Heft 235 April 2010
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Zur Sache

Congress Centrum Mainz GmbH

Gewinnbringend für die Stadt?


August Moderer
CCM-Geschäftsführer August Moderer

In der März-Ausgabe des MAINZER ging es u.a. um die Eigenkapitalrentabilität der städtischen Beteiligungsgesellschaften. Verbunden mit der Frage, ob diese Beteiligungen den städtischen Etat be- oder entlasten. Laut Beteiligungsbericht 2008 (mit Zahlen von 2007) hat die CongressCentrum Mainz GmbH eine Eigenkapitalrendite von 174,8 Prozent - Minus, wohlgemerkt. »Wir sind aber keine Kapitalgesellschaft, sondern eine Betreibergesellschaft«, reagierte CCM-Geschäftsführer August Moderer (Foto) auf diese Zahl.
»Wir haben kein eigenes Vermögen, keine eigenen Werte, wie beispielsweise die Wohnbau GmbH mit ihren Wohnungen, wir sind nur Betreiber der Veranstaltungsräume von Schloss, Rheingoldhalle, Frankfurter Hof und Bürgerhäusern. Außerdem zahlen wir 680.000 Euro Pacht im Jahr.« Diese Pacht gehe, so Moderer, zu einem Teil an die Stadt Mainz »für die Nutzung des Altbestandes der Rheingoldhalle« und der andere Teil gehe an die »Rheingoldhallen GmbH & Co.KG« für die Nutzung der durch die Rheingoldhallen-Erweiterung entstandenen Räumlichkeiten (Gutenbergsaal). Anteilseigner der »Rheingoldhallen GmbH & Co.KG« sind die »Parken in Mainz GmbH« und die Stadt Mainz. Laut Beteiligungsbericht 2008 hat die Stadt Mainz der CCM in 2007 Geldmittel in Höhe von 1,5 Mio. Euro zur Verfügung gestellt, »die zur Eigenkapitalstärkung verwendet und in die Kapitalrücklage eingestellt worden sind.« Dem Beteiligungsbericht zufolge beläuft sich der Fehlbetrag der CCM in 2007 auf 1,1 Mio. Euro, der aus dieser Kapitalrücklage entnommen wurde.

Defizitär?

»Würden wir nicht so kostenbewusst wirtschaften, könnten wir kulturelle und Fastnachts-Veranstaltungen gar nicht finanzieren«, sagt der CCM-Geschäftsführer. Alle Kulturveranstaltungen, die von der CCM in Mainz organisiert werden, seien defizitär: »Mit Kultur lässt sich kein Geld verdienen. Und das ist nicht nur bei uns so«, stellt Moderer fest. »Alle Kongressorganisationen, die für ihre jeweilige Stadt solche Veranstaltungen managen, kämpfen mit dem gleichen Problem.«

Öffentliche Aufgabe?

Nachtrag: Das Interview mit CCM-Geschäftsführer August Moderer fand VOR der Stadtratssitzung am 23. März statt. Die Ampel-Koalition beschloss in dieser Sitzung u.a. den Zuschuss für die CCM in 2010 um 50.000 Euro zu kürzen und ab 2011 um 100.000 Euro pro Jahr

Aufgabe der CCM ist es, neben der Vermarktung und Betreibung der Kongresseinrichtungen, den Betrieb der Bürgerhäuser zu gewährleisten. Dazu hat die Stadt mit der CCM einen »Betriebsführungsvertrag« abgeschlossen. Zudem gilt »die Wahrnehmung der bürgerhausähnlichen Funktionen im Rahmen der Sonderregelung für Vereine«. »Wenn die Politik will, dass wir die Bürgerhäuser betreiben, die Vereine für die Nutzung der Bürgerhäuser KEINE marktübliche Miete zahlen, dann muss die Politik auch die daraus folgenden Defizite verantworten.« Klare Ansage! »Es gibt da nichts schön zu reden: Kultur muss subventioniert werden!« Denn: »Wir machen diese Veranstaltungen ja nicht nur zum Spaß. Das dient der Imageförderung unserer Stadt. Kulturförderung ist Teil unserer Aufgaben. Das ist politisch so gewollt.«

Geld verdienen - womit?

Die CCM verdient tatsächlich auch Geld. Mit Kongressen, zum Beispiel. »Der Deutsche Ärztetag 2009 brachte einen Umsatz von 1,3 Mio. Euro in die Stadt, davon allein 600.000 Euro an Übernachtungseinkünften.« Diese Zahlen hat die CCM auf der Grundlage der von ihr selbst abgewickelten Übernachtungsbuchungen. Wirtschaftsförderung - das ist, laut Moderer, ein weiterer Teil der CCM-Aufgaben. Dass der »Kongress-Standort Mainz« ein »wichtiger Wirtschaftsfaktor« ist steht in einer Studie, die im Rahmen des »Tourismusforum Rhein-Main« der IHK für Rheinhessen im November 2009 vorgestellt wurde. Die Nettoumsätze der Veranstaltungsbranche in Mainz werden dort auf rund 145 Mio. Euro pro Jahr beziffert. Davon gehen 65 Prozent, also 94 Mio. Euro pro Jahr an die Hotellerie und das Catering. Das Steueraufkommen ist mit 2,14 Mio. Euro pro Jahr angegeben.

Mischkalkulation

Die Gewinne aus dem Kongress-Geschäft werden mit den Verlusten aus dem Kulturgeschäft verrechnet - das reicht nicht, um wenigstens mit einer schwarzen Null am Ende des Jahres rauszukommen. Trotz des städtischen Zuschusses. »Wir arbeiten als Unternehmen defizitär, aber für die Stadt gewinnbringend.« Moderer stellt klar den politisch gewollten Auftrag heraus und verweist auf Dutzende von Beispielen in Deutschland und im Ausland: »Es gibt kein Kongresszentrum weltweit, das Gewinne schreibt.«

Immer weiter so?

Es gäbe Möglichkeiten das CCM-Defizit auf Null zu bringen, ist dem Geschäftsführer zu entlocken. Aber durchsetzen ließe sich das kaum: »Wir könnten alle Kulturveranstaltungen absagen. Oder wir machen das gesamte Veranstaltungscatering und die Hotellerie selbst - damit setzen wir uns als stadtnahe Gesellschaft aber dem Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung aus.« Beim lauten Nachdenken über den Defizitabbau der CCM bis hin zum städtischen Schuldenabbau verweist Moderer auf eine Reihe von Beispielen, die andernorts praktiziert werden: »Weimar erhebt seit 2005 eine Kulturförderabgabe, Trier führt eine Kulturtaxe ein. In den USA gibt es eine ,Congress Tax', das heißt jeder Kongress- Teilnehmer zahlt 5 Dollar pro Übernachtung zusätzlich, die zweckgebunden an die Kongresszentren gehen. Grundsätzlich besteht auch in Mainz die Möglichkeit, das vielseitige Kulturangebot durch Einnahmen dieser Art zu finanzieren.«


SoS