Heft 233 Februar 2010
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Fassenacht zu Knoddern

Fastnacht zum »Knoddern«


Gutenberg

Er murrt gern, nörgelt sich durch alles, was ihm quer kommt und brummelt am liebsten halblaut vor sich hin. Deshalb nennen wir ihn »Knodderer«. Im Februar steckt ihm die Fastnacht quer – was auch sonst? Kennen Sie das Thekengebot Nummer sieben? Hinter jedem Mann, der mit einer Bettgeschichte prahlt, steht eine Frau, die dieses Abenteuer dementiert! Nie gehört? Dann werfen Sie mal nen Blick auf die November-Geburtstage. Es müssen reichlich Weinflaschen im November aus dem Regal geholt oder Gutscheine im Mediamarkt ausgestellt werden. Es ist auch die Zeit für Bücher wie »Das Wirtshaus in Laubenheim« oder der »Stecher von Drais«. Der Kram bleibt das ganze Jahr liegen wie Autogrammkarten von Michael Thurk. Warum werden ausgerechnet im November all die Geburtstage gefeiert, bei denen keiner weiß, was er schenken soll? Weil: Der Februar ist kein allzu schlechter Monat fürs Ersticken von Aalen, das Versenken von Seerosen oder die reproduktive Gymnastik. Es ließe sich jetzt von allen Seiten bespiegeln, warum das so ist. Genau so gut, kann man sich aber auch auf den Hauptgrund konzentrieren – das Saufen.

An Fastnacht wird gebechert, auf Sanitäter komm raus. Sei’s um sich Redner schön zu trinken, die so modern sind, dass sie im Protokoll nicht nur auf Reime verzichten – sondern auch auf Pointen. Oder um im Umland die ein oder andere Sitzung zu überstehen, die so chaotisch abläuft, dass neben den 13 eigenen Balletts noch zehn auswärtige eingeladen werden und zwölf Gesangsgruppe und ne Mini-Playbackshow. Am Rosenmontag geht dann für jeden was. Der Vorteil: Mit dem richtigen Kostüm lässt sich der Standortnachteil Gesicht ausgleichen. Wer sonst mit seiner Augen-Nase-Mund-Partie davon lebt, sich in der Kneipe neben Gäste mit wenig Umsatz zu setzen, damit die das Lokal verlassen, kann plötzlich wie ein Stier rüber kommen.

Doch Vorsicht. Es gilt: Die Menge macht das Gift, also besser nicht übertreiben. Zwei Hörner reichen für den Stier. Wer sich mit seinem Kumpel in ein Kostüm zwängt, um den Paarhufer zu geben, hat beste Chancen, den Getränkegutschein auf dem Kindermaskenball in Marienborn zu gewinnen. Aber seine Aussichten bei den Frauen gehen dann gleich gen null: In kleinere Lokale wie’s Lomo kommt er so gar nicht erst rein und auf den großen Bällen wie in der Rheingoldhalle wird er bald merken, dass es auch im Winter extrem heiß werden kann. Vom Toilettengang gar nicht erst zu reden.

Das Kostüm ist aber nicht nur unter der Funktionalität zu sehen, wenn’s mit dem anderen Geschlecht klappen soll – oder dem eigenen. Willi zum Beispiel. Der Kumpel von Maja. Das ist ein netter Typ, sicher. Aber wer will schon, dass eine Frau das von einem sagt? Eben. Was gar nicht geht, ist das Tragen von künstlichen Muskeln. Das offenbart solche Minderwertigkeitskomplexe, da kann derjenige gleich mit einem phallussymbolartigen Eierbecher rumlaufen, als wenn er direkt aus dem Film Clockwork Orange entsprungen wäre.

Am Ende will Mann ja nicht, dass die Frau die Thekengeschichte zurecht dementiert. Aber eigentlich ist es auch egal. Weil leugnen wird sie’s so sicher, wie sie die Telefonnummer von dem Flirt noch auf dem Weg zum Taxi wegschmeißen wird.


Bis zum nächsten Knoddern.