Heft 237 Juni 2010
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Knodderer

Seid leise!

Oder ich klage!


baby

Er murrt gern, nörgelt sich durch alles, was ihm quer kommt und brummelt am liebsten halblaut vor sich hin. Deshalb nennen wir ihn »Knodderer«. Dieses Mal überlegt er was Kinderlärm mit geringen Geburtenraten zu tun hat.

Manche Frauen können einem schon leid tun. Sie bringen 30 Jahre alte Kinder auf die Welt. Einige schlüpfen erst mit 60 Jahren aus dem Bauch - einige sogar erst mit 90. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie sich so überhaupt nicht an die Zeit erinnern können, als sie noch unter 1,40 Meter groß waren.

Vielleicht haben sie als Kinder auch nie das Haus verlassen, saßen immer still in ihrem Zimmer und haben jedes Geräusch vermieden. Zumindest verlangen sie das jetzt von den heutigen Kindern. Und falls die nicht leiser als ein Flusensieb sind, klagen diese Zeitungenossen gegen Kindergärten und Fußballplätze. Oder sie liegen auf der Lauer, damit die Mülltonnen den Innenhof für sich allein genießen können.

Klar motzen diese Erwachsenen obendrein, Kinder würden sich zu wenig bewegen. Klar fordern sie Spielplätze, Basketballkörbe und Jugendzentren - nur halt möglichst weit weg von Heim, Auto- und Parkplatz und was ihnen sonst noch wichtig ist. Natürlich verfügt diese Motzfraktion über die Grundausstattung unsympathischer Menschen: eine Rechtschutz-Versicherung. Mit der klagen sie gegen alles, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Der Trend ist daher: Kitas bauen immer öfters außerhalb von Wohngebieten. Für Mütter wird es so schwerer, wie gerne gefordert, wieder in den Beruf zu finden. Aber reicht das Wegziehen der Kitas? Manchmal büxt doch so eine Terroristengruppe »Kommando Shaun das Schaaf« in Richtung Innenstadt aus. Die Gefahr ist real. Da braucht es zumindest noch einen Stacheldrahtzaun und Panzersperren, um den Mob abzuhalten. Selbstschussanlagen haben sich auch schon bewehrt. Vielleicht gehören Kinder ganz abgeschafft. Da müsste eh mal einer ausrechnen, ob die noch rentabel sind.

Aber damit würden ja die Klagen nicht aufhören. Die Sensibelfraktion stört sich auch an allem anderem - etwa an Volksfesten, die älter als sie selber sind. Auf der Johannisnacht müssen tausende Menschen früher auf Konzerte verzichten, damit jemand ungestört seinen Musikantenstadl gucken kann. Andere ziehen neben Sportplätze, um dann schon gegen diese zu klagen, wenn der eigene Richtkranz noch nicht verwelkt ist.

Eine schlaue Taktik. So ein Grundstück im Taunus - das kostet schon ganz schön. Wär es da nicht günstiger, sich ein Haus neben Nestle zu kaufen und so lange zu klagen, bis Mombach ein Naturschutzgebiet ist? Die Autobahn müsste dann natürlich weg. Die Schiersteiner Brücke auch. Kann ja durch eine Fähre ersetzt werden. Aber nicht in Mombach, sonst gibt's die nächste Klage. Der Zugewinn wäre für den, der diese Taktik anwendet, deutlich höher als die Anwaltskosten - und Rheinblick gäb es gratis noch dazu.

Zu solchen Geschäften gehören immer zwei. Einer, der sie versucht. Und einer, der sie mit sich machen lässt. Wenn uns verbiesterte Rechtschutz-Versicherungs-Besitzer also lieber als unsere Kinder sind, dann nur weiter so. Dann braucht sich aber auch keiner zu beschweren, wenn Deutschland verspießbürgert - und sich der Nachwuchs nicht einstellt.