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Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
Heft 234 März 2010
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Ausgehen

»Enfant terrible« mit viel Liebe zum Detail

Psycho-Jones in der Mainzer Club-Kultur


Psycho-Jones lehnt im Türrahmen

Die Disco-Kugel dreht sich und es heißt »Oh Gott, nicht schon wieder Psycho-Jones!«. Das erlebt man nicht selten im bunten Mainzer Nachtleben, denn dort ist Psycho-Jones, dem der Ruf eines Enfant Terribles nacheilt, allgegenwärtig. Der Entertainer und DJ gehört nach wie vor fest zum Programm der Mainzer Partyszene und hält das Jungvolk in Atem: Er erweckt die Clubs, Kneipen und Kellergewölbe unserer Stadt zum Leben. Wer Psycho-Jones kennen lernt ist überrascht wie freundlich und natürlich der Siebenunddreißigjährige ist. Psycho-Jones ist ein Star zum Anfassen und ganz sicher nicht das, was gelegentlich hier und dort über ihn zu hören ist.

Was man bei Psycho-Jones gerne als offenes Zeichen der Arroganz wahrnimmt, das betont Laissez-faire seines Wesens und die gleichzeitige zielbewusste Bestimmtheit im Auftreten, sind seine Charaktereigenschaften gepaart mit den Erfordernissen des Anlasses. »Man kann mich mit einem Straßenbahnfahrer vergleichen. Alle sehen ihm bei der Arbeit zu, aber er kann sich nur die wenigsten Gesichter merken.« Ein plausibles Argument für jemanden, der eine so große Popularität genießt, oder? Schließlich schleust Psycho-Jones pro Party stetig zwischen 300 und 500 Gäste durch die Räumlichkeiten seiner jeweiligen Location.

Wenn Psycho-Jones seine Abende im Schick & Schön oder im Red Cat einläutet, ist alles Inszenierung, nichts wird dem Zufall überlassen. Bei seinen Auftritten steht die musikalische Darbietung im Mittelpunkt, aber die Performance ist ihm genauso wichtig. Psycho-Jones bietet seinem Publikum neben seinen Live-Sets, Artistik, Live-Percussion und Gesang, in Form von Backing-Vocals. Viel Aufmerksamkeit und Liebe zum Detail schenkt er auch der Deko. Möglichst »trashig« und »retro« soll es sein und das meint seine kreative, kritische und gleichzeitig humorvolle Auseinandersetzung mit der modernen Konsumgesellschaft und ihren Fetischen. Die Bandbreite in der Dekoration reicht von den Torsi ausrangierter Schaufensterpuppen über archaische Schrumpfköpfe bis hin zu Indianerschmuck und einem Portraitbild von Charles Bronson. »Wenn ich einen Laden eingerichtet habe, hat er einen unverkennbaren Wohnzimmerflair«, erklärt Psycho-Jones und wer eine seiner Partys besucht hat, wird selbiges gern bestätigen.

Hauptfigur eines Fortsetzungsromans ...

Psycho-Jones legt ne Platte auf

In Gestik und Mimik werden Psycho-Jones schauspielerische Qualitäten zugeschrieben und bei seinen wechselnden Outfits legt er stets viel Sorgfalt an den Tag. »Vorbilder habe ich außer Rocko Schamoni und Helge Schneider aber keine, das kommt bei mir alles aus dem Bauch raus«, sagt er und lächelt, und doch wird man das Gefühl nicht los, dass er mit seiner Bärenfell-Imitat-Mütze und dem gezwirbelten Schnurrbart an Iwan Rebroff und die Schlager-Mania erinnern will.

Los ging alles Mitte der 80er. Die Wurzeln von Psycho-Jones liegen im New Wave und im Electro-Pop. Depeche Mode, New Order und Soft Cell waren Leitsterne seiner musikalischen Entwicklung. In den 90ern ließ er sich von der Brit-Pop-Welle, von Alternative, Indie und Big Beat anstecken. 1972 im Westerwald geboren, machte er nach der Schule eine Ausbildung im Bereich des Grafik-Designs, dann begann er in Mainz mit einem Studium der bildenden Kunst. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass seine künstlerischen Ambitionen mit der akademischen Strenge nicht vereinbar waren und so begann Psycho-Jones Partys zu organisieren. Er konnte sich schon bald einen unumschränkten Status in der Mainzer Club-Kultur und darüber hinaus erkämpfen. Gebucht wird er mittlerweile auch in Köln, Berlin und Hamburg und in Metropolen wie Barcelona oder Stockholm. Bis heute sorgt er selbst für die aufwendige Gestaltung seiner Flyer, Plakate und Souveniers, wie T-Shirts und Buttons, die Teile seiner Marketingstrategie sind.

Psycho-Jones will sein Publikum in eine Atmosphäre versetzen, die sie von den Sorgen ihres Alltags befreit. Die Leute nehmen das gerne an. Auf seinen Partys finden sie die Leichtigkeit des Seins, Ausgelassenheit und Intimität. Beliebt ist seine »Psychotherapie« im Schick & Schön. Jeden Dienstag werden die Gäste dort anstatt mit bitteren Pillen mit M&Mís und Ferrero Tic Tac versorgt. Jeden Mittwoch hält Psycho-Jones dann unter wechselndem Motto als Resident-DJ im Red Cat Einzug.

Psycho-Jones versucht immer so authentisch wie möglich zu sein und dabei kommt ihm bei aller Verspieltheit sein ausgeprägter Sinn für die Musik zu gute. Er nennt über zehntausend Platten und CDs sein eigen und sammelt nahezu alles, was in sein Konzept passt, von den 20ern bis heute. In Sachen »Sampling« hat sein Style ganz bestimmt eine musikhistorische Dimension und ein Stück Kulturgeschichte schreibt er auch, denn nicht zuletzt beruht ja alles auf einem literarischen Missverständnis: Psycho-Jones ist gar nicht Psycho-Jones! Psycho-Jones ist die Haupt-Figur eines Fortsetzungsromans, den der Entertainer und DJ nun schon seit gut zehn Jahren zu vollenden bemüht ist. Aber das ist noch immer ein Geheimnis, dessen interessante Details er nur wenigen Menschen bis heute näher erläutern konnte ...

Henning Berg

Infos: www.myspace.com/psychojones

Die Fotos entstanden während der Party »Psycho-Jones« Schmash up club« im Schick & Schön/ DGB-Keller