Heft 236 Mai 2010
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EDV-Ecke

EDV-Experte Ullrich Kretschmer meint:

Nutzen Sie Ihre Rechte!


Grundsätzlich hat jeder das Recht, selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner personenbezogenen Daten zu bestimmen. Diese »Informationelle Selbstbestimmung« ist »nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ein Datenschutz-Grundrecht, das im Grundgesetz nicht ausdrücklich erwähnt wird«, schreibt Wikipedia. Nur: Ohne aktive Mithilfe der Verbraucher/innen bleibt dieses Recht auf der Strecke. Jawohl es ist anstrengend, es kostet Zeit, manchmal sogar Geld, um den Überblick nicht zu verlieren, über all die Daten, die durch die Weltgeschichte geistern. Um zu verhindern, dass Angaben ins Netz gestellt werden oder sogar Bilder.

Wie war das noch mal mit Google Street View?


Manche Zeitgenossen sind hellauf begeistert, wenn sie ihren Garten samt Kinderspielzeug und zugehörigem Eigenheim auf google Maps sehen können. Andere bekommen sofort Angst vor potenziellen Einbrechern. Im April und Main sollen u.a. in Mainz und im Kreis Mainz-Bingen die Fahrzeuge mit den Kameras auf dem Dach unterwegs sein. Wenn Sie die Fotos Ihrer vier Wände im Web nicht sehen wollen, müssen Sie Widerspruch einlegen. Google behauptet zwar noch, dass es technisch nicht möglich sei, die Widersprüche umzusetzen, aber zumindest ist Ihre eindeutige Ablehnung schon mal dokumentiert. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat unter http://www.bmelv.de/ SharedDocs/Standardartikel/ Verbraucherschutz/Internet-Telekommunikation/GoogleStreetview.html Musterbriefe und all das zusammengestellt, was wichtig und möglich ist, um dem größten Datensammler der Welt massenhaften Widerstand entgegenzusetzen. Google selbst informiert auf: http://maps.google.de/help/ maps/streetview/faq.html#q9 Hier finden Sie auch Hinweise, was Sie tun können, wenn Sie ein »Ihrer Meinung nach bedenkliches Bild« auf den google-Seiten gefunden haben. Und es gibt Infos, wo die google-Kameras unterwegs sein sollen. Wie auch immer: Wenn es Ihnen nicht egal ist, was google von Ihrer häuslichen Umgebung zeigt, müssen Sie die Initiative ergreifen.

Die Schufa und andere Auskunfteien


Neulich, beim Abschluss eines neuen Vertrags mit einem Mobilfunkanbieter, machte ein Satz des Verkäufers stutzig: »Ich brauche Ihre Bankdaten, damit wir vor Vertragsabschluss Ihre Zahlungsfähigkeit prüfen können.« Wie bittte? Bei solch relativ geringen, wenn auch regelmäßigen Konto-Belastungen ist eine »Schufa-Abfrage« nötig? Was passiert dann erst, wenn Leasingzahlungen für ein neues Auto anstehen?

Kennen Sie »Scoring«?


Es ist ein Verfahren zur Bewertung der Kreditwürdigkeit - was gemeinhin unter »Schufa-Abfrage« in den Köpfen gespeichert ist, trifft nicht mehr ganz zu. Es gibt außer der Schufa noch andere Auskunfteien, die Verbraucherdaten erheben und mittels eines eigenen Berechnungsverfahrens den »Score« ermitteln. Der wiederum ist für Unternehmen, Vermieter und andere interessant: Sie leiten daraus die Zahlungsfähigkeit der potenziellen Kunden ab. Sind Sie an einem neuen Kredit interessiert können diese Auskünfte auch zu schlechteren Konditionen, sprich höheren Zinsen führen.

Wissen Sie, wie es um Ihre Finanzkraft bestellt ist?


Nein? Dann werfen Sie zuerst einen Blick auf Ihre Kontoauszüge und dann fragen Sie vielleicht besser mal nach. Bei den Auskunfteien direkt. Mindestens einmal im Jahr, so die seit 1. April geltende Regelung, können Sie eine unentgeltliche Auskunft verlangen. Und dann darauf hinwirken, dass unrichtige Angaben richtig gestellt werden.

Sie müssen sich rühren!


Von selbst schicken Ihnen die Auskunfteien nicht einen Brief mit den über sie gespeicherten Daten zu Ihren Einkommensverhältnissen und Ihrer Zahlungsmoral. Sie müssen schreiben! Einen Musterbrief an Bank, Versandhändler oder Telekommunikationsunternehmen und einen Musterbrief an eine Auskunftei finden Sie unter www.vz-rlp.de/Musterbrief-scoring, auch eine Liste mit Adressen von Auskunfteien findet sich unter dieser Adresse.

Sie sind nicht betroffen?


Glauben Sie! Die Auskunfteien wissen mehr über Sie, als Sie sich vorstellen können. In die Berechnung der Scores fließen nicht nur Ihre ganz persönlichen Daten ein. Da spielt auch eine Rolle, wo sie wohnen und ob in diesem Umfeld vielleicht Menschen wohnen, die nicht pünktlich ihre Kredite zurückzahlen (vielleicht lassen sich auch Rückschlüsse auf Ihre Vermögensverhältnisse aufgrund der hübschen Aufnahmen von Ihrem Anwesen auf google-Street View ziehen?) Es macht auf jeden Fall Sinn, das Sammelsurium von Daten abzufragen, was über sie gespeichert ist. Lassen Sie sich dabei auf jeden Fall auch erklären, wie die Daten gewichtet sind, die in Ihren Score einfließen. Dann können »Missverständnisse« aufgeklärt und falsche Wertungen richtig gestellt werden.

Was Sie davon haben?


Die Gewissheit, dass Sie nicht knallrot anlaufen müssen, wenn die Verkäuferin meint, ein Vertragsabschluss sei aufgrund »diverser Schwierigkeiten« nicht möglich. Denn Sie wissen, was Sache ist. Außerdem einen Überblick über die Sammelwut und die Sammelmöglichkeiten dieser Auskunfteien. Und Sie erkennen, wo Sie welche Datenspuren hinterlassen. Das hat schon manche zum Nachdenken gebracht. Oder sogar zum Verzicht - auf die x-te Kundenkarte im Portemonnaie. SoS


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