Heft 236 Mai 2010
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Balkon & Garten

Gundermann & Co

Kleine Plauderei über eine Frühlingsblume


Günsel
Der kriechende Günsel

Man kann den kriechenden Günsel gerne mit dem Gundermann verwechseln, sollte Rotes Lungenkraut nicht unbedingt in der Pfeife rauchen und vom scharfen Hahnenfuss besser die Finger lassen - zumindest solange er frisch ist. Nein, wir sprechen hier nicht von einer etwas ausgeuferten Betriebsfeier sondern von Frühlingsblumen, die das vom Winter stark mitgenommene Gemüt erfreuen, duftig alle einschlägigen jahreszeitlichen Gefühle begleiten und frische optische Akzente in Gärten und auf Balkonen setzen sollen.

Nun sind es die banalsten Dinge des Lebens, die einen plötzlich ins Grübeln bringen können. Frühlingsblumen sind in aller Munde (aber bitte nur im übertragenen Sinne - einige sind nicht ganz ungiftig) doch wenn es darum geht, diese Gruppe genauer zu definieren beginnt das große Suchen. Es sollen Blumen sein, »die im Frühling blühen« - aber auch so manches Sommergewächs öffnet ja in dieser Periode auch schon einmal seine Blüten - von regionalen Unterschieden einmal ganz abgesehen. Die Internet-Generation hält Frühlingsblumen wahrscheinlich sogar für nicht existent - gibt es doch kein entsprechendes Schlagwort in der alles wissenden Wikipedia.

Gestatten: Gundermann

Gundermann
Die Frühlingsblume Gundermann

Kommen wir zu dem Anfangs schon erwähnten Gundermann (Glechoma hederacea), einem Lippenblütler der von den Freunden der Wildwiese als ein absolutes »muss« bezeichnet wird - von den Besitzern eines mehr oder weniger englischen Rasens dagegen eher als »Unkraut«. Ihr volkstümlicher Name (auch Gundelrebe) ist nicht ganz geklärt - er könnte sich von althochdeutschen »Gund« (Eiter, Beule) ableiten und auf ihren Einsatz als Heilpflanze hinweisen. Hildegard von Bingen schrieb über sie: »Die Gundelrebe ist mehr warm als kalt und sie ist trocken und sie hat gewisse Kräfte der Farbstoffe, weil ihr Grün nützlich ist, so dass ein Mensch, der matt ist und dem die Vernunft entschwindet, mit erwärmten Wasser baden und Gundelrebe in Mus oder in Suppen kochen will und er esse sie entweder mit Fleisch oder mit Chucheln und sie wird ihm helfen, Und wer in der Brust und um die Brust Schmerzen hat, wie wenn er innerlich Geschwüre hätte, der lege im Bade gekochte und warme Gundelrebe um seine Brust und es wird ihm besser gehen.« Andere Quellen hielten sie für den Garant eines guten Stuhlganges und in der Zeit der Hexenverfolgung glaubte man, dass jemand, der in der Walpurgisnacht mit einem Kranz aus Gundelmann zur Kirche ging jede Hexe erkennen könnte. Auch heute noch sind die Anwendungsmöglichkeiten vielseitig - Gundermann kann als Tee, Öl oder Tinktur genutzt werden; man kann darin ein Vollbad nehmen oder getrockneten Gundermann (wie Schnupftabak) durch die Nase einziehen (gegen Kopfweh).

Aber bitte beachten Sie: Wir wollen natürlich keine der hier erwähnten Anwendungen empfehlen - konsultieren Sie bei Interesse einen Arzt! Der Name »Soldatenpetersilie« weist daraufhin, dass Gundermann zeitweise auch als Gewürzpflanze verwendet wurde und auch Biertrinker sollten ihr dankbar sein - sie wurde wegen ihrer Bitterstoffe gerne als Konservierungsmittel benutzt - natürlich noch vor Einführung des Deutschen Reinheitsgebotes. Und der kriechende Günsel (Ajuga reptans L.)? Gundermanns Doppelgänger scheint lange nicht diese Bedeutung gehabt zu haben. Nur ein Tee, der aus getrockneten blühenden Trieben hergestellt wird, ist in der Literatur erwähnt. Als Mittel gegen Rheuma, Magengeschwüre oder Angina.


(-mdl-)