Heft 237 Juni 2010
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Mainz im Südafrika-Fieber

Mainz im Südafrika-Fieber

»'54,'74,'90, 2010.«


Bildungsreferentin Julia Dieckmann und Mitarbeiterin Gifty Rosetta Amo-Antwi
Links ist die Bildungsreferentin Julia Dieckmann (grünes WM-T-Shirt) und rechts die Mitarbeiterin Gifty Rosetta Amo-Antwi zu sehen

Der Countdown läuft. Am 11. Juni wird die Fußball-WM angepfiffen. Wer die Spiele live im 8500 km entfernten Südafrika erleben will, bekommt in den umliegenden Reisebüros für ca. 800 ? auch relativ kurzfristig noch ein Ticket für den zehnstündigen Flug. Die meisten bieten auch sogenannte Komplettpakete (Flug, Hotel, Eintrittskarte) ab 2500 ? pro Person an. Sollte Deutschland ins Finale kommen, kostet das Paket ab 3500 ? aufwärts. Im Preis mit inbegriffen sind auch Stadtrundfahrten und Safaris, an spielfreien Tagen versteht sich.

Wenn man aus finanziellen oder zeitlichen Gründen die WM zu Hause verfolgen muss, kann man sich aber das »Heimspiel« so angenehm wie möglich gestalten. Getreu dem Motto: Wenn wir nicht nach Südafrika können, dann kommt Südafrika eben zu uns. Am besten realisieren lässt sich dieses Projekt im Weltladen in der Christofsstraße. Holzmasken, mit afrikanischen Mustern bemalte Kerzen und bemaltes Geschirr lassen jedes Dekoherz höher schlagen und sind ideal, um die eigenen vier Wände nicht nur während des vierwöchigen Ausnahmezustandes in einem völlig neuen und exotischen Flair erstrahlen zu lassen. Beeindruckend ist zudem das vielfältige Sortiment von typischen südafrikanischen Köstlichkeiten. Die verführerischen Aromen von Rooibushtee, Gewürzen, Senf und Chili machen wirklich Geschmack auf die WM. Nicht zu verachten sind die südafrikanischen Rotweine. Und da alles fair gehandelt ist, kann man auch mit gutem Gewissen zuschlagen. Nur die Koffeinjunkies suchen südafrikanischen Kaffee vergebens und müssen auf Röstbohnen aus Tansania oder Äthiopien zurückgreifen. Aber ein bisschen Schummeln ist ja erlaubt.

Fair Play - mit Nadel und Faden

Ins Auge stechen die knallgrünen mit afrikanischen Motiven bedruckten WM-T-Shirts und -Bälle, die von der Fair-Handelsgesellschaft GEPA zusammen mit einer südafrikanischen Designerin entwickelt wurden. Einfach nur zum Knuddeln sind die tierisch süßen »fairen Freunde«, die jedem WM-Maskottchen Konkurrenz machen. Unter der Leitung der Bildungsreferentin Julia Dieckmann steht der Weltladen dieses Jahr ganz im Zeichen der Fußball-WM auf afrikanischem Boden. Südafrika Kindern und Jugendlichen durch Informationen näher zu bringen, lautet die Devise.

Bei der laufenden Aktion »Bälle aus fairem Handel« besucht Dieckmann, auf Anfrage, mit ihrem Team Kindergärten und Schulen. Je nach Alter der Kinder werden z.B. die südafrikanische Flag­ge gemalt oder das Land und die WM-Städte vorgestellt. So erfährt man, dass Südafrika dreieinhalb Mal so groß wie Deutschland ist, aber nur 50 Millionen Einwohner hat und die Hauptstadt nicht etwa Kapstadt oder Johannesburg, sondern Pretoria ist.

Aufgrund der vielen unterschiedlichen Nationen ist Südafrika als Regenbogenland bekannt: Elf offizielle Landessprachen sprechen für entsprechend hohes Konfliktpotenzial. Mit den Schulklassen werden diese Themen ebenso wie die Aidsproblematik und die strikte Rassentrennung während des Apartheid-Regimes diskutiert. Kaum vorstellbar, dass es bis vor 15 Jahren in Südafrika noch drei Fußballligen gab: eine schwarze, eine weiße und eine farbige.

Spannend für die Schüler ist aber vor allem die einmalige Chance mit Nadel, Faden und Fingerschutz sich an einem echten Lederfußball zu probieren. Da merken die Kinder recht schnell, wie viel Kraft hinter jedem Stich steckt. Durch den Handel mit fairen Bällen bekommt der Begriff »fair play« doch gleich eine ganz andere Bedeutung, oder?

Gemeinsam ist Fußball am schönsten

Für alle, die in der Tradition des Sommermärchens 2006 die Fußballspiele in einer großen Menschengruppe miterleben wollen, folgen hier ein paar Tipps. Die perfekte Urlaubskulisse bietet der MainzStrand, der alle Spiele auf einer 12 Quadratmeter großen Leinwand überträgt.

Eine 3 x 4 Meter große Leinwand wird ebenfalls im Innenhof des Schlosses von der Firma Long Play aufgeschlagen. Im Biergarten und im Bereich vor der Leinwand finden bis zu 2000 Leute Platz. Ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit Moderator und Live-DJ sorgt für zusätzlich für Stimmung. Vorab informiert der Mainzer Geografieprofessor Fuchs die Fans über die jeweiligen Länder, die gegeneinander spielen. Anfangs stehen also die deutschen Gruppengegner Serbien, Ghana und Australien im Fokus. Brasilianische Trommler sollen dem Publikum zusätzlich kräftig einheizen.

Die Eissporthalle am Bruchweg und Schwayer planen ebenfalls alle Spiele auf einer Leinwand zu übertragen. Bei allen Veranstaltungen ist der Eintritt frei. Für das leibliche Wohl wird überall gesorgt. Außerdem sind wenigstens einige Spiele zu sehen im KUZ, in der Phönix-Halle und in der Alten Patrone.

Infos:
www.weltladenmainz.de
www.mainzstrand.de
www.eishalleambruchweg.de
www.kuz.de
www.alte-patrone.de
www.phoenix-halle.de
www.schwayer-mainz.de

Stefanie Gundel