Heft 237 Juni 2010
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Weltmeisterschaft

Mainz im Schweden-Fieber

Touch Down Für fünf Frauen


Ladies Football beim TSV Schott
Spielen für Deutschland bei der WM: Rebekka Braun, Sonja Meurer, Birgit Schwenk, Sharon Klitzsch und Michelle Schaffer (v.l.n.r.)

Nein, hier geht es nicht um Fußball, sondern um die erste Internationale Meisterschaft der Frauen im American Football. Vom 27. Juni bis 3. Juli findet die Womens World Championship in Stockholm statt und neben Deutsch­land werden bei dieser Premiere auch USA, Kanada, Österreich, Finnland und Gastgeberland Schweden vertreten sein. Mit im deutschen 45-köpfigen Nationalteam des American Football Verband Deutschland e. V. (AFVD) sind auch fünf Frauen vom TSV SCHOTT Mainz Golden Eagles Ladies. Rebekka Braun, Michelle Schaffer, Sharon Klitzsch, Sonja Meurer und Birgit Schwenk wurden nach einem Sichtungscamp Ende März in Holzminden und der Ermittlung des Nationalkaders für die WM benannt. Zwar ist Frauenfootball noch immer eine Randsportart, die mit vielen Klischees, wie jenes von Mannweibern, behaftet ist. Die athletischen Spielerinnen beweisen jedoch das Gegenteil und verfügen über eine Zähigkeit, die sie für die Sportart mit dem rauen Körperkontakt dringend benötigen. »Wenn wir gegeneinander prallen, ist das schon toll, um Aggressionen rauszulassen. Aber der Reiz für mich ist vor allem die Strategie, die dahinter steckt. Deshalb wird er auch Rasenschach genannt«, sagt die 23-jährige Rebekka Braun aus Hattersheim, die erst seit 2008 American Football spielt. Während sie bei den Ladies der Mainzer Eagles als Runningback (Spieler für das Laufspiel) und Linebacker (Verteidiger im Mittelfeld) eingesetzt ist, wird sie sie im Nationalteam den Defenseback (Verteidiger) übernehmen.

Kraft, Koordination, Technik und Köpfchen

Sonja Meurer kam bereits mit 15 Jahren zum American Football, nachdem sie jahrelang Flag Football gespielt hatte, eine kontaktarme Variante des Football. Als sie im Training ihren ersten »Hit« (Schlag) abbekam, war die heute 18-jährige Mainzer Studentin darüber erschrocken. »Heute beherrsche ich natürlich die Technik, nun härtet so ein Stoß ab.« Auch Michelle Schaffer begann mit Flag Football. Bis zu ihrem fünften Lebensjahr lebte die 18-jährige Halbamerikanerin in den USA, wo sie mit American Football aufwuchs. »Für mich gehört der Sport zur ame­rikanischen Kultur dazu, und zu meinem Leben. Deshalb freue ich mich sehr darüber, an der WM teilzunehmen, aber momentan bin ich noch nicht aufgeregt«, erzählt die Hanauerin, die zurzeit eine Ausbildung zur Fahrzeuglackiererin macht und im Nationalteam die Position des Runningback einnimmt. Sharon Klitzsch hingegen war zu Beginn ihrer Sportlerinnenkarriere vom American Football gar nicht begeistert, denn die damals 18-Jährige hatte Angst vor den Schmerzen beim Zusammenstoß der Körper. Nach zwei Jahren bei den Eagles Ladies hat die Halb­amerikanerin aus Mainz, die im Kader Receiver (Passempfänger) und Kicker (der Ball schießt) ist, ihre Hemmungen abgelegt. Ihre Teilnahme an der Weltmeisterschaft bezeichnet die Schülerin als positiven Lebensabschnitt: »Ich habe Respekt vor den gegnerischen Mannschaften. Vor allem aber ist es für mich eine große Ehre Deutschland zu vertreten und zu denjenigen Spielerinnen zu gehören, die bei der ersten internationalen Meisterschaft der Frauen im American Football dabei sein darf.« Sehr stolz ist ebenfalls Birgit Braun über ihre Benennung in den Bundeskader. Die 28-jährige diplomierte Sozialarbeiterin aus Hohenstein kam 2006 über eine Studien-Kommilitonin zum American Football und spielt auf der Position des Defense Tackle (Verteidiger). Wie ihre vier Teamkolleginnen und Trainer Jörg Seiß der Golden Eag­les Ladies hofft sie auf ein erfolgreiches Ergebnis bei der WM. In ihrer Gruppe treffen die deutschen Frauen zuerst auf das schwedische und danach auf das kanadische Team. Gegnerinnen, die laut Seiß, der selbst seit zwölf Jahren American Football spielt, durchaus zu handhaben sind. »Allerdings wird ein Spiel gegen die Amerikanerinnen deutlich schwieriger. Aufgrund der langen Football-Tradition in den USA sind sie sehr gut konditionell und taktisch trainiert.« Insgesamt 21 Frauen zählt das Frauenteam des TSV Golden Ealges, das erst seit Anfang 2009 besteht. Noch im September desselben Jahres wurden die Ladies bereits Meister der Zweiten Damen Bundesliga. Mit den fünf Spie­lerinnen stellen die TSV SCHOTT Mainz Golden Eagles, nach München und Berlin mit je sieben Footballerinnen, das drittgrößte Kontingent an Nationalspielerinnen im Kader. Obwohl Frauenfootball seit 1990 Bestandteil des Deutschen American Football ist, erhalten die Spiele nur wenig Beachtung. Es ist zu hoffen, dass sich dies mit der Weltmeisterschaft in Stockholm ändert.

Infos:
Ladies Football beim TSV Schott: www.mainz-golden-eagles.de,
Website des AFVD/ Frauenfootball: www.ladiesbowl.de,
Website der Women's World Championship 2010: www.2010wwc.info


KH