Heft 234 März 2010
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Denkmal

Es glänzt wie vor 300 Jahren

Das goldene Ross


das goldene Ross auf dem Dach des Mainzer Landesmuseums

Es ist schon ein echtes Prachtstück, das goldene Ross auf dem Dach des Mainzer Landesmuseums. Blitzend und blinkend erhebt es sich über dem Eingangsportal, die Vorderbeine in der Luft. Diese Pose, ‚Levade’ genannt, war eine typische Dressurübung der klassischen Reitkunst. Damit sind wir auch schon bei dem ursprünglichen Zweck des heutigen Museums. Das Gebäude an der Großen Bleiche war 1767 unter Kurfürst Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim errichtet worden, als ‚Golden-Ross-Kaserne’. Es diente als kurfürstlicher Marstall, in dem die fürstlichen Pferde, Wagen, Kutschen und das Geschirr untergebracht waren.

Zu den Stallungen gehörte außerdem ein Wohnhaus in der Bauhofstraße, das Haus des Oberstallmeisters. Kurze Zeit später entstand zusätzlich an der Mittleren Bleiche eine prunkvolle Reithalle mit zwei prächtigen Emporen. Zu diesen absolutistischen Zeiten war es wichtig zu zeigen was man hatte und zwar getreu dem Motto: nicht kleckern, sondern klotzen. Dazu passte hervorragend das überlebensgroße goldene Ross auf dem Dach des Marstalls. 1792 allerdings war Schluss mit dem Kurfürstlichen Staat und der absolutistischen Herrlichkeit. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Gebäudekomplex für ganz unterschiedliche Zwecke genutzt.

So diente die Reithalle mehrfach als Theater, später als Quartier für verschiedene in Mainz stationierte Kavallerie-Regimenter. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg schließlich wurden die Weichen für die heutige Nutzung des ehemaligen Marstalls gestellt. 1935 wurden in dem leer stehenden Gebäude die Sammlungen des Städtischen Altertumsmuseums untergebracht. Während des Krieges allerdings wurden die Gebäude mitsamt vielen Ausstellungsstücken zerstört. Auch das goldene Pferd über dem Haupteingang fiel der Zerstörung zum Opfer.

Gleich nach dem Krieg ließ die französische Militärregierung den Gebäudekomplex teilweise wieder aufbauen. Das zerstörte Kupfer-Original des goldenen Rosses wurde durch eine vergoldete Aluminiumkopie ersetzt. 1962 eröffneten das Altertumsmuseum und die Gemäldegalerie der Stadt erneut unter dem Dach der Golden-Ross-Kaserne. Es folgten Jahre der Vergrößerung, Sanierung und Modernisierung. Die jüngste größere Bauphase wird in diesen Wochen beendet. Sieben Jahre lang wurde geplant, gebaut, modernisiert und Barrieren beseitigt.

Am 21. März nun wird das Landesmuseum in einem feierlichen Festakt von Ministerpräsident Kurt Beck wieder eröffnet. Drei Museumstrakte mit Ausstellungsstücken von der Römerzeit bis heute werden zukünftig für alle Besucher zugänglich sein. Und über allem thront und strahlt das Goldene Ross so schön wie vor 300 Jahren.

Ilona Hartmann