Heft 236 Mai 2010
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Was sagt die Deutsche Bahn?
2011 war das Jahr für das bisher mehr oder weniger konkret die Barrierefreiheit am Südbahnhof in Aussicht gestellt wurde. «Voraussichtlich 2011«, schrieb der Zweckverband Schienen­personen­nahverkehr im Dezember 2008. «Nicht vor 2011« meldete der DB-Vorstand im April 2009 an den Mainzer SPD-Bundes­tags­abgeordneten Michael Hartmann. Doch dies ist inzwischen Makulatur.

Mit einer Umsetzung sei zwischen 2012 und 2014 zu rechnen, sagt Bahn- Sprecher Hartmut Lange auf Anfrage. Zum barrierefreien Umbau liefen noch Planungen und Finanzierungs­gespräche zwischen Land, Zweckverband, Stadt und der Bahn. In früheren Antworten hatte die Bahn zudem stets auf die laufenden Sanierungsarbeiten in der Tunnelröhre verwiesen, die weitere Baumaßnahmen und damit verbundene Einschränkungen des Zugverkehrs nicht zuließen.

Mainzer Rollstuhlfahrer wüssten, dass die Station nicht barrierefrei ist, meint der Sprecher. Ortsunkundige erhielten diese Auskunft von der Mobilitätshotline der Bahn unter 01805/512512, über die allgemeine Bahn-Hotline 01805/ 996633, oder auch über die Rufsäule in der Station. Es werde dann jeweils auf den nicht allzu weit entfernten Haupt­bahnhof verwiesen, so Lan­ge. Ein Aufzug an Gleis 1, den die Stadt errichtet und der Bahn übergeben hat, ist laut Bahn inzwischen in Betrieb. Bis Redaktionsschluss war dies aber nicht der Fall.

Den Eindruck fehlender Sauberkeit bestreitet die Bahn. Die Unterführung sei zwar alt, aber in betriebssicherem Zustand und auch sauber. Es werde täglich gereinigt, «häufig sogar nass«, berichtet Lange. Alle Kabel befänden sich mittlerweile in einem Kabelkanal. Auch das Hinweisschild hält die Bahn für ausreichend, es handele sich um « unsere normierte Stations­kenn­zeichnung«. Sobald die Sanierungs­arbeiten am Eingangsportal beendet seien, werde dort zudem ein Flach­bild­schirm angebracht, der die nächsten Zugabfahrten anzeige.
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Stadtteile

Altstadt:

Die Suche nach dem Südbahnhof


Aussenfassade Südbahnhof
Der ansprechenden Außenfassade folgt bald die alte düstere Bahnhofsunterführung.

Die Ortsbeiräte - ehrenamtliche Politiker ohne Entscheidungsbefugnisse, bloß »Bittsteller bei der Stadt«? In einer Serie stellt DER MAINZER die Anliegen der Ortsbeiräte dar. Auf Laubenheim folgt die Altstadt. Außen hui, innen pfui. So stellt sich nach Meinung vieler Pendler und Kommunalpolitiker der «Bahnhof Römisches Theater« seit dem Umbau des Bahnhofsvorplatzes dar. Viele suchen übrigens immer noch nach dem «Südbahnhof«. Die Altstadt-CDU möchte deshalb die Beschriftung ergänzen lassen: «Bahnhof Römisches Theater - Südbahnhof«. Viel gravierender als der Verlust des Traditionsnamens sind nach wie vor die Themen Sauberkeit und Barrierefreiheit. Der Grund: unterschiedliche Zuständigkeiten. Für die neu errichteten Gebäude und deren Betrieb zeichnet die Wohnbau Mainz verantwortlich, das dahinterliegende Gelände mit Bahnsteigen und Gleisen obliegt der Deutschen Bahn. Mit der Folge, dass täglich rund 4000 Reisende jetzt von außen einem Ensemble aus moderner Architektur in Verbindung mit teils erhaltener Backstein-Fassade entgegenblicken. Nachdem sie die Ladenzeile durchmessen haben, treten sie in denselben düsteren Schlund ein, wie eh und je.

Ortsvorsteherin Ulla Brede-
Hoffmann und ihr SPD-Fraktionskollege
Stephan Vormerker
Hätten Sie den Eingang gefunden? Ortsvorsteherin Ulla Brede- Hoffmann und ihr SPD-Fraktionskollege Stephan Vormerker finden das Hinweisschild auf den Südbahnhof viel zu klein.

«Nass, dunkel, Uringestank«, urteilt Altstadt-Ortsvorsteherin Ulla Brede-Hoffmann (SPD). Oder, wie es die ÖDP-Fraktion im vergangenen Dezember in einer Ortsbeirats-Vorlage aufgelistet hat: «Offene, nicht unter Putz gelegte Kabel, offene Kabelkästen, abgeplatzte Wandkacheln, bröckelndes Mauerwerk, sanierungsbedürftige Bahnsteigtreppen, angesammelte Wasserpfützen, Graffitischmierereien, fehlende Toilettenanlagen.« Den Vorplatz reinigt laut Brede-Hoffmann inzwischen die Wohnbau, mit der Unterführung beginne jedoch Bahn-Eigentum. Da hapert es ihrer Ansicht nach stark mit der Sauberkeit: Wo schon Dreck ist, kommt weiterer hinzu, sagt die Ortsvorsteherin. Auch der Vorplatz ist vor allem frühmorgens vor dem Eintreffen der Wohnbau-Reinigungskräfte so verdreckt, dass die Geschäftsleute zuvor selbst die gröbsten Hinterlassenschaften wegmachen.

Unterführung
Die berühmt-berüchtigte Unterführung zu den Gleisen: Teils denkmalgeschützt, von vielen Reisenden aber als finster, nass und häufig verdreckt empfunden.

Sollte der Bahnkunde im Rollstuhl sitzen, schweres Gepäck, Kinderwagen oder ein Fahrrad dabei haben, wird es schwierig: Alle vier Gleise sind nur über Treppen zu erreichen. In Rheinland-Pfalz sei bei Umbauten die Barrierefreiheit zu berücksichtigen, erklärt Brede-Hoffmann, sofern es wirtschaftlich zumutbar sei. «Und das sollte der Bahn wohl möglich sein.« In Mainz habe die Illusion geherrscht, wenn der Vorplatz gemacht werde, würde die Bahn ihr Areal ebenfalls in Schuss bringen, berichtet Brede-Hoffmann. Und räumt selbstkritisch ein: «Keiner von uns Kommunalpolitikern hat je gefragt.« Auf dem Kieker hat die Ortsvorsteherin auch das ihrer Meinung nach viel zu kleine Hinweisschild an der Holzhofstraße. Weniger als ein Quadratmeter groß, darauf sehr klein das rot-weiße Bahn-Logo und das grüne S-Bahn-Zeichen und kritisiert: «Wer sich hier nicht auskennt, sieht auch nicht, dass hier eine zentrale S-Bahn-Haltestelle ist.« Ein weiterer Kritikpunkt der Ortsvorsteherin: Es bestehe keine Möglichkeit mehr, kurz zum Be- und Entladen zu halten oder jemanden aussteigen zu lassen. Problematisch sei dies vor allem für Besucher der Arztpraxen. Gerade wer den Kardiologen aufsuchen wolle, sei mit seiner Herzerkrankung unter Umständen so belastet, dass er den Weg vom offiziellen Taxi-Halt vor dem Tengelmann-Supermarkt nicht schaffe.


Christoph Barkewitz