Heft 237 Juni 2010
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Feldforschung

Tag der Artenvielfalt und Aktion Tagwerk:

Inventur der Natur und Zählen für Ruanda


Feldforschung

Manche mögen es lieber alleine, andere bilden kleine Gruppen, sind Paarweise unterwegs oder treten in Vereinsformation an. Am 12. Juni spazieren sie durch den Steinbruch Weisenau und zählen. Alles was kreucht und fleucht, was wächst und gedeiht wird fotografiert, bestimmt und in Listen eingetragen. Augen offen halten lautet die Devise, um Maikäfer zu zählen, Buntspechte zu entdecken oder Wicken.

2005, als er zum ersten Mal am Geo-Tag der Artenvielfalt im Steinbruch von (damals noch) HeidelbergCement unterwegs war, hätten ihn zehn, zwölf Interessierte begleitet, erinnert sich Andreas Koridass. Seither sei die Teilnehmerzahl kontinuierlich gewachsen, längst geht ohne vorherige Anmeldung gar nichts mehr (siehe Infos), auch, damit jeder Teilnehmer ein Verpflegungspaket bekommen kann.

Andreas Koridass ist Bildhauer und Grafikdesigner, die Verbundenheit zur Natur bezeichnet er als sein Hobby: »Ich bin im Wiesbadener Stadtwald groß geworden, als Holzbildhauer viel im Freien unterwegs, sehr am Naturschutz interessiert und seit 2007 auch Mitglied in der Stiftung Natur und Umwelt in Rheinland-Pfalz.«

Der für die Öffentlichkeit zugängliche Teil des Steinbruchs liege fast vor seiner Haustür, begründet Koridass, wie er auf dieses Gelände kam. Außerdem hätten die Kooperation und finanzielle Unterstützung durch HeidelbergCement ebenso reibungslos funktioniert, wie nun mit dem Entsorgungsbetrieb der Stadt Mainz, dem neuen Besitzer des Geländes.

2010 ist von den Vereinten Nationen zum Internationalen JAHR der Artenvielfalt erkoren worden. Am 22. Mai wurde, wie jedes Jahr, mit dem Tag der Biologischen Vielfalt an das Inkrafttreten des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) erinnert.

Der TAG der Artenvielfalt geht auf das Konto des Magazins Geo und findet schon seit 1999 statt. Als Veranstalter treten dabei Vereine, Kommunen, Kreisverbände und Privatpersonen auf. In diesem Jahr sind erstmals gleichzeitig in 35 Ländern an diesem Tag Menschen unterwegs, um eine Bestandaufnahme ihrer natürlichen Umgebung zu machen: die Wiese hinter dem Haus, der Schulgarten oder das nächstgelegene Naturschutzgebiet werden durchforstet auf der Suche nach den dort lebenden Tieren und Pflanzen. Die Such-Aktionen werden über Geo angemeldet und die Teilnehmer sollen ihre Beobachtungen in eine Inventarliste eintragen. Möglichst viele Pflanzen und Tiere gilt es aufzuspüren. Ohne Rekorde aufzustellen. Sondern mit Spaß und dem Erleben von Natur als etwas Einzigartigem.

Andreas Koridass bezeichnet sich als Laie und stellt klar, die Veranstaltung sei KEINE Füh-rung. »Es sind immer auch Experten dabei, die sich von Berufswegen mit der Natur beschäftigen und Auskunft geben können. Aber in erster Linie geht es darum, alles was wir sehen aufzuschreiben und zu fotografieren. Was nicht direkt bestimmt werden kann, klären wir später anhand der Fotos.« Zum Gepäck der Inventaristen gehört immer auch ein Wägelchen voll mit Bestimmungsbüchern. Materiell und finanziell unterstützt wird die Geo-Initiative seit 2004 auch von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz.

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Infos: Anmeldung für die Begehung im Weisenauer Steinbruch in Mainz: mail@andreas-koridass.de Tel. 06131581699, www.umweltstiftung.rlp.de



Heimische Arten und Bildung in Ruanda


Neben dieser Aktion direkt vor der Mainzer Haustür fiel beim Durchforsten des Aktionsportals www.geo-artenvielfalt.de/aktionen/2010 noch folgendes Projekt besonders auf:

Die Klasse 6b GTS des Emanuel-Felke-Gymnasiums in Bad-Sobernheim, macht sich im Hottenbachtal auf die Suche nach Lebewesen im Bach und in der Wiese. Klassenlehrer Karl-Heinz Fuldner organisiert schon seit Jahren mit seinen Schülern derlei Projekte, in diesem Jahr meldete er die Aktion erstmals bei Geo an. Der besondere Clou ist dabei die Verbindung zur bundesweiten Kampagne der »Aktion Tagwerk«: »Dein Tag für Afrika« am 22. Juni. Fuldner erklärt die Verknüpfung der beiden Aktionen wie folgt: Pro gefundener Art im Hottenbachtal spenden Sponsoren einen Geldbetrag, der für die Bildung und Ausbildung der Kinder und Jugendlichen in der ruandischen Partnerschule in Kilinda eingesetzt wird. 2006 war der Diplom-Biologe mit einer Schuldelegation in Ruanda, die »Graswurzelpartnerschaft« zwischen den beiden Schulen sei eine der effektivsten Möglichkeiten, um über eine bessere Schulbildung auch die Akzeptanz für die Erhaltung der natürlichen Grundlagen in dem afrikanischen Land zu fördern. Diese Zusammenhänge will Fuldner auch bei der Auswertung der Aktion mit seinen Schülern diskutieren. Weitere Projekte in der Umgebung von Mainz: www.geo-artenvielfalt.de/aktionen/2010 Stichwort: Rheinland-Pfalz (bei Redaktionsschluss lag RLP mit 36 Projekten ganz klar vorn!)

Fotos: Andreas Koridass


SoS