Heft 236 Mai 2010
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Knodderer

Wehe wenn sie los gelassen:

»Meiner wars nicht«


Hund beim Gassi gehen

Er murrt gern, nörgelt sich durch alles, was ihm quer kommt und brummelt am liebsten halblaut vor sich hin. Deshalb nennen wir ihn »Knodderer«. Dieses Mal macht er sich Gedanken über die Hinterlassenschaften von Vierbeinern. Wenn mein Hund raus muss, dann ist mir das zu weit, mit ihm an den Rhein zu gehen, auf die Wiese oder in den Wald. Dann geh ich mit ihm zum Spielplatz, lass ihn kacken, mach, als wenn ich's nicht gesehen hätte und dann haue ich wieder ab. Diese Aussage dürften Sie noch nicht oft gehört haben. Aber Menschen, die es in Mainz mit ihren Hunden so halten, dürften Sie schon erlebt haben - und sich die Folgen aus den Sohlen Ihrer Schuhe gekratzt haben. Die Hundehalter, genauer, die Hundeloslasser, können sich auf drei goldene Grundregeln berufen:

  1. Mein Hund war das nicht.
  2. Ich mache die Haufen immer weg, ausnahmslos, immer - nur halt heute nicht.
  3. Mein Hund kackt nicht, der pinkelt nur.

Falls die drei goldenen Regeln nicht greifen, dann helfen sie sich mit folgenden - tja, wie soll man's nennen - in Ermangelung eines besseren Wortes sagen wir mal »Argumenten«: »Wo soll ich denn sonst hin? Hier ist doch grad niemand oder steht ja kein Schild hier«. Letzteres ist besonders hübsch. Mit der gleichen Logik kann man sich von der Theodor-Heuss-Brücke stürzen. Steht ja kein Schild da, dass es nicht erlaubt wäre oder nicht sinnvoll. Aber auch die Hundehalter haben ihre Rechte. Schließlich leben sie unter großen Opfern mit den Tieren zusammen, nur nicht unter dem Opfer den Haufen aufzuheben. Sie wollen ihren Pfiffi aber unbedingt halten, nur nicht unter der Bedingung, ihn außerhalb der Innenstadt auszuführen. Und den Spielplatz haben sie nicht selbst vor ihre Tür gesetzt. Deshalb ist es nicht ihre Aufgabe, ihm auszuweichen. Viele wollen einen Hund haben, da sie sonst keine sozialen Kontakte hätten. Das ergibt Sinn. Denn mit DEM Sozialverhalten war's das mit Einladungen.

Auf etwas können sich die Kack­bombenzüchter verlassen: auf die Feigheit der Mainzer und Mainzerinnen. Die liegen am Konrad-Adenauer-Ufer, sonnen sich und sehen zu, wie Brutus drei Meter neben ihnen eine Duftmarke setzt, die bis nach Mombach riecht. Der Besitzer steht mit dem üblichen, ausdrucklosen »Is-was«-Gesichtsausdruck auf den Pflastersteinen und sieht zu. Wie wär's, jetzt mal aufzustehen, den Assi als Assi beschimpfen, ihm eine solche Szene machen, dass er sich so schnell nicht mehr her trauen würde? Och nö, is irgendwie peinlich. Ja! Ist es, eben deshalb wär's sinnvoll. Selbst in Pleite-Mainz gibt es schöne, neu gemachte Spielplätze: etwa am Gaadefeldplatz. Der bietet sich für Eltern und Nachbarn obendrein an, den Kindern zuzuschauen und eine funktionierende Gesellschaft abzugeben. Leider haben sie dazu meist erst nachmittags Zeit. Das sind zehn Stunden nachdem die Waldianer ihre Tiere haben ausstreuen lassen. War ja grad keiner da, wissen wir. Und woher soll ich wissen, dass die Scheiße auch noch Stunden später stinkt? Stand ja kein Schild da.