichen - Fahrer und los geht's. Während die Bahn ihren Hauptstandort am Gutenbergplatz verlässt, erzählen mir drei Damen aus dem Saarland, dass sie Mainz schon öfters besichtigt haben. Nun sind sie gespannt, was sie mit der Bahn noch entdecken können. Wie werden von einer angenehmen Frauenstimme vom Band begrüßt, zunächst auf deutsch, dann auf englisch. Sie führt uns in dieser sprachlichen Reihenfolge durch die gesamte Tour. Nach ein paar einleitenden Worten über die Geschichte der Stadt, Erklärungen zum Staatstheater und zu Johannes Gutenberg biegen wir in die Fustststraße zum Bischofsplatz ein. Zum Nachteil der internationalen Gäste ohne Deutschkenntnisse folgt erst jetzt die englische Übersetzung. In der Heiliggrabgasse beginnt unsere digitale Fremdenführerin auf die Altstadt und den Leichhof hinzuweisen, der sich allerdings hinter der Häuserfront befindet und somit nicht zu sehen ist. Ohne anzuhalten überquert die Bahn die Augustinerstraße, schnell links und rechts geschaut, bevor wir in der Grebenstraße verschwinden. Viel zu kurz war der Einblick in die Altstadt.

Nicht einfach zu folgen

Es folgt der erste Stopp auf dem Liebfrauenplatz. Er ist einer von insgesamt sieben, an denen Besucher den ganzen Tag ein- und aussteigen können. Von hier aus geht es über das Fischtor, dem zweiten Haltepunkt, in die Rathausstraße. Entlang des Rheins erzählt uns die Bandstimme ausführlich von der geschichtlichen Bedeutung des Flusses, vom Bau der Theodor-Heuss-Brücke und von Kastel. Alles passt zusammen. Auf der Rheinstraße mit Ziel Antikes Schifffahrtsmuseum erhalten wir hingegen plötzlich Informationen über das in »vier Kilometer« entfernte ZDF. Der marginale Hinweis über einen der größten Fernsehsender Europas und einem wichtigen Aushängeschild von Mainz irritiert und wirkt deplaziert. Am Südbahnhof vorbei fahren wir Richtung Zitadelle. Bereits an deren Fuße hören wir Erklärungen zu ihrer Gründung und heutigen Funktion, vom Drususstein und Stadthistorischen Museum. Derselbe Text wiederholt sich als wir nach dem Eisgrubweg Am 87er Denkmal abbiegen. Noch immer sind wir nicht auf dem Zitadellen-Gelände, dem dritten Stopp. Auf meine Frage, ob die Saarländerinnen den Ausführungen vom Band folgen können, verneinen diese kopfschüttelnd. »Aber hier hoch wären wir ohne die Bahn sicherlich nicht gekommen«, sagt eine der Frauen. Immerhin am Gautor stimmen Ort und Beschreibung wieder überein, wie auch beim vierten Stopp, der St. Stephans Kirche.

Weiter geht die Fahrt über die Gaustraße zum Schillerplatz, auf dem wir vor dem Ostheimer Hof, dem fünften Stopp, Besucher einsteigen lassen. Erneut in der Fuststraße, aber am Kleinen Haus vorbei, überrascht uns die Bandstimme mit Angaben über die Mainzer Fastnacht. Meine neue Sitznachbarin fragt berechtigt: »Warum ist der Text nicht am Schillerplatz abgespielt worden?« In der Fußgängerzone passieren wir die Römerpassage und werden in der Bauhofstraße, dem fünften Stopp, über das Landesmuseum informiert, das wir nicht mehr rechtzeitig gesehen haben. Auch die englische Übersetzung hinkt wieder hinterher. Vorbei an der Christuskirche kommen wir zum sechsten Stopp, dem Kurfürstlichen Schloss. Von hier aus geht es weiter über die Große Bleiche zum Deutschhaus Platz entlang des Naturhistorischen Museums. Text und Orte passen auf den letzten Metern zusammen. Nach der Alten Universität und genau nach einer Stunde erreichen wir unseren Ausgangspunkt. Eine der Saarländerinnen bemerkt abschließend: »Diese Tour hätten wir niemals zu Fuß ablaufen können.«

Vom Touristik-Bahn-Betreiber Georg von Ko­wal­kowski erfahre ich, dass die Route mit der Stadtverwaltung ausgearbeitet wurde. Auf meine Kritik an der Altstadtstrecke reagiert er einsichtig: »Früher durften wir noch über den Leichhof fahren. Aber das wurde uns bald untersagt. Die Tour wird aufgrund der Baustellen immer wieder verändert.« In den teilwei­se unpassenden Texten und zeitverzögerten Übersetzungen sieht von Kowalkowski, der auch in Trier eine Bahn unterhält, kein Problem. Sein Team bemühe sich ständig die Angaben zu optimieren.

Fazit: Die Stadtrundfahrt weist einige Mängel auf, die überprüft und behoben werden sollten. Denn im Grunde lohnt sich die Fahrt mit dem Gutenberg-Express für Besucher durchaus, um einen komprimierten Eindruck von Mainz und seinen vielen Besonderheiten zu erhalten.


KH

Infos:
www.stadt-mainz.de
(Tourisumus/Führungen/Rundfahrt)
Normalpreis:
6 Euro, Kinder (6 bis 14 Jahre): 4 Euro,
Kinder bis 5 Jahre: frei,
Familie (2 Personen und 3 Kinder bis 14 Jahre) 16 Euro,
Gruppen mit je zehn Personen eine Person frei.