Heft 235 April 2010
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Stadtteile

Laubenheim

Das alte Leid mit der Neuen Mitte


Die alte Gerätehalle der Freiwilligen Feuerwehr Laubenheim
Die alte Gerätehalle der Freiwilligen Feuerwehr Laubenheim am Wilhelm-Spies-Haus sollte eigentlich längst abgerissen sein. Stattdessen werden dort jetzt die Schläuche aller Wehren der Stadt gereinigt.

Die Ortsbeiräte - ehrenamtliche Politiker ohne Entscheidungsbefugnisse, bloß »Bittsteller bei der Stadt«, wie manch einer von ihnen anmerkt. In einer Serie will »Der Mainzer« deshalb die Anliegen der Ortsbeiräte unterstützen und die »größten Sorgenkinder« der Stadtteile schildern. Also, wo der Schuh entweder ganz aktuell oder schon seit längerem drückt - und warum es zu keiner Lösung kommt. Wir beginnen mit Laubenheim. Was ist das Wilhelm-Spies-Haus in Laubenheim, bekannt auch als »Alte Schule«, im Grunde für ein Juwel! Nicht nur ein architektonisch schönes Gebäude mit spitzem Uhrturm auf dem Dach und deshalb denkmalgeschützt, sondern auch Versammlungsort zahlreicher Vereine und damit wichtige Anlaufstelle des Stadtteils. Geht der Betrachter allerdings mit wachem Auge um das Haus herum, wird's gruselig. Die Fassade schmutzig grau, die Treppen grün bemoost, die eisernen Kellerluken durchgerostet, das Gebälk morsch und selbst der Schriftzug »Wilhelm-Spies-Haus« ist lediglich per Holzbrett über die Eingangstür genagelt. Und dann klemmt direkt daran noch das alte Feuerwehrgerätehaus mitsamt seinem aufplatzenden Asphalt-Vorplatz, das eigentlich längst abgerissen werden sollte. Eigentlich. Denn hier beginnen Vision und Verzweiflung im Ortsbeirat des östlichsten Stadtteils. Die alte Feuerwehrhalle ist Anlass für einen Plan, der nicht einfach nur das Areal um das Spies-Haus und den angrenzenden Longchamp-Platz mit seinen Beton-Hochbeeten vor der Ortsverwaltung verschönern soll: Nicht weniger als die »Neue Mitte Laubenheim« will der Ortsbeirat schaffen - und kommt nicht voran, wie Ortsvorsteher Gerhard Strotkötter (SPD) beklagt.

An einem Strang

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Ortsvorsteher Gerhard Strotkötter (rechts) und sein Stellvertreter Werner Bard sichten die Pläne für die »Neue Mitte«.

Doch der Reihe nach. Für die Freiwillige Feuerwehr wurde das Laubenheimer Gerätehaus mit der Zeit zu klein, die Zufahrt über die kleinen Gassen war ohnehin beschwerlich. Dies wurde auch an höherer Stelle erkannt und im Juli 2007 bekam die Wehr ihre neue Unterkunft am südlichen Ortsrand. Was soll mit dem Gelände geschehen, wenn die alte Halle abgerissen wird? So lautete die Frage im Ortsbeirat. Die Idee war rasch gefunden, die Politik zog sogar an einem Strang. Alle fünf Fraktionen im Ortsbeirat verabschiedeten im September 2006 einen gemeinsamen Antrag, in dem die Stadtverwaltung darum gebeten wird, das alte Gerätehaus der Wehr abzureißen und das Gelände mitsamt Longchamp-Platz »planerisch als ,Neue Mitte Laubenheim' in Angriff zu nehmen«. Begründung: Der historische Marktplatz sei wegen seiner Verkehrsbelastung schon lange nicht mehr als Ortskern geeignet, ein Zentrum sei jedoch vonnöten. Zunächst lief es gut für die Laubenheimer. Im Februar 2007 meldete der damalige Baudezernent Norbert Schüler (CDU), dass »trotz der personellen Engpässe im Stadtplanungsamt« erste Planungen angestellt worden seien. Im Juli 2007 fragte Schüler dann einen Termin nach, um in einer Ortsbeiratssitzung drei inzwischen erarbeitete Planungsvarianten vorstellen zu lassen. Im Herbst folgte dann allerdings ein herber Rückschlag. Wegen »Einsturzgefahr« der Feuerwache 2 der Berufsfeuerwehr sei die dortige Schlauchpflegeeinrichtung nicht mehr nutzbar, schrieb Umweltdezernent Wolfgang Reichel (CDU) am 4. September 2007 nach Laubenheim. Weil weder in den Wachen der Berufsfeuerwehr noch in denen der anderen freiwilligen Wehren im Stadtgebiet Platz für die Waschanlage sei, müsse diese »vorübergehend« in der alten Laubenheimer Halle untergebracht werden. Womit der Abriss erstmal vom Tisch war. Aus dem »Provisorium für eine kurze Zeit« (Reichel) ist nun allerdings eine Dauereinrichtung geworden. Eine neue Feuerwache 2 gibt es bis heute nicht und wird wohl auch noch mindestens weitere zwei Jahre auf sich warten lassen. Den Baudezernenten Schüler hatte dies indes nicht gebremst. Er ließ im Dezember 2007 drei Entwürfe für eine »Neue Mitte« im Ortsbeirat vorstellen. Zwei davon mit zusätzlicher (Wohn-)Bebauung auf der freiwerdenden Fläche, eine dritte ohne Bebauung und mit zusätzlichen Parkplätzen. »Die Variante 3 haben wir als Grundlage akzeptiert, aber ohne Parkplätze«, berichten Strotkötter und sein Stellvertreter Werner Bard (Grüne), die sich viel Grünfläche um das Spies-Haus wünschen. Ja, und das war es dann irgendwie auch. Seitdem wartet Laubenheim auf seine neue Mitte. »Im fünften Jahr«, wie die beiden resigniert feststellen. Und einen Verdacht haben sie auch: »Die Stadt ist froh, die Ausrede mit dem Feuerwehrhaus zu haben, weil sie kein Geld hat!«

Was sagt die Stadtverwaltung?
Die Laubenheimer weisen in Richtung Stadtverwaltung, dort spielt man den Ball nach Laubenheim zurück. »Wir haben vom Ortsbeirat kein Feedback auf die Vorstellung der Entwürfe erhalten, keine Bitte, in eine bestimmte Richtung zu planen«, erklärt Günther Ingenthron, Leiter des Stadtplanungsamts. Deshalb sei auch im Bauausschuss nicht über die »Neue Mitte« befunden worden, »weil es in Laubenheim hängt«, so seine Version. Das alte Feuerwehrgerätehaus sei dabei »planerisch kein Thema«. Ingenthron lässt allerdings auch die finanzielle Situation der Stadt nicht unerwähnt. Seiner Meinung nach müsste auf jeden Fall eine Variante mit zusätzlicher Bebauung und damit Erlösen für die Stadtkasse zum Tragen kommen. »Wenn einer eine Alternative ohne Vermarktung will, muss er auch sagen, wo das Geld herkommen soll«, sagt der Amtsleiter. »Bei der Haushaltslage sehe ich kein schnelles Handeln«, stellt Ingenthron klar, bestenfalls gebe es erstmal Hilfe aus Bordmitteln vom Grünamt.

Christoph Barkewitz