Heft 235 April 2010
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Hatschi

Wenns grünt und blüht:

Pollenalarm im Immunsystem


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Klassische Frühblüher wie Erle (Foto) und Haselnuss mögen Allergiker gar nicht: In den einzelnen Zäpfchen stecken die fiesen kleinen Pollen, die den Frühling zur unschönen Jahreszeit machen können.

Heftiges Niesen gehört zum Frühling wie rote Tulpen. Allerdings steckt hinter dieser lauten Körperreaktion eher selten ein grippaler Infekt. Beginnt es draußen zu grünen und zu blühen, beginnt für einen Teil der Bevölkerung die reinste Qual: Frühlingszeit ist - auch - Allergiezeit. Viele Pollen sind bereits aktiv und machen den Allergikern das Leben zur Hölle. Klassische Frühblüher sind vor allem Haselnuss, Erle und Birke. Verschnupfte Nasen, Augenbrennen und -jucken bis hin zu Atemnot und Asthmaanfällen halten die Betroffenen oft davon ab, rauszugehen und die ersten wärmenden Sonnenstrahlen zu genießen. Lässt sich dagegen etwas unternehmen? Viele schwören auf Therapieformen, die langfristig Besserung bringen. Neben der schulmedizinischen Möglichkeit der Sensibilisierung, bietet das weite Feld des Naturheilverfahrens eine gesundheitlich schonende Alternative. Der Trend in Richtung Naturheilbasis ist auch für Dr. Jutta Jach-Brötzmann spürbar, Ärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren in Mainz-Bretzenheim. Nachdem die 57-Jährige bei ihren Patienten mit Hilfe eines Tests eine Pollenallergie festgestellt hat, beginnt sie mit ihrer eigens auf den jeweiligen Typ abgestimmten Behandlungsmethode. Zur Anwendung kommen u.a. eine Ganzkörper-Akkupunktur (bei Kindern mit Laser statt mit Nadeln) und eine Eigenblutinjektion. Dem Allergiker wird zuerst ein homöopathisches Präparat gespritzt, um das Immunsystem zu stärken. Danach nimmt Dr. Jach-Brötzmann 3 ml Blut ab, füllt dieses mit einem anderen homöopathischen Mittel auf und injiziert dies direkt in die Gesäßmuskulatur. Zur Unterstützung der Therapien kann eine Vitamin C-Infusion eingesetzt werden, um das Immunsystem zu stärken, aber auch pflanzliche Heuschnupfenmittel können den positiven Heilungsprozess intensivieren. Die meisten homöopathischen Mittel basieren auf dem Korbblütler Arnika, einer Pflanze die hauptsächlich im Hochgebirge wächst. »Kritisch wird es bei Patienten, die gegen Korbblütler allergisch sind. Dann fallen viele pflanzliche Medikamente weg«, stellt die Ärztin fest. Die Erfolgschancen schätzt die Allgemeinmedizinerin realistisch bei 50 Prozent ein. »Ich kann leider nicht jedem helfen, da der Erfolg von vielen Faktoren abhängt; der Placebo-Effekt, die Sympathie und die Psyche spielen eine wichtige Rolle.«

Hygiene, Ernährung, Umwelt

Ähnlich viele Aspekte gelten auch als Ursache für eine Allergie. Die Zahl der Allergiker hat sich in den letzten zehn Jahren verfünffacht, mittlerweile sind in Deutsch­land ca. 15 Millionen Menschen betroffen. Ein Grund ist die übermäßige Hygiene schon in der frühen Kindheit. Paradoxerweise leiden auf dem Land weniger Menschen unter einer Allergie, obwohl es deutlich mehr Bäume gibt. Ein weiterer Allergie-Verstärker sind Umwelt-Veränderungen. »Das Benzol, was unsere Autos absondern, verändert die Allergenstrukturen der Pollen. Die Birkenpollen ähneln jetzt z.B. denen der Karotten«, erläutert Dr. Jach-Brötzmann das Phänomen der Kreuzallergien. Bei vielen ihrer Patienten muss sie deshalb als erste Maßnahme den Speiseplan umstellen. Eine falsche Ernährung, vor allem bei Kindern, können ihrer Meinung nach Unverträglichkeiten beim Essen und damit indirekt Pollenallergien hervorrufen. Als weitere Ursachen gelten un­ruhiger Schlaf oder Stress: »Durch einen ausgewogenen Schlaf und eine starke Psyche wird das ganze System beruhigt und die Symptome erscheinen einem leichter«, betont die Ärztin. »Oft klagen die Patienten, dass ihnen schon morgens im Bett die Nase läuft und schieben das darauf, dass sie bei offenem Fenster geschlafen haben.« Es wäre aber falsch als Konsequenz nun das Fenster über Nacht zu schließen. »Dass die Betroffenen schon morgens allergische Reaktionen haben, hängt mit dem körpereigenen Cortisonspiegel zusammen, der am frühen Morgen abfällt«, bemerkt Dr. Jach-Brötzmann. Also lieber nachts das Fenster auf, denn tagsüber fliegen die Pollen wieder. Die Allgemeinmedizinerin hat auch ein paar Alltagstipps parat. Um den Pollen ein Schnippchen zu schlagen, sollte man oft die Haare waschen und die Bettwäsche wechseln. Verzichten sollte man auf frische Milch, da diese viele Al­lergene enthält und stattdessen auf H-Milch umsteigen. Was ebenfalls nicht schaden könne, sei die regelmäßige Einnahme von Calcium und in akuten Fällen gebe es gute Antihistaminika rezeptfrei zu kaufen. Letztlich müsse jeder Mensch selbst herausfinden, was ihm gut tue, meint Dr. Jach-Brötzmann.


Stefanie Gundel