Heft 237 Juni 2010
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Titelstory

Mainzer Johannisnacht

Für alle etwas dabei


Johannisfest am Rheinufer

Im Vorfeld gibt's immer ein bissel Knatsch. Den Einen sind die Standgebühren zu hoch, den Anderen die Öffnungszeiten zu kurz, den Nächsten passt der Kommerz nicht und die Übernächsten sind vom ganzen Rummel genervt. Bei einem derart großen Ereignis, in Bewegung gesetzt von einer Vielzahl von Menschen, lässt sich Unruhe und Unmut wohl kaum vermeiden. Trotz ausgefeilter Planung und Organisation, trotz mehrfach eingeübtem Aufbau, trotz detaillierten Ablaufplänen. Und dem guten Draht zum Herrn im Himmel. Damit das Wetter passt. Nur, mit Verlaub, wem es nicht gefällt, der muss nicht teilnehmen. Und wer partout in der Innenstadt leben will, muss es in Kauf nehmen.

Ja, es geht um die Mainzer Johannisnacht. Deren Markenzeichen ist die Vielseitigkeit und ein Programm, in dem Jede und Jeder etwas findet. Ein Volksfest, das dem berühmtesten Sohn dieser Stadt huldigt und dessen, über Jahrzehnte gepflegte, traditionelle Bestandteile immer wie-­der begeistern. Luftballöner Allen voran die Buchdruckertaufe - das Gautschen. Ursprünglich den Buchdruckern vorbehalten, werden längst auch Mediengestalter und Druckvorstufenhersteller nach bestandener Abschlussprüfung in dieser »Freisprechungszeremonie« im Wasser untergetaucht. Besonders gespannt ist das Publikum alle Jahre wieder, ob eine zufällig anwesende irgendwie prominente Persönlichkeit von den Packern ergriffen und getaucht wird. Es zählt zur Mainzer Gautschtradition dazu, dass insbesondere Amts-Neulinge, sofern sie sich in der Nähe der Gautschbütt sehen lassen, blitzschnell im Wasser landen. Wobei »Neuling« auch die und der sein kann, die gar nicht mehr so ganz neu im Amt sind aber noch nicht in der Bütt waren. Da es in diesem Johannisnacht-Jahr gleich zwei neue Gesichter im Stadtvorstand gibt, könnte es ja sein . Wobei der charmante Herr von den Grünen sicher der Dame von der SPD in diesem Falle gerne den Vortritt lassen würde. Wir sind gespannt, wie die Packer das handhaben. (Gegautscht wird am Samstag, 26. Juni, von 16 - 17:30 Uhr, auf der SWR4 Gutenbergbühne, Liebfrauenplatz).

Preisquadräteln ist auch so ein alter Brauch der Drucker, eine Art Würfelspiel, allerdings mit Cicero-Gevierten (das sind längliche Bleistäbchen). Es findet unmittelbar vor dem Gautschen auf der Gutenbergbühne statt. Dabei gibt es auch einiges zu gewinnen. Um Gutenberg geht es auch im Hof der Maria Ward-Schule, samstags und sonntags von 16-19 Uhr, wenn Kalligraphen, mittelalterliche Buchkünstler und Papierschöpfer ihre Kunst zeigen. Der Druckladen des Gutenbergmuseums reiht sich mit seinen Druckaktionen ein in das Druckprogramm rund um das Weltmuseum der Buchkunst unter dem Motto Gensfleisch & Co: Zum Schauen und Mitmachen. Zu kaufen gibt es ein handgesetztes Flugblatt zur diesjährigen Johannisnacht, handgeschöpftes Papier, einen persönlichen Ablassbrief und Druckgrafiken.

»Neue« Tradition

Luftballöner

Ab wann darf sich ein Ereignis mit dem Beinamen »traditionell« schmücken? Im Grunde eine müßige Frage, Hauptsache, das Ereignis kommt an. So geht es der Ruderregatta »Rudern gegen Krebs«, die im Doppelpack mit dem (wirklich) traditionellen Schifferstechen am Johannisnacht-Sonntag von 10-16 Uhr vor der Malakoff-Terrasse stattfindet. Die Erlöse aus der Regatta sind auch in diesem Jahr wieder zur Unterstützung des Projektes »Sport und Krebs« vorgesehen, von dem seit 2005 mehr als 600 Patienten mit Krebserkrankungen profitieren konnten.

Vor lauter Feiern dürfte vielen Besuchern die Vielzahl von sportlichen Veranstaltungen dieses Volksfests nicht wirklich bekannt sein. Das Sommerstockturnier des Mainzer Eissportclubs e.V. um den »Johannispokal der Stadt Mainz«, z.B. (Samstag morgens um 8 Uhr, Rollschuhbahn Mainz-Bretzenheim), oder die Johannis-Segelregatta (Ankunft Samstag, 15.45 Uhr, Rheinufer, Höhe Weintor), das Bowlingturnier um den Gutenberg-Cup 2010 (Phoenix Bowling, Mainz-Bretzenheim, Am Schleifweg), der Drei-Brücken-Lauf (nach Zwangspause wegen gesperrter Eisenbahnbrücke wieder möglich: Sonntag, 10 Uhr, Rheinufer Höhe Hilton) und das Skatturnier im Schloss (Sonntag, 14 Uhr).

Für die Gucker und Bummler eignen sich hervorragend der Künstlermarkt am Rheinufer und der Büchermarkt am Ballplatz. Außerdem muss die Festmeile mindestens einmal hoch und runter abgeschritten sein: die vielen Stände mit den vielen Leckereien locken. Die Festmeile ist gleichzeitig die Verbindungsstrecke zwischen den sechs Bühnen in der Innenstadt: Theater, Kabarett, Gaukler und Musik für die unterschiedlichsten Geschmäcker. Eine klitzekleine Auswahl: Hauptbühne Schillerplatz (z.B. Freitag, 20 bis 22 Uhr, *65 Cadillac: Alle Hits der Blues Brothers und noch einige mehr), SWR-4-Gutenberg-Bühne Liebfrauenplatz (z.B. Samstag 20 Uhr: Schlagerabend mit Patrick Lindner, Edith Prock, Christian Petru, Licht, Peter-Weisheit-Band), Platz der Vereine -Jockel-Fuchs-Platz (z.B. Sonntag, 11 Uhr Jockel-Fuchs-Platz: Pretty Lies Light Popsongs die jeder kennt und gerne hört Frühschoppen), Kabarett-Bühne der Stadtwerke Mainz AG (z.B. Samstag 22 Uhr: 22 Uhr Nessie Tausendschön, »Das Beste«).
www.mainz.de/johannisnacht


SoS