Heft 232 Januar 2010
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Olympische Winterspiele

Multikulturell und sportlich

Eine Stadt bereitet sich vor


Foto: Tobias Reitmann
Foto: Tobias Reitmann

Es ist vier Uhr nachmittags und die Bar eines Mittelklassehotels im Süden Vancouvers füllt sich langsam aber stetig mit jungen Leuten aus aller Herren Länder. Die Stimmung ist erwartungsvoll, ein Sprachwirrwarr füllt den mit Luftballons und Kanadaflaggen geschmückten Raum. Vor einer besonders großen Fahne steht, noch unbemerkt ein Modell der olympischen Fackel. An der Theke ziehen indes die drei Maskottchen der Winterspiele, Sumi, Quadchi und Miga, die Aufmerksamkeit auf sich. Eine Reinigungs- und Cateringfirma, die während der Olympiade für Essen und Sauberkeit in den olympischen Dörfern sorgen soll, hat zur Mitarbeiterparty geladen. Sabine steht ein wenig abseits und beobachtet das Geschehen. Die 19-Jährige wird während der olympischen Spiele als Reinigungskraft im olympischen Dorf arbeiten: »Ich hab mich total gefreut, als ich die Zusage bekommen habe. Das ist so cool nach Deutschland zurück zu kehren und sagen zu können: Ich war hautnah bei den olympischen Winterspielen dabei.« Einzige Ungewissheit: Sie weiß noch nicht, ob sie in Vancouver selbst eingesetzt wird, oder in Whistler arbeiten soll.

Sicherheit geht vor

Inukshuk
Ein Inukshuk ist ein wichtiger Bestandteil der kanadischen Inuitkultur und bedeutet übersetzt soviel wie »gleich einem Menschen«. Dieser Inukshuk steht seit der Expo 1986 an der English Bay in Down - town Vancouver und wurde zum Logo der Winterspiele 2010. Er trägt den Namen »Ilaanaq«, das Inuitwort für Freund. - Foto: Tobias Reitmann

Während in Vancouver hauptsächlich die Hallensportarten wie etwa Eishockey, Eiskunst- und Eisschnelllauf stattfinden, werden auf den Pisten des rund eineinhalb Stunden von Vancouver entfernt liegenden Bergstädtchens Whistler die Wettkämpfe in den Disziplinen Abfahrt, Biathlon, Skispringen usw. ausgetragen. »Alle Olympia Mitarbeiter, die in Whistler arbeiten, werden entweder in einer Art Gästehaus oder auf einem Kreuzfahrtschiff untergebracht«, berichtet Sabine. Letzteres liegt seit kurzem in Squamish, einem kleinen Ort, der circa 40 Minuten von Whistler entfernt ist: bis hierher reicht der Meeresarm aus der Straight of Georgia. Die Mitarbeiter und freiwilligen Helfer werden von hier aus Tag für Tag mit Shuttlebussen ins olympische Dorf gekarrt. Auch wenn immer noch händeringend nach freiwilligen Helfern gesucht wird, scheint zumindest logistisch soweit alles geregelt zu sein. So wurde beispielsweise bereits im August 2009 eine neue Sky-Train Linie eingeweiht, die direkt vom Flughafen in die Stadtmitte führt – schließlich soll die große Anzahl an Touristen, die zu den Winterspielen erwartet wird, möglichst problemlos von A nach B kommen können. Weniger Touristenfreundlich befand eine lokale Wasserflugzeug­gesellschaft die Entscheidung des olympischen Komitees der Stadt Vancouver (Vanoc), Rundflüge über der Stadt während der Spiele zu verbieten. Immerhin gehen der Gesellschaft durch das Flugverbot, das aus Sicherheitsgründen ausgesprochen wurde, nach Angaben ihres Vizepräsidenten Randy Wright Hunderttausende Dollar verloren. Zwar dürfen die Wasserflugzeuge wie bisher Pendler von Vancouver Island oder Salt Spring Island nach Vancouver transportieren. Durch die verschärften Kontrollen der Passagiere können aber statt bisher 100 Personen während der Olympiade nur noch 60 Personen pro Stunde abgefertigt werden. (Quelle: Vancouver »Province«). Man kann es bei der Vorbereitung eines sportlichen Großereignisses nicht jedem Recht machen, diese Aussage würde Peter, 57 Jahre alt und Marineoffizier unterschreiben. Er hofft für die olympischen Spiele in Vancouver vor allem eines: »Ich drücke die Daumen, dass alles reibungslos über die Bühne geht und nichts schreckliches passiert. Da sind angemessene Sicherheitsmaßnahmen schon wünschenswert.« Fragt man hingegen Justin, was er sich für die Olympiade in seiner Heimatstadt wünscht, überlegt der 24-Jährige nicht lange: »Was für die Deutschen der Fußball, ist für die Kanadier Eishockey. Es wäre also echt super, wenn wir es ins Eishockey Endspiel schaffen würden und gewinnen. Allerdings sind die Russen auch sehr gut. Das wird also spannend.« Doch egal ob aus sportlicher oder organisatorischer Sicht betrachtet, fest steht: der Countdown läuft. Es vergeht kaum ein Tag, an dem die Olympiade nicht in den Tageszeitungen thematisiert wird. Ein Spaziergang zu den Stadien und dem olympischen Dorf in der Innenstadt lässt dann aber erkennen: Es ist immer noch einiges zu tun, bevor am 12. Februar der Startschuss zu den 21. olympischen Winterspielen fällt: Noch prägen Bagger, Bauzäune und Container das Bild auf dem weitläufigen Platz zwischen Stadien und Dorf. Man darf also gespannt sein, wie sich die Stadt Mitte Februar der Welt präsentiert. Hält man sich an das Motto der diesjährigen Spiele dürfte die Frage leicht beantwortet sein: »Glühenden Herzens« und mit »den außergewöhnlichsten Leistungen«: Beide Motti sind übrigens dem englischen und dem französischen Text der kanadi­schen Nationalhymne entnommen.


Direkt aus Vancouver:
Katrin Henrich