Heft 233 Februar 2010
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Nullfünfer - Hinrunde Statistiken

Der FSV im Spiegel der Hinrunde-Statistiken

Zahlen bitte!


Tuchel

Die Winterpause ist die Zeit der Statistiker. Steht man in vielen anderen Teilen unserer Gesellschaft komplexen, in ihrer Entstehungsgeschichte kaum zu durchschauenden Zahlenpaketen eher skeptisch gegenüber (»Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!«) sind sie aus dem Sport kaum noch wegzudenken. Wir sind zwar noch weit von der US-amerikanischen »Stats Culture« entfernt, in der das »aftergame«-Studium von komplexen Listen und Bewertungen fast wichtiger erscheint als das eigentliche Spiel – aber wenn die größte deutsche Fußballzeitschrift ihre Ranglisten und Umfragen veröffentlicht, schauen wir doch gerne einmal nach, wo wir die »Nullfünfer« finden können.

»Im Blickfeld«

Fünf Mainzer haben es geschafft, einen der begehrten vorderen Plätze in den Spieler-Ranglisten zu ergattern. Heinz Müller, bei dem besonders seine coole englische Spielweise Erwähnung findet, ist nach Meinung der Fachredakteure der fünftbeste Torhüter der Fußball-Bundesliga. Auf dem gleichen Platz finden wir Andreas Ivanschitz im offensiven Mittelfeld und Tim Hoogland in der Kategorie »Außenbahn offensiv«. »Im Blickfeld« (unter den jeweils ca. besten 20) befinden sich der Stürmer Aristide Bancé und Miroslav Karhan (»defensives Mittelfeld«). Auf den Spitzenplätzen »defensive Außenbahn« und »Innenverteidiger« sucht man vergeblich einen Rotweißen. Eigentlich keine Überraschung, wenn man das Spielgeschehen der Hinrunde aufmerksam verfolgt hat. Was aber hält man in Deutschland vom FSV? Über 40.000 Kicker-Leser haben einen umfangreichen Fragebogen ausgefüllt – und Mainz auf Platz 10 der Meisterkandidaten (!) gesetzt. Immerhin 0,15% (etwas mehr als 60!!!) glauben, dass die 05er Deutscher Meister werden – oder wollten sie in dieser Tabelle zumindest erwähnt sehen. Bei den Abstiegskandidaten wird unser Team überhaupt nicht genannt. (Zur Erinnerung: Vor dem ersten Spieltag war der FSV noch einer von drei potentiellen Absteigern!)

Tuchel ist Spitze

Und noch zwei Spitzenplätze: Thomas Tuchel landete auf Platz 5 der Trainerliste (Note: 1,99) – ein Platz hinter Jürgen Klopp (1,9) – und das Mainzer Management belegte sogar Platz 4 (Note: 2,61). Noch besser schätzen das die Profis ein: 228 Erstligaspieler haben ebenfalls abgestimmt und 36,5% von ihnen haben Thomas Tuchel als besten Trainer nominiert. Glückwunsch! Hinter ihm belegten Heynckes (25,1%) und Magath (16,9%) die Plätze zwei und drei. Dieses Bild wird durch die Meinung der Redaktion abgerundet, die Tuchel (und auch Klopp) zu den »Gewinnern 2009« zählen, Jörn Andersen dagegen – der das Team immerhin in die erste Liga geführt hat – zu den »Verlierern«. 23 Spieler hat Trainer Tuchel in der Hinrunde eingesetzt – nur einer hat alle 1.530 Minuten (exklusive Nachspielzeiten) auf dem Rasen gestanden: Niko Bungert. Kollege Florian Heller stand neben ihm in allen Startaufstellungen, wurde aber auch einmal ausgetauscht. Und noch ein dritter Spieler durfte in allen Begegnungen bejubelt werden: Aristide Bancé . Er wurde zweimal davon eingewechselt.

21 Tore

Die interne Torschützenliste führt Andreas Ivanschitz mit sechs Treffern an – zu wenig, um in der Liga-Statistik auf einem der vorderen Plätze zu landen. Doch seine Torgefährlichkeit drückt sich auch in den Vorlagen aus: Sechsmal hat er für den entscheidenden Schuss eines Mitspielers vorgelegt. Das sind dann schon insgesamt 12 »Scorer-Punkte«, die ihn zum viertgefährlichsten Scorer der Liga machen. (Dass er trotzdem keinen Ruf in die österreichische Nationalmannschaft erhält, verstehe wer will!) Zurück zu den Mainzern: zweitbester Torschütze in der Hinrunde war Kapitän Tim Hoogland (5 Tref­fer) und auf Platz drei landete Aristide Bancé (4 Treffer). Insgesamt hatten die Mainzer in den 17 Spielen 69 Torchancen, die sie zu 30,4 % (21 Tore) nutzten. Das ist der 4. Platz in der »Verwertungsstatistik«. Wer es noch genauer wissen will: Das sah ein paar Wochen vorher noch wesentlich besser aus, doch gegen Ende der Hinrunde verschossen die Mainzer Spieler überdurchschnittlich viele Bälle die aufs gegnerische Tor gezielt waren. In punkto Fairness reicht es für einen Mittelfeldplatz: Es wurde gefightet, manchmal (nach Ansicht des Schiedsrichters) etwas zu hart – und das brachte 32 gelbe und eine gelb-rote Karte ein. Dem Publikum hat das ganze jedenfalls offensichtlich gefallen: Zu den 8 Heimspielen der Hinrunde kamen 161.650 Zuschauer (Schnitt 20.206). Das ist zwar nur der letzte Platz – aber kein Widerspruch. Denn die Auslastung des Stadions am Bruchweg betrug 99.5%. Nur Bayern München (100%) und Werder Bremen (99.6%) standen hier besser. Ist die neue Arena erst einmal fertig, wird man auch hier die Mainzer weiter vorne sehen.


(Matthias Dietz-Lenssen)