Heft 232 Januar 2010
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Wirtschaft

Mainzer Unternehmen und…

Die Folgen der Konjunkturkrise


Karin Schmidt-Friderichs

Der globale Zusammenbruch der Wirtschafts- und Finanzmärkte 2008 hat im letzten Jahr sehr unterschiedliche Auswirkungen auf rheinhessische mittelständische Firmen gezeigt, und auch 2010 werden noch einige von der Krise betroffen sein. Im dritten Teil der Serie hat DER MAINZER die Geschäftsführerin Karin Schmidt-Friderichs vom Verlag Hermann Schmidt Mainz GmbH & Co. KG befragt, ob und wie sich der Konjunkturrückgang auf das Traditionsunternehmen ausgewirkt hat. Im Jahr 1945 von Dr. Hans Krach gegründet und 14 Jahre später von Hermann Schmidt übernommen, leiten heute sein Sohn Bertram Schmidt-Friderichs und dessen Frau Karin den Familienbetrieb. Im Jahr 1999 wurden die Druckerei, die 40 feste und neun freie Mitarbeiter hat, und der Verlag mit zehn Angestellten in selbständige Unternehmen umgewandelt. Mehrfach wurden Bücher aus dem Fachverlag für Typografie, Grafikdesign und Kreativität mit nationalen und internationalen Preisen der Print-Branche ausgezeichnet. Laut einem Bericht der Wirt­schafts­förderung der Landeshauptstadt zählt er außerdem zu den so genannten »Hidden Champions« und damit zu einer Gruppe kleiner und mittelständischer innovativer Mainzer Unternehmen, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen Spitzenplätze in ihren Marktnischen besetzen, jedoch dafür kaum in der Öffentlichkeit bekannt sind.

Die weltweite Konjunkturkrise hat auch die Verlagsbranche in Rheinhessen getroffen. Frau Schmidt-Friderichs, wie sah die wirtschaftliche Situation in Ihrem Unternehmen sowohl in der Druckerei als auch im Verlag im letzten Jahr aus?

Karin Schmidt-Friderichs: »Bereits Ende 2008 bei den ersten Anzeichen der Krise habe ich für den Verlag das Marketing und die Werbung für unsere Bücher verstärkt, um unsere Präsenz auf dem Markt, und in den Köpfen der Endkunden und Händler zu stärken. Da wir Bücher für Grafikdesigner und Kreative in den Werbe- und Marketingagenturen machen, und diese ab dem letzten Sommer die Krise richtig zu spüren bekamen, wurden auch im normalerweise weniger preissensiblen zweiten Halbjahr mehr preiswerte Bücher gekauft als teure. Es zeichnet sich aber ab, dass wir 2009 etwa den gleichen Umsatz hatten wie in 2008. Für die Druckerei sah die Situation in den ersten beiden Quartalen 2009 hingegen deutlich schlechter aus. Hier mussten wir im Vergleich zum Vorjahr bis zu 25 Prozent Umsatzrückgang verzeichnen, den wir durch aktives Marketing zum Jahresende aber auf 15 bis 17 Prozent für das Gesamtjahr reduzieren konnten. Dieser Einbruch resultiert vor allem daraus, dass viele Geschäftsberichte, die wir über Jahre für Unternehmen und Banken gedruckt haben, entweder gar nicht in Auftrag geben worden sind oder im Volumen deutlich reduziert wurden. Darüber hinaus sind einige frühere Kunden dazu übergegangen, aus Kostengründen ihre Zahlen nur ins Internet zu stellen. Aufgrund dieser Schwierigkeiten haben wir deutliche Auftragseinbrüche verzeichnet. Indes mussten wir weder im Verlag noch in der Druckerei Mitarbeiter entlassen oder in Kurzarbeit gehen.«

Der Verlag Hermann Schmidt Mainz hat seine Stellung als Lizenzgeber international ausgebaut. Wie stark haben Sie die Auswirkungen der Krise auf den ausländischen Märkten gespürt?

Karin Schmidt-Friderichs: »Wir haben in den letzten Jahren zunehmend erfolgreich Lizenzen und damit das Recht an dem Inhalt eines Buches an ausländische Verlage verkauft. Aber seit dem letzten Jahr merken wir die Wirtschaftskrise sehr deutlich. In Amerika können wir überhaupt nichts mehr verkaufen und in den europäischen Ländern ist es schwierig, unsere Preise durchzusetzen. Dadurch erhielten wir verstärkt Anfragen von interessierten Personen aus dem Ausland, die unsere Bücher direkt von uns beziehen wollten. Da wir organisatorisch keine eigene internationale Handelsschiene betreuen können, haben wir kurzerhand unsere Website auch ins Englische übersetzt. Dort bieten wir Titel an, die halbwegs ohne Sprachkenntnisse zu verstehen sind, also Bücher, die mehr Illustrationen und weniger Text beinhalten. Dieses neue Verkaufsportal wird vom Ausland sehr gut angenommen, ist jedoch mehr als ergänzende und überbrückende Maßnahme in dieser schwierigen Wirtschaftsphase zu sehen, in der die Lizenznehmer nicht so aktiv kaufen können.«

Wie sehen Sie Ihr Unternehmen für 2010 aufgestellt?

Karin Schmidt-Friderichs: »Das Weihnachtsgeschäft verlief für den Verlag wider Erwarten sehr gut und wir starten in das neue Jahr mit einem guten Vorlauf. Ende Januar und Anfang Februar merken wir dann erst, ob die Kassen der Käufer und Kunden leer sind und wir trotz allem im ersten Halbjahr noch mit Absatzeinbrüchen rechnen müssen. Ich bin aber optimistisch, dass wir die Wende für den Aufschwung Mitte des Jahres schaffen können. Meine Prognose für dieses Jahr ist daher, dass es für den Verlag nicht leichter, aber auch nicht schlechter sein wird im Vergleich zu 2009. Wir glauben aber, dass das Jahr 2010 im Drucksektor sehr schwierig wird. Deshalb haben wir für die Druckerei prophylaktisch bei der Arbeitsverwaltung Kurzarbeit angemeldet, allerdings wie wir erfahren haben als letzte Druckerei in Mainz. Dennoch möchten wir Stellenabbau unbedingt vermeiden. Für die Zukunft setzen wir daher auf neue Produktideen, die bereits in der Entwicklung sind, und den Verlag weiterhin als hoffentlich sicheres zweites Standbein.«


Kerstin Halm