Heft 237 Juni 2010
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Theaterbiennale

Kooperation über Ländergrenzen hinweg:

Europa auf Mainzer & wiesbadener Bühnen


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»Von Rumänien nach Litauen über Italien in die Schweiz. Es ist eine Reise durch die europäische Theaterlandschaft, ohne dass man sich ins Flugzeug setzen muss«, beschreibt Marie Rötzer die Biennale, die unter dem Motto »Neue Stücke aus Europa« vom 17. bis 27. Juni im Staatstheater Wiesbaden und Mainz stattfindet. Insgesamt sieben Spielorte zeigen 42 Vorstellungen von 24 Produktionen aus 21 Ländern Europas, darunter zum ersten Mal Albanien. Das Kooperationsfestival der beiden Staatstheater zeigt aktuelle Inszenierungen europäischer Dramatiker und macht erfahrbar, was derzeit in Europa für die Bühnen geschrieben wird. »In einigen Stücken der baltischen Länder ist beispielsweise die Ablösung vom Kommunismus und die Auseinandersetzung mit der Öffnung gen Westen thematisiert«, erklärt Rötzer. Sie gehört als Festivalkuratorin des Mainzer Hauses zum künstlerischen Leitungsteam der Biennale, das aus dem Intendanten des Hessischen Staatstheaters Manfred Beilharz, Kuratorin Yvonne Büdenholzer und den Autoren Tankred Dorst und Ursula Ehler besteht. Weit über den europäischen Kontinent reiste das Team, um die besten Stücke in die Landeshauptstädte zu holen. Bei der Recherche und Auswahl haben ihnen so genannte Paten geholfen, bekannte und erfahrene Dramatiker und Autoren, die Ins­zenierungen aus ihrem jeweiligen Land empfahlen. Sie sind mit den eingeladenen Produktionen nach Deutschland gekommen und informieren über das Theaterleben und das dramatische Schreiben.

Premieren an ungewohnten Orten

Auch wenn nur ein Drittel der Vorstellungen in Mainz zu sehen sind, so ist für Chefdramaturgin Rötzer das Event für die Landeshauptstadt »eine absolute Innovation, mit der wir den Besuchern andere Welten, Geschichten und Inspirationen vermitteln möchten.« Hierzu gehört, dass die Stücke in 17 europäischen Originalsprachen aufgeführt werden, wobei über Kopfhörer die deutsche Simultanübersetzung zur Verfügung steht. Darüber hinaus gibt es vor jeder Vorstellung eine Einführung in das Stück, und nach dessen Finale ein Publikumsgespräch mit dem Regisseur, dem Autor und einem Teil der Schauspieler im Theater. Außerdem bietet das Rahmenprogramm Gelegenheiten, mehr über die Köpfe hinter den Stücken zu erfahren. Am 20. Juni bei »Text trifft Regie« lassen vier aufstrebende Autoren mit brandneuen Texten und vier junge Regisseure vier besondere Premieren an ungewohnten Orten des Staatstheaters entstehen.

Kostprobe, VErlust und Sehnsucht

»Marine Parade« von Simon Stephens und Mark Eitzel
Die deutschsprachige Erstaufführung »Marine Parade« von Simon Stephens und Mark Eitzel ist am 18. Juni im Anschluss an die offizielle Eröffnung der Theater Biennale Wiesbaden/Mainz vor dem Kleinen Haus in Mainz zu sehen.

Bei der »Nacht der Autoren« am 21. Juni geben vier Paten eine Kostprobe aus eigenen literarischen Arbeiten und stehen Rede und Antwort zu Fragen des Schreibens, der Kultur ihres Landes und des europäischen Gedankens. Die »EUROVilla« lädt am 22. Juni zum Podiumsgespräch mit dem Themenschwerpunkt »Festung Europa« ein. Im Vorfeld des Gastspiels »Bab und Sane« beschäftigen sich der Autor des Stücks, die Autorin von »Geisterschiff« und der Intendant des Mainzer Staatstheaters über den Verlust und die Sehnsucht nach politischen Autoritäten, über die Unsicherheit von Menschen in Ländern mit nicht stabilen Regierungen und über Absurdität als Daseinsgefühl. Die Biennale organisiert das hessische Staatstheater in Kooperation mit dem rheinlandpfälzischen Pendant bereits zum zweiten Mal. Manfred Beilharz suchte bereits für 2008 einen neuen Partner und kam auf den Intendanten des Mainzer Staatstheaters Mathias Fontheim zu. »Mit dieser Zusammenarbeit sollte sich Mainz öffnen und Einblicke in das europäische Theater erhalten«, ergänzt Rötzer die Gründe, die Biennale in die Gutenberg-Stadt zu holen, deren Finanzierung in Mainz mit 150.000 Euro vom Land Rheinland-Pfalz und mit 50.000 Euro vom Staatstheater getragen wird. Zehn Jahre besteht die Biennale inzwischen, in denen insgesamt mehr als 250 Stücke europäischer Autoren gespielt worden sind. Von Dr. Manfred Beilharz, Büchner-Preisträger Tankred Dorst, einem der renommiertesten und international meist gespielten Dramatiker Deutschlands, und seiner Co-Autorin Ursula Ehler wurde sie 1992 ins Leben gerufen. Als BONNER BIENNALE - NEUE STÜCKE AUS EUROPA hat sie heute weltbekannte, viel gespielte und übersetzte Dramatiker und Dramatikerinnen zum ersten Mal außerhalb ihrer jeweiligen Länder präsentiert. Seit 2004 findet das Festival in der Rhein-Main-Region statt, zuerst in Wiesbaden und Frankfurt, 2006 in Wiesbaden und 2008 erstmals als Kooperationsprojekt in den beiden Landeshauptstädten. Am 18. Juni um 19 Uhr wird das Festival in Mainz vor dem Kleinen Haus eröffnet.


KH

INFOS:
Der Eintrittspreis zu allen Vorstellungen beträgt 17 Euro (ermäßigt 8,50 Euro). Das Dreierpaket: Beim Erwerb von Karten für drei oder mehr Vorstellungen erhalten Sie einen Vorzugspreis von je 13 Euro pro Karte (nicht online buchbar). Karten für das Dreierpaket sind nicht auf ein Theater beschränkt! Vorverkauf Mainz: 06131/ 2851 222 und Wiesbaden: 0611/ 132 325, das gesamte Programm: www.newplays.de