Heft 234 März 2010
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Einkehr

Wach werden – nicht nur für den Anruf Gottes

»Ich bin dann mal am Fasten«


Prior Joseph P. kleine Bornhorst
Prior Joseph P. kleine Bornhorst

Nein, so heißt nicht der neue Bestseller von Hape Kerkeling. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Pilgern und Fasten haben nämlich mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick vermuten würde und beides scheint in den letzten Jahren durchaus im Trend zu liegen. Doch was heißt Fasten genau? Das altdeutsche Wort fasten bedeutet so viel wie festhalten (an den Geboten Gottes). Aber auch die 5. Jahreszeit kündigt bereits die 40-tägige Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostersonntag an, wobei alle Sonntage davon ausgenommen sind: Karneval heißt übersetzt Fleisch ade, Fast-nacht meint die Nacht vor dem Fasten. Die Beantwortung der Frage, was Fasten inhaltlich ausmacht, ist da schwieriger. Aus diesem Grund hat sich DER MAINZER dazu fachliche Unterstützung geholt. Für Joseph P. kleine Bornhorst, Prior des Dominikanerklosters Mainz, zu dem auch die Pfarrei St. Bonifaz gehört, steht während der Fastenzeit nicht nur die Entsagung von Essen im Vordergrund, sondern vielmehr die Tatsache, die Zeit bewusst wahrzunehmen und sein Leben und die Beziehung zu Gott kritisch zu hinterfragen. Schon Jesus ging für 40 Tage in die Wüste, um seinem Vater nahe zu sein. »Fasten hat also eine sehr lange Tradition«, erklärt der Vorsteher des Klosters. Die genaue Art des Fastens, ob nur auf Fleisch oder komplett auf Essen verzichtet wird, beispielsweise beim zehntägigen »Heilfasten«, sollte laut Bornhorst jedem selbst überlassen werden. »Fasten darf nicht mit hungern verwechselt werden, denn fasten ist immer freiwillig«, betont der 56-Jährige. Laut den Erfahrungen des Priors im Bereich des Heilfastens vermisse man überraschenderweise nicht in erster Linie das Essen an sich. »Es ist das Gemeinschaftsgefühl, die Freude und die Lust am Essen, die einem mit der Zeit fehlt«, gesteht der Pater. Nach Ansicht des Priors sind viele Menschen zeitlebens auf der Suche nach etwas und wollen dem Glauben auf die Spur kommen. »Die spirituellen Angebote, wie das Fasten und Pilgern können den Weg vom Suchen zum Finden darstellen«. Diplom Theologe Alois Bauer, Referent für Gerechtigkeit, Frieden und Umwelt, berichtet von seinen persönlichen Fastenerlebnissen, »dass man aufnahmefähiger wird und wach ist für den Anruf Gottes.« Nicht vergessen werden sollten auch die gesundheitsfördernden Auswirkungen des Fastens und der positive Nebeneffekt, so den unerwünschten Winterspeck endlich loszuwerden. Und erst die finanziellen Ersparnisse beim Einkaufen…. Zur seelischen Unterstützung bieten die Dominikaner unter dem Motto »Ostern entgegen« zahlreiche Veranstaltungen an.

Zur Ruhe kommen

Alois Bauer
Alois Bauer

Wer nicht vom Essen absehen will oder kann, für den folgen hier einige alternative Vorschläge fürs Fasten: Wie wäre es mit Alkohol-, Nikotin-, Süßigkeiten-, Fernseh-, Internet- oder Handyfasten? Bei den drei zuletzt genannten dürfte auch gewährleistet sein, dass man während der Fastenzeit öfter zur Ruhe kommt. Eine weitere moderne Form des Fastens ist das Autofasten. Diese Idee entstand 1998 im Bistum Trier und hat ab 2001 auch in Mainz Einzug gehalten. Seitdem ist die Teilnehmerzahl kontinuierlich gestiegen, was den Referent Alois Bauer freut, der das Projekt Autofasten mit organisiert. Beim Autofasten melden sich Interessierte per Telefon oder E-Mail an. Die Teilnehmer verzichten dann für zwei Wochen auf ihr Auto. Im Gegenzug erhalten sie gegen Zahlung von 49 € ein Bus- und Bahnticket, das im gesamten RNN-Gebiet für vier Wochen gültig ist. »Das Teilnehmerfeld ist gut gemischt«, erklärt Bauer. »Es gibt eine Menge älterer Menschen, die mehr Zeit haben und was Neues ausprobieren wollen, aber auch viele Berufstätige, die bei der Aktion mitmachen. Die Hälfte der Teilnehmer sind ´Wiederholungstäter´, die jedes Jahr wieder dabei sind, selbst ein türkischer Muslime und welche, die nicht in der Kirche sind.« Die Teilnehmer kommen aus ganz Rheinhessen bis hin zu Aachen und Luxemburg. Anhand einer Studie wurde nachgewiesen, dass ca. 60 Prozent der Teilnehmer danach ihr Fahrverhalten verändert haben. »Einige haben sogar ihren Zweitwagen aufgegeben, weil sie gesehen haben, dass es auch ohne Auto geht«, stellt der 53-Jährige fest. Wer zu Fuß geht oder mit dem Fahrrad fährt tut nicht nur seinem Körper, sondern auch der Umwelt einen großen Gefallen. »Das Autofasten erfordert ein gewisses Umdenken und ist in jedem Fall eine Umstellung«, räumt Bauer ein. Also keine Scheu vor frühem Aufstehen oder schlechtem Wetter. Obwohl die Anmeldefrist bereits abgelaufen ist, kann dieses Jahr aber als Generalprobe genutzt und das Auto – auch wegen der hohen Spritpreise - öfter stehen gelassen werden.


Stefanie Gundel

Infos:
Angebote und Termine zur
Fastenzeit in der Pfarrkirche
St. Bonifaz:
www.dominikaner-mainz.de.