Heft 232 Januar 2010
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Strasse

Die Mailandsgasse

Im Herzen von Mainz


Blick in die Mailandsgasse von
der Rheinstraße
Blick in die Mailandsgasse von der Rheinstraße

Sie verläuft vom Rebstockplatz bis zur Rheinstraße und hat auf den ersten Blick mit Mailand nun wirklich nichts gemein. Die Mainzer Mailandsgasse verdankt ihren Namen auch nicht ihrem (nicht vorhandenen) mediterranen Flair, sondern dem Haus ‚Zum Mailand’. Dieses Haus wurde Mitte des 16. Jahrhunderts erstmals erwähnt. In einem alten Dokument ist die Rede von einer »Behausung mit einem hohen steinernen Turm oben daran...Maylandt genent«. Hausnamen mit Bezug zu Mailand gab es damals in mehreren deutschen Städten. Gewöhnlich bezogen sich die Namen auf die darin wohnenden Geldhändler, die so genannten Lombarden. Schon seit dem 13. Jahrhundert machten diese italienischen Kaufleute immer häufiger auch entlang des Rheins ihre Geschäfte. Schon damals ging es um Kreditvergaben oder auch um den Handel mit Wechseln. In dieser Art Bankgeschäfte waren die Lombarden damals Spitzenreiter. Alle Italiener, die im deutschsprachigen Raum Geldgeschäfte machten, wurden als Lombarden bezeichnet, unabhängig davon, wo sie tatsächlich herkamen. Mailand wiederum war eine der italienischen Metropolen des italienischen Geldhandels. Vermutlich dürfte also in dem Mainzer Haus »Zum Mailand« ein solcher Lombarde gewohnt oder gearbeitet haben. Überliefert ist eine Beziehung zwischen Mainz und dem Mailänder Handelshaus de Restis, das einen Vertreter in der Domstadt hatte. Ob dieser Bankier aber tatsächlich in der heutigen Mailandsgasse residiert hat, das wird auf ewig ein Geheimnis bleiben. Ein pulsierendes Mainzer Bankenviertel jedenfalls war die Gegend damals genauso wenig wie heute.


Vom Rebstockplatz in die Mailandsgasse
Vom Rebstockplatz in die Mailandsgasse

Ilona Hartmann