Heft 233 Februar 2010
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Nullfünfer Forschungsbus

Mainz 05-Forschungsbus rollt in Mainz

»Ich hab’ neben Bancé gesessen«


Müller

Ab sofort können die Mainzerinnen und Mainzer in einem ungewöhnlichen Linienbus durch die Stadt fahren. Auf seiner Außenfläche weist ein Schriftzug auf die neue Coface Arena hin und Spieler sind in Aktion zu sehen. Im Innenraum des Busses der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) finden die Fahrgäste Fussballrasen-grüne Sitzbezüge, gestaltet mit den Bildern der Spieler des 1. FSV Mainz 05. Ob Aristide Bancé , Felix Borja, Heinz Müller oder Andreas Ivanschitz, jeder Spieler ziert – im klassischen Rot-Weiß – einen Bussitz. Der Bus soll aber nicht nur, wie einer entsprechenden Pressemeldung zu vernehmen ist, Fans begeistern und das Stadtbild verschönern – er hat auch eine wissenschaftliche Aufgabe zu erfüllen. Die Firma Ströer, Deutschlands Marktführer für Außenwerbung und Spezialist für Stadtmöblierung, testet gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, das Verhalten der Fahrgäste im Bus. Sensoren in den Sitzen und eine Videokamera sollen zeigen, welche Altersgruppen und Geschlechter den Bus wie und zu welchen Zeiten nutzen. Arne Reinertz, Geschäftsführer von Ströer DERG Media erklärt: »Als Partner der Stadt Mainz freuen wir uns, dass wir die MVG für dieses Forschungsvorhaben gewinnen konnten. Die Fans und Fahrgäste bekommen einen wirklich einzigartigen Bus. Die Daten helfen uns die Entscheidungen und Verhaltensweisen der Fahrgäste besser zu verstehen. So können wir Zielgruppen im öffentlichen Personennahverkehr noch besser zuordnen. Verkehrsmedien sind für Mediaplaner und Werbungtreibende so zukünftig noch transparenter.« Angesichts der langjährigen guten Zusammenarbeit mit Ströer Deutsche Städte Medien war die MVG gerne bereit, einen Bus für das Forschungsvorhaben des Fraunhofer Institutes zur Verfügung zu stellen. »Umso mehr freuen wir uns jetzt über die tolle Gestaltung. Ein wirklich ‚mainzigartiger’ Bus«, erklärt MVG-Geschäftsführer Gunter Rebahl. Der Bus ist 2010 im Einsatz und wird voraussichtlich sogar noch bis zur Fertigstellung der neuen Coface Arena 2011 in Mainz eine Attraktion für Fans und Fahrgäste bleiben. Soweit so schön: Bleibt jedoch die Frage offen wie repräsentativ ein so außergewöhnlicher Bus ist. Man darf doch annehmen, dass das Verhalten einiger Benutzergruppen hier eher atypisch sein wird – frei nach dem Motto: Wer darf heute auf Heinz Müller sitzen oder sich an Aristide Bancé anlehnen? Werden die Videokameras Souve­nirjäger abhalten können? Und wie reagieren die Fans anderer Mannschaften auf dieses Angebot. Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch an die Vandalen, die die Spielerfigur aus der Mainzer Weihnachtspyramide gebrochen und gestohlen haben! Von Seiten der Grünen kam bereits Kritik. Fraktionsvize Katrin Eder spricht sogar von einem »massiven Eingriff in die Persönlichkeitsrechte«. Entwarnung gaben derweil die Datenschützer: Im und am Bus seien genügend Hinweise auf die besondere Beobachtungssituation angebracht.


-mdl-