Heft 234 März 2010
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Natur und Wissenschaft

Neues Angebot im botanischen Garten der Universität

Kleine Gärtner in der Grünen Schule


Waschbecken
Pflanzen mitbringen ausdrücklich erwünscht: An den Waschbecken können sie sauber gemacht werden.

Der botanische Garten der Mainzer Universität begibt sich auf neues Terrain: Mit der Einrichtung einer »Grünen Schule« will er sich künftig in weit größerem Maße der Öffentlichkeit präsentieren als dies bisher geschieht. Führungen im botanischen Garten gibt es zwar schon, mit der Einrichtung der »Grünen Schule« werden die Besuchsmöglichkeiten der Pflanzenwelt auf dem Campus aber deutlich ausgeweitet. Die Schule wird natürlich haben, was eine Schule haben muss: Eine Schulleiterin und ein eigenes Gebäude. Das Haus wird gerade gebaut, die Chefin ist seit 1. Januar an Bord. Vor allem an Schulklassen werden sich die künftigen Angebote richten. Dabei kann es sich um zwei- bis dreistündige Kurse handeln, aber auch um ganze Projekttage. Voraussichtlich nach den Osterferien sollen die ersten Angebote für Schulklassen starten. Gedacht ist zudem an Fortbildungen für Lehrer, Angebote im Rahmen der Erwachsenenbildung oder auch wissenschaftliche Tagungen. Für die Biologin Dr. Ute Becker hat die Gutenberg-Uni nach eigenen Angaben als erste Hochschule in Deutschland extra eine wissenschaftliche Stelle zur Leitung des Bildungsbereichs des Gartens geschaffen. Auch das eigens errichtete Gebäude gebe es sonst an keiner anderen Uni, hebt Becker hervor, die sich nicht nur mit den Pflanzen selbst auskennt, sondern auch mit der Vermittlung von Wissenswertem über die Flora. Die 40-Jährige war maßgeblich am Aufbau einer Grünen Schule im botanischen Garten in Marburg beteiligt. Becker ist gelernte Gärtnerin, hat an der Uni Göttingen studiert und wurde in Marburg promoviert. Bis zu ihrem Wechsel nach Mainz war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin in Frankfurt an der Goethe-Uni und am Biodiversitäts- und Klimaforschungszentrum.

Die Themen veranschaulichen

Ute Becker, Leiterin der Grünen Schule
Die Lehrerin ist schon da, die Schüler sollen nach den Osterferien kommen: Ute Becker, Leiterin der Grünen Schule.

Den Hauptanteil ihrer Arbeit sieht Becker in der Zusammenarbeit mit Schülern. »Themen, die im Unterricht durchgenommen werden, können wir in der Grünen Schule anschaulich machen«, sagt die Wissenschaftlerin. Dabei will sie immer auf einen Zusammenhang zur Lebenswelt der Schüler achten. Welche Rolle spielen bestimmte Pflanzen im Alltag der Schüler? Deshalb stehen beispielsweise Kakao, Kaffee oder Baumwolle als Grundstoff für Kleidung auf der Agenda. »Wir wollen den Weg vom Samenkorn bis in die Kaffeetasse oder Schokoladentafel nachvollziehen, erklärt Becker. Dazu will sie den Kontakt zu den Schulen suchen und ihre Angebote sowohl an den Lehrplänen ausrichten wie auch in Absprache mit den Lehrern an die einzelnen Gruppen anpassen. Zu sehen gibt es im botanischen Garten genug. Rund 9000 Arten aus nahezu allen Erdteilen wachsen auf einer Gesamtfläche von etwa neun Hektar. Wüste, Steppe oder Regenwald sind mit ihrer typischen Vegetation genauso zu finden wie auch bedrohte Arten in Rheinland-Pfalz, die auf dem Gelände »Mainzer Sand« gezeigt werden. Der Uni-Garten wurde 1947 gegründet und dient in erster Linie der Forschung und der Erstellung von Lehrsammlungen. Früher seien die botanischen Gärten für das Publikum geschlossen gewesen, berichtet Becker: »Ein Eldorado für Forscher und Studenten, die auch gar nicht so gerne Besucher wollten.« Doch dies habe sich geändert, die Gärten suchten inzwischen bewusst die Öffentlichkeit. Und so gibt es auch an der Mainzer Uni seit einigen Jahren schon ein Führungsprogramm für Kinder und Erwachsene. Im vergangenen Jahr seien gut 3000 Menschen in 150 Führungen durch den Garten gelotst worden, insgesamt kommen rund 50.000 Besucher jährlich innerhalb der Öffnungszeiten. Die Besucherzahlen sollten nach dem Willen der Universität gesteigert werden, doch bislang fehlte ein Raum für weiterführende Angebote. Dieser Mangel wird nun mit dem Gebäude für die Grüne Schule am Anselm-Franz-von-Benzel-Weg auf dem Campus behoben. 400.000 Euro lassen sich Universität, das rheinland-pfälzische Bildungsministerium und der private »Freundeskreis Botanischer Garten« das in viel grüner Farbe gehaltene Haus kosten, das in diesen Wochen fertig gestellt sein soll. Hauptsaison wird naturgemäß der Zeitraum März bis Oktober sein, »aber durch die Grüne Schule sind wir auch viel unabhängiger vom Wetter«, freut sich Becker. Auf lange Sicht sollen sogar Kindergeburtstage auf dem Programm stehen. Ein beliebtes Angebot, wie Becker von ihrem vorherigen Engagement zu berichten weiß. An der Grünen Schule in Marburg seien diese Veranstaltungen eine der Haupteinnahmequellen gewesen.


Christoph Barkewitz

Infos:
Allgemeine Öffnungszeiten des botanischen Gartens an der Universität:
Freiland täglich von 7.30 bis 18 Uhr, Gewächshäuser von 7.30 bis 15.30 Uhr,
freitags bis 13 Uhr.
Angebote in der »Grünen Schule« sind nach den Osterferien ab April geplant.
Eineinhalbstündige Führungen (15-20 Teilnehmer) kosten pro Grup­pe für Kinder 25 Euro,
für Erwachsene 50 Euro. Kurse von zwei bis drei Stunden kosten 60 Euro pro Gruppe.
Interessierte Schulen können sich an Dr. Ute Becker unter der Rufnummer
(06131) 3925686 oder E-Mail:

wenden.