Heft 232 Januar 2010
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Mainzer Fansehen

Unterwegs mit Kamera und Mikro für die Fans

Töne vor und Bilder nach dem 05-Spiel


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Foto: Martin Hoffmann

Entweder die gedruckte Variante in der Zeitung, ohne dazugehörige Stimme. Oder hörbar im Radio und in der Glotze, dafür aber nur häppchenweise im Sekundentakt: Als Fußballfan hat man im allgemeinen nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten zu erfahren, warum seine Lieblingskicker vielleicht mal wieder ein Spiel verloren haben. Oder welche Taktik der Trainer für die nächste Partie ausgetüftelt hat. Die Anhängerschar des FSV Mainz 05 hat es da doch deutlich besser. Im World-Wide-Web findet sich seit dieser Saison das »Mainzer-Fansehen«, quasi ein Online-TV-Sender mit ausführlichen Interviews, brandaktuell vor und nach einem jeden Spieltag. Der MAINZER hat mit den Machern der Internetseite, Tim Klotz und Pierce Harig, gesprochen.

MAINZER: Herr Klotz, Herr Harig, wer auf www.mainzer-fansehen.de klickt, sieht keine Amateurvideos, sondern professionell gemachte Reporterstücke. Woher kommt ihr technisches und journalistisches Know-How?

Tim Klotz: Ich bin ausgebildeter Videojournalist und habe vor meinem Volontariat bereits bei mehreren Radiosendern und Zeitungen gearbeitet.
Pierce Harig: Und ich habe Filmwissenschaften studiert und dabei bereits erste Erfahrungen hinter der Kamera gesammelt. Von 1996 bis 2002 war ich dann bei einer Produktionsfirma in Köln angestellt und am Ende für die Senderegie und den Schnitt verantwortlich.

Der fachliche Hintergrund ist damit erklärt. Nur: Wie kommt man dann auf die Idee, ein Videoportal für Mainz-05-Fans zu machen?

Klotz: Wir arbeiten beide freiberuflich und haben gemeinsam eine Videoproduktionsfirma (www.2dfilms.de). Zudem sind wir beide selbst 05-Fans.
Harig: Und die Idee, ein Sendeformat mit oder rund um das Thema Mainz 05 zu machen, spukt uns schon einige Jahre lang in den Köpfen herum. Wir haben auch schon mehrere Anläufe gestartet, letztlich aber nie einen Partner gefunden, der solch ein Projekt gemeinsam mit uns stemmen wollte oder konnte.
Klotz: Vor dieser Saison haben wir dann gesagt: ‚Wir machen’s allein‘. Unsere Idee, unser Konzept, keiner redet uns rein. Gleichzeitig dient uns das natürlich auch als eine Art ständiges Demoband. Eigenwerbung online, wenn man so will.

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Foto: Max Wulf
Das klingt gut, kostet aber doch mit Sicherheit auch eine ganze Menge Geld, oder?

Harig: Allein für die Kamera und den Schnittplatz haben wir zusammen gut 15.000 € hingelegt. Aber wir sehen es als Investition für die Zukunft.
Klotz: Klar ist aber auch, dass wir das Fansehen allein nicht ewig machen können. Sollten wir keinen Partner finden, wird wohl am Ende der Saison Schluss sein.

Was ist denn mit Mainz 05 selbst? Hat der Verein kein Interesse an einer Zusammenarbeit?

Klotz: Es haben zwar Gespräche statt gefunden, bislang aber ohne Ergebnis.
Harig: Gleiches gilt für andere potentielle Partner oder Sponsoren: Interesse ist vorhanden, sobald es aber ums Geld geht, geraten die Verhandlungen ins Stocken. Manchmal könnte man glauben, die Leute nehmen an, dass Dreh- und Produktionsarbeiten nichts kosten würden.

Sie bieten auf Ihrer Seite auch ein Forum zum Diskutieren und Mitreden an. Wie sind denn da bislang die Reaktionen der Fans?

Klotz: Fast durchgehend positiv. Da sind wir selbst überrascht. Das liegt, glaube ich, aber auch daran, dass wir stets versuchen, unsere Themen und Fragen aus Sicht der Fans zu gestalten.
Harig: Lediglich von Anhängern anderer Klubs gab’s schon mal den ein oder anderen blöden Kommentar. Aber das sehen wir sogar positiv. Das heißt: Wir werden auch außerhalb der Mainzer Grenzen wahrgenommen.

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Foto: Max Wulf
Und wie ist der Kontakt zu den Spielern? Gerade nach Niederlagen dürfte es unter den Kickern doch mit Sicherheit den einen oder anderen Interview-Muffel geben?

Klotz (lacht): Den Titel hat sich bereits Miroslav Karhan gesichert. Den haben wir so oft schon angesprochen und ihn bislang noch nie vor die Kamera bekommen.
Harig: Wir haben deshalb sogar schon Mal mit dem Gedanken gespielt, eine Art Serie daraus zu machen. Also jede Absage aufzunehmen und mit einem Ergebnisticker zu versehen. Miro gegen Fansehen 1:0, 2:0 usw.
Klotz: Generell sind die Jungs bislang aber superlocker drauf. Das liegt zum Teil mit Sicherheit daran, dass sie uns mittlerweile kennen und wissen, dass wir sie nicht in die Pfanne hauen wollen, sondern gezielt Faninteressen abfragen. Uns ist aber auch klar, dass das Team bislang auch noch keine größere Durststrecke erleben musste.
Harig: Heißt: Eine längere Niederlagenserie und unsere Arbeit dürfte etwas schwieriger werden.

Wie schwer ist es denn, nach einer Niederlage die eigene Fanseele ruhig zu halten?

Klotz: Oh, das ist manchmal gar nicht so einfach. Da liegen einem dann Fragen auf der Zunge, die könnten Ärger bedeuten.
Harig: Absolut. Da musst du dich selbst im Zaum halten und an dein Produkt denken. Das ist eine echte Zwickmühle. Aber bislang haben wir uns noch immer beherrschen können.


SoS