Heft 237 Juni 2010
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Stadtteile

Marienborn ringt um einen schönen Ortsplatz

Werteverfall, Sanierungsstau & Baumwurzeln


St. Stephan
Für ihre schmucke Kirche St. Stephan hätten die Marienborner gerne einen ebenso repräsentativen Vorplatz.

Die zwei großen Platanen sind eigentlich noch das Schönste auf dem Platz vor der Ortsverwaltung in Marienborn. Eingeengt von hohen Hauswänden, eine große Stahlplatte über der Grube der früheren Dorfwaage - der Platz entwickelt sich immer mehr zu einer »Tristesse ohne Ende«, wie die CDU-Fraktion im Ortsbeirat in einem Antrag bemängelt. Und das einzige Grün, die Platanen, schaffen zusätzliche Probleme, wie noch zu berichten sein wird.

Dabei gibt es seit etwa 20 Jahren Ideen, den Platz an der Straße »Im Borner Grund« aufzuhübschen. Allein 16 Jahre beschäftigt sich bereits Ortsvorsteher Bernd Noll (CDU) seit seiner Wahl 1994 mit dem Thema. Schon sein Vorgänger hatte Pläne vorgelegt. Ein Brünnlein, ein paar Bänke hätten Verbesserung bringen sollen. Doch der Entwurf fand damals keine Mehrheit im Ortsbeirat. Weil die Parkplätze weggefallen wären, die für Besucher der Ortsverwaltung als unabdingbar angesehen wurden. Und weil keine Nutzung mehr für Schausteller möglich gewesen wäre, die an der Marienborner Kerb dort stets ein Karussell aufstellen.

Ein Überfahrrecht zu einem Nachbarhaus und eine Zufahrt für die Einsatzfahrzeuge des Deutschen Roten Kreuzes hinter dem Gebäude der Ortsverwaltung schränken die Gestaltungsmöglichkeiten weiter ein. Und doch hat Noll eine Idee: Die Auszubildenden des Grünamts könnten Pläne für Marienborn entwickeln, schließlich täten sie dies auch andernorts in der Stadt - »und dann kann die Umsetzung auch nicht mehr so teuer sein«.

Auf jeden Fall müsse etwas mit den mächtigen Platanen geschehen, meint Noll. Bereits 2003 beschwerte sich ein Anwohner bei ihm, er habe Wurzeln der Bäume im Unterholz seiner Fußbodenverkleidung und in seiner Kellerwand festgestellt. Die Blätter verschmutzen außerdem regelmäßig die Dachrinnen der umliegenden Gebäude. Am liebsten sähe der Ortsvorsteher die großen Bäume gefällt und durch kleinere ersetzt.

Platz vor der Ortsverwaltung
»Tristesse ohne Ende«, sagt die Marienborner CDU zum Platz vor der Ortsverwaltung. Um Besserung wird seit zwei Jahrzehnten gerungen.

Schräg gegenüber kämpft Noll an einer zweiten Front: der Platz vor der katholischen Kirche St. Stephan. Der »markanteste Platz in Marienborn« laut der CDU, die aber auch eine umfangreiche Mängelliste vorlegt. Die Steinplatten hätten den Charme der 50er, seien zum Teil gebrochen oder verschoben, die Fugen mit Gras zugewachsen. Die anschließenden Treppenstufen zur Kirche müssten dringend saniert werden, Teile seien schon abgebrochen, Risse und Rillen machten die Nutzung stellenweise gefährlich. Das dadurch eindringende Wasser sei für den Sandstein »tödlich«.

Seit zehn Jahren werde schon über das Problem diskutiert, sagt Noll. Es werde immer mal etwas an der Treppe ausgebessert, aber das halte bei Sandstein nie lange. Die Eigentumsverhältnisse erleichtern eine Lösung auch nicht. Zwei Drittel des Platzes gehören der Kirche, ein Drittel der Stadt. Dabei liegen Noll Neuplanungen vor, Zeichnungen des Diözesanbauamts vom Januar 2005. Demnach hatten Kirchenbehörde und städtisches Tiefbauamt eine Finanzierung bereits zugesagt, Kostenvoranschläge sollten eingeholt werden. »Dazu ist es nie gekommen«, erinnert sich Ortsbeiratsmitglied Josef Deibele (ÖDP), einst auch im Kirchenverwaltungsrat engagiert.Noll setzt jetzt auf einen von ihm erbetenen gemeinsamen Ortstermin mit Beteiligten von Stadt und Kirche, der noch im Mai stattfinden sollte. »Denn im Moment reden alle aneinander vorbei«. Und er spekuliert auf den Lokalpatriotismus höchster Würdenträger: »Weihbischof Guballa ist doch Marienborner«.

Was sagen Stadt und Kirche?

Ortsvorsteher Bernd Noll
Abgebrochene Ecken und Rostfraß im Sandstein, so will Ortsvorsteher Bernd Noll die Kirchentreppe nicht sehen.

Der Leiter des städtischen Grünamts, Karl-Wilhelm Nolte­meier, macht den Marienbornern wenig Hoffnung. Für einen neuen Platz vor der Ortsverwaltung sei weder Geld im aktuellen Haushalt noch in der langfristigen Planung eingestellt. Auch den Wunsch, Azubis des Grünamts Pläne erstellen zu lassen, lehnt er ab: »Mit der bestehenden Kolonne versuchen wir, den Werteverfall öffentlicher Einrichtungen aufzuhalten. Wir haben einen Sanierungsstau von 20 Millionen Euro, den wir in den nächsten 15 bis 20 Jahren abbauen müssen.« Wo die Schwerpunkte zu setzen sind, sehen Noll und er gänzlich anders. »Was in der Innenstadt geht, muss auch im Vorort gehen«, sagt der Marienborner Ortsvorsteher. »Wir müssen die knappen Mittel dort einsetzen, wo sich Mainz präsentiert«, beschreibt Noltemeier die Vorgabe der Stadtspitze.

Nur bei den Platanen ist Abhilfe in Sicht. Im Oktober, nach der Brutzeit, sollen die beiden Bäume gestutzt werden. Von Wurzeln im Nachbarhaus weiß Noltemeier nur gerüchteweise. Sollte dies stimmen, sei aber sogar eine Fällung denkbar. Wegen des Platzes vor St. Stephan verweist die Kirchenseite zunächst nur auf den geplanten Besichtigungstermin, der erst nach Redaktionsschluss stattfinden sollte. Ein Vertreter des bischöflichen Bauamts, des Kirchenverwaltungsrats und er selbst würden daran teilnehmen, sagt Pfarrer Markus Kölzer, Leiter der Pfarrgruppe Zeybachtal, die die katholischen Gemeinden in Bretzenheim, Marienborn und Zahlbach betreut: »Die Kirchenseite tritt komplett an.«


Christoph Barkewitz