Heft 235 April 2010
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Wahnsinn

Sagen Sie mal...


yyy

...sind Sie eigentlich Hartz-IV-Empfänger? Oder haben es sich schon mal vorgestellt? Also ich habīs versucht und war völlig verwirrt. Legt man dabei nämlich die extremen Enden der aktuellen gesellschaftspolitischen Diskussion zugrunde, ist man entweder ein Faulenzer und Sozialschmarotzer oder aber ein bedauernswertes Opfer des Systems, d as völlig allein gelassen gerade nur noch so am Rande des Existenzminimums vor sich hinvegetiert.

Und die ach so tollen Verbesserungsvorschläge, die es in dem Zusammenhang gibt. Mehr Staats-Kohle, um den Menschen zu helfen. Weniger, um sie vom Sofa runter zu holen. Da muss man ja blöd werden. Und genau das ist meiner Meinung nach auch der Sinn der Sache. Denn so bleibt der Kern des Problems unangetastet und die möglichen unangenehmen Fragen ungestellt.

Denn sind wir ehrlich: Ein paar Faulenzer gibt es, das liegt in der Natur des Menschen. Ebenso würde der größte Teil der Hartz-IV-Empfänger sicherlich auch gerne wieder arbeiten, wenn er denn könnte.

Nur da beginnt die eigentliche Geschichte. Genügend gut bezahlte Jobs gibtīs nicht, weil unsere globalisierungsgeplagten Großkonzerne ja dem Konkurrenzdruck folgend ständig Personal abbauen oder ins Billig-Lohn-Ausland verlagern müssen (wofür ein Top-Manager natürlich einen millionenschweren Bonus erhält, obwohl dessen geniale Idee »zu Dritte-Welt-Kosten produzieren, aber weiter zu Hightech-Preisen verkaufen« nicht wirklich auf Dauer funktionieren kann).

Und so boomen bei uns Midi-, Mini- und Ein-Euro-Jobs und der Mindestlohnsektor, gaukeln den Betroffenen vor, sie würden irgendwie noch »dazugehören« und schönen die Arbeitslosenstatistik.

Nur: Die Wirtschaft kurbelt das nicht an. Weil: Wer nix hat, kann sich auch nix kaufen. Und Steuern werden durch solche Sklavenarbeiten auch nicht in die öffentlichen Kassen gespült. Im Gegenteil. Meist muss ein solch hart erarbeitetes Gehalt auch noch von der Solidargemeinschaft aufgestockt werden.

Und da wird's wirklich eine wirtschaftspolitische Bankrotterklärung: Wenn Arbeit so wenig wert ist, dass nicht einmal mehr der Fiskus etwas davon hat (abgesehen vom nicht mehr vorhandenen Gefühl, sich Dank des Jobs auch etwas leisten zu können) dann läuft einiges falsch.

Aber solange das Bruttosozialprodukt ausreicht, Managern und Bankenbosse die Boni und unseren Politikern die Diäten zu finanzieren ist ja alles in Ordnung, oder?

Ihr Rasta Mobi