Heft 233 Februar 2010
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Straßen

Das Sonnengäßchen

Vom Brauhaus zum Straßennamen


Das Sonnengäßchen

Häufig findet man in Mainz Straßen, die nach einem ehemals markanten Gebäude darin benannt sind. Das gilt zum Beispiel für die Korbgasse oder für die Weißliliengasse. Zu dieser Reihe gehört auch das »Sonnengäßchen«, das von der Stadthaussstraße ausgehend ein kurzes Stück parallel zur Schusterstraße bis zur Betzelsgasse verläuft. Seinen sonnigen Namen verdankt das Gässchen dem schon immer ausgeprägten Hang der Mainzer zu einem guten Tropfen – in diesem Fall geht es allerdings nicht um Wein, sondern um Gerstensaft. Erstmals erwähnt wurde das kleine Gässchen bereits im 14. Jahrhundert. Damals hieß es noch ‚Zwerchgäßchen’. Im Laufe der Jahrhunderte änderte die Straße ihren Namen mehrfach. Aus ‚Zwerchgäßchen’ wurde ‚Schwarzfärbergasse’. Es folgte eine Zeit von rund 100 Jahren, in der die Gasse den niedlichen Namen »Schnarchgasse« trug. Ab 1755 wurde sie dann endgültig in Sonnengäßchen umbenannt, nach der Gaststätte ‚Brauhaus zur Sonne’. Das Gasthaus gehörte zu dem gleichnamigen Brauhaus in der Betzelsgasse. Während die Brauerei 1991 den Betrieb einstellte, besteht das Gasthaus heute noch und hält im wahrsten Sinne des Wortes große Stücke auf seine Jahrhunderte alte Geschichte. Rechts vom Eingang (im Foto direkt über dem Fahrrad) ist ein Stein in das Mauerwerk eingelassen, in den die Zahl 1687 eingemeißelt wurde. Darunter ist zu lesen: »Dieser Stein ist ein Stück von dem alten Brauhaus zur Sonne. 1568 erstmals an diesem Ort als Brauhaus erwähnt. 1687 unter dem Namen Brauhaus zur Sonne bekannt. 1942 in der Nacht vom 11.-12. August durch Fliegerangriff vollkommen zerstört. 1955-56 von der Familie Kohl wiederaufgebaut.« Offenbar gab es also in der Geschichte des Sonnengäßchens auch düstere Zeiten. Dank Familie Kohl aber ist dem Sonnengäßchen sein Namensgeber bis heute erhalten geblieben.


Ilona Hartmann