Heft 231 Dezember 2009
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Wahnsinn

IM falschen Film?

Sagen Sie mal …


Wahnsinn

… haben Sie in letzter Zeit nicht auch ein wenig das Gefühl, »im falschen Film« mitzuspielen? Nein, damit meine ich nicht, dass in der ersten Fußball Bundesliga der kleine FSV Mainz 05 die kickenden Geldsäcke aus München und Hoffenheim das Fürchten lehrt. Ich spreche eher von Dingen, die wir eigentlich unter »alltäglich« abheften würden, die mittlerweile aber eher in die Kategorie „Trauerspiel“ gehören. Weil jede Verhältnismäßigkeit fehlt. Nehmen wir doch einmal unsere Justiz. Da darf einem Menschen der Schädel eingetreten werden und der Täter geht dafür (sturzbetrunken oder noch besser: unter Drogen, mit schlimmer Kindheit und noch schlimmerem Psychologen) straffrei aus (sollte er minderjährig und sogenannter Intensivtäter sein, winkt ihm sogar ein staatlich bezahlter Urlaub mit per­sönlichem Pausenclown). Aber wehe es hinterzieht einer dem Fiskus ein paar Euro. Dann geht’s schwupp-di-wupp ab in den Bau. Fragen Sie mal Steffi-Papa Peter Graf.

Ein anderes Beispiel gefällig? Dann betrachten wir uns doch einmal unsere allseits hochgelobte Meinungsfreiheit. Die gilt für Alt- und Jung-Nazis ohne jegliche Einschränkung. Als Begründung zu hören vor jeder einzelnen k…braunen Demo oder als Rechtfertigung für das faschistisch-rassistische Gebrabbel derer, die in Parteien organisiert sind und nicht verboten werden können (oder sollen?!). Wollten Sie allerdings Ihrer Meinung Luft machen, sagen wir mal beim G8-Gipfel in Heiligendamm oder beim Besuch des ehemaligen US-Präsidenten bei uns in Mainz, dann wurde Ihnen ruckzuck klar gemacht, dass Meinungsfreiheit in diesem Fall nicht erwünscht war, wie ein mit Steuermitteln bezahlter Super-Zaun oder verschweißte Gullydeckel, jeweils inklusive Großaufgebot der Polizei bewiesen. Diese frustrierende Spielerei könnte ich durchaus noch ein bisschen weiter treiben (Englischunterricht für Kindergarten-Kids zwecks PISA-Verbesserung gegenüber Erstklässlern, die kein Deutsch sprechen; Rentendiskussionen von Spitzenbeamten der Verwaltung und Politikern, die selbst keinen Euro für die Altersversorgung einbezahlen müssen, dafür aber horrende Summen herausbekommen). Aber eigentlich will ich das nicht mehr. Warum? Nun, ich fühl mich tatsächlich wie im falschen Film. Und zwar deshalb, weil all diese Dinge offenbar niemanden wirklich interessieren. Oder die Tatsachen sogar verdreht werden, der Story wegen. Aber deshalb nennt man Journalisten ja wohl auch »Meinungsmacher«.


In diesem Sinne –
bis zum nächsten Mal.
Ihr Rasta Mobi