Heft 233 Februar 2010
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Interview

Von der Stadtmaus zur Feldmaus

Junge, komm bald wieder ...


Dirk Maus im Domherrenhof
»Der Herr der Baustelle« ist bald wieder der »Herr der Küche«: Dirk Maus in seinem neuen Domizil.

...lautete der Musiktitel von Schlagersänger Freddy Quinn, der den Herzschmerz in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts besang.

Herr Maus, kommen sie bald wieder nach Mainz?

Dirk Maus:  Ich bin noch da – ab und zu. Das Mollers steht mir für Veranstaltungen zur Verfügung. Ich bin nicht ganz weg aus Mainz.

Warum sind Sie nicht mehr in Mainz?

Dirk Maus:  Das müssen Sie die Stadt fragen. Wir haben lange Verhandlungen geführt, das Ergebnis ist bekannt.

Woran ist es letzlich gescheitert?

Dirk Maus:  Es waren schwierige Verhandlungen. Es gab freundliche Gesprächspartner, die mir wohlwollend gegenüber traten, ich musste allerdings auch regelrechte Ablehnung kennenlernen. Und wenn man vertrauliche Verhandlungen am nächsten Tag in der Tageszeitung nachlesen kann, ist das eher peinlich. Für das Mollers hat sich meines Wissens niemand beworben. Obwohl das doch vorher in der öffentlichen Diskussion von angeblichen Fachleuten als Kinderspiel hingestellt wurde. Für die Theaterkantine gab es mehrere Bewerber, und da hat ein Bewerber mehr geboten. Aber da ich die Fakten kenne, konnte ich nur bis zu einem gewissen Limit gehen. Das Theater hatte mir signalisiert, dass sie gerne mit mir weiterarbeiten würden.

Sie hatten die Theaterkantine und das Mollers betrieben?

Dirk Maus:  Ja. Und ich habe von Anfang an die Betriebe buchhalterisch getrennt. Deshalb kann ich sagen, dass das Gourmetrestaurant Mollers kein Defizit gemacht hat – das hat der Finanzdezernent der Stadt Mainz öffentlich bestätigt – aber das wollte ja niemand hören. Die Theaterkantine war ein Zuschussbetrieb – wie das bei vielen Kantinen der Fall ist. Das war aber wohl allen Beteiligten von Anfang an klar. Übrigens hatte ich die Geschäftsführung immer darauf aufmerksam gemacht und Änderungsvorschläge parat, aber meine Vorschläge sind allenfalls wohlwollend zur Kenntnis genommen worden.Und um eines klarzustellen:?Bei mir hat keiner von der Geschäftsführung umsonst gegessen. Wer meinte, das sei Usus, bekam die Rechnung postwendend an seine Privatadresse geschickt.

Wie war das mit der öffentlichen Diskussion?

Dirk Maus:  Ich hatte einen klaren Auftrag: Die Theaterkantine und das Restaurant zu betreiben. Das habe ich mit vollem Engagement gemacht. Erfolgreich. Nicht mehr und nicht weniger. Dass ich als Angestellter der Wohnbau da mit unter Generalverdacht stehe, kann ich noch nachvollziehen. Die öffentliche Diskussion war teilweise bösartig und ehrverletzend. Fast jeder fühlte sich dazu berufen, ohne Sachkenntnis, seinen Frust abzulassen. Und ein dekaden­tes Gourmetrestaurant in Zusammenhang mit Millionenverlusten passt zwar schön ins Weltbild man­cher Leute, aber noch einmal, das Mollers hat keine Verluste gemacht.

Scheiden Sie mit Wehmut von Mainz?

Dirk Maus:  Ja und nein. Ich habe jetzt 20 Jahre in Mainz gearbeitet und ich bin ja noch da. Ich habe viele Freunde hier und fühle mich nach wie vor als Mainzer. Die letzten Jahre waren belastend und trotzdem haben wir den Stern für unsere Leistung erhalten. Und wir mussten gegen viele Nachteile ankochen: der schwierige Zugang, Lärm im Restaurant während der Theaterpausen etc. Diese Erschwernisse fallen jetzt weg, das macht es viel leichter. Ich schaue mit viel Zuversicht in die Zukunft und kann mich wieder mehr aufs Kochen konzentrieren.

Was heißt das?

Dirk Maus:  In Essenheim habe ich nur einen Vermieter als Gesprächs­partner, der kräftig anpackt. Die Gemeinde hat mir signalisiert, dass sie sich auf mich freut – meine Energie kann ich alleine auf den Domherrenhof konzentrieren. Wir werden ein gutbürgerliches Restaurant und ein Restaurant auf Sterne-Niveau betreiben.


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