Heft 231 Dezember 2009
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Sport

Die Radballer Moritz Rauch und Janis Stenner:

»Wir sind wie eine große Familie«


Janis Stenner und Moritz Rauch
Janis Stenner (li) und Moritz Rauch sind die Nachfolger der Radball- Doppel-Weltmeister Thomas Abel und Christian Heß

Die beiden Radballer Moritz Rauch (21 Jahre) und Janis Stenner (20 Jahre) vom RV Hechtsheim, die seit 2007 zusammen ein Radballteam bilden und von Sven Beller trainiert werden, haben Anfang 2009 die Nachfolge der erfolgreichen Radballer Abel und Heß in der 1. Bundesliga angetreten. Stenner studiert Informatikwissenschaften, Rauch will in die Sportfördergruppe der Bundeswehr. DER MAINZER hat die beiden jungen Talente gefragt, wie es ihnen als Radballer so geht.

Moritz und Janis, für alle die von Radball noch nicht viel gehört haben: Könnt ihr kurz diesen Sport beschreiben?

»Radball ist wie Fußball, nur auf dem Fahrrad. Bei unserem Fahrrad ist der Sattel aber weiter hinten und der Lenker nach oben gebogen. Man spielt zwei gegen zwei und zweimal sieben Minuten. An einem Spieltag bestreiten wir drei oder vier Spiele. Das Feld ist 14 m x 11 m groß. In der Regel hat Moritz die Funktion des Torwarts inne.«

Wie seid ihr zum Radball gekommen?

Moritz Rauch: »Mich hatte ein Klassenkamerad im Alter von sechs Jahren mit zum Radball genommen. Seitdem bin ich dabei geblieben.«

Janis Stenner: »Ich komme aus einer Radballfamilie und habe auch mit sechs Jahren angefangen. Wir haben beide natürlich auch Fußball gespielt, aber Radball ging immer vor, weil die Erfolge größer waren. Fußball kann ja schließlich jeder spielen.«

Wie habt ihr erfahren, dass ihr als Aufsteiger der Oberliga die Nachfolge von Abel-Heß in der 1. Liga antreten sollt ohne jemals in der 2. Liga gespielt zu haben?

»Als Abel und Heß, die mit 31 Jah­ren im besten Radballalter sind, letztes Jahr bekannt gegeben haben, dass sie aus beruflichen und zeitlichen Gründen leider aufhören werden, hat der Verein uns gefragt, ob wir den Platz in der 1. Liga übernehmen wollen. Obwohl wir beide wussten, dass wir dort nicht viel reißen werden, wollten wir die Chance nutzen. Trotz des Abstiegs in die 2. Liga als Tabellenvorletzter, mit dem wir aber alle rechneten, haben wir im Nach­hinein alles richtig gemacht, da wir viel Erfahrungen sammeln durften.«

Was ist denn der größte Unterschied zwischen Oberliga und 2. Bundesliga?

Es ist alles viel schneller und körperbetonter. In der 1. Liga zieht man durch, auch wenn es danach weh tut. In der Oberliga hätte man in der Situation eher abgebremst. Jeder Fehler wird viel strenger bestraft. Außerdem sind viel mehr Leute am Spielfeldrand. Es waren meistens 200-300 Fans an den Spieltagen in der Halle. Was sind eure Ziele und Wünsche für die kommende Saison Wir wollen in der 2. Liga oben mit­spielen. Der größte Traum wäre natürlich der Aufstieg. Da muss aber alles stimmen. Wir müssen unter die ersten drei kommen und uns dann in Halbfinals und im Finale durchsetzen.

Wie sieht es beim RV Hechtsheim mit dem Nachwuchs aus?

Wir haben eine Schülermannschaft (13-14-jährige), die in der erweiterten Spitze von Deutschland spielen und vier Mannschaften in der jüngsten Spielklasse (6-8 J.). Bei denen kann man aber leider noch nicht absehen, ob sie auch alle dabei bleiben.

Wenn ich mich für Radball interessiere, welche Voraussetzungen sollte ich mitbringen?

Man sollte Fahrrad fahren können, alles andere kann man lernen. Nach zwei Trainingseinheiten kann man auf dem speziellen Rad fahren. Bevor man ein Spiel bestreitet, sollte man aber min-destens ein halbes Jahr trainiert haben.

Wie oft trainiert ihr?

Wir haben zwei bis drei Mal die Woche Training, immer jeweils zweieinhalb Stunden. Seit 2007 haben wir zusammen mit Abel und Heß trainiert, wovon wir natürlich profitiert haben. Jetzt trainieren wir mit zwei Topteams, die glücklicherweise hier aus der Nähe sind: Ginsheim und Darmstadt/Eberstadt. Obwohl das Konkurrenten sind verstehen wir uns alle untereinander. Auf dem Feld ist das natürlich manchmal anders, aber nach dem Spiel ist das vergessen. Wir Radballer sind wie eine große Familie.

Im Fußball gibt es immer wieder Schiedsrichterdiskussionen. Wie sieht es damit beim Radball aus?

Es wird nicht so streng gepfiffen wie im Fußball. Eine gelbe Karte gibt es nur für äußerst extreme Fouls, mit Ausnahme von Tätlichkeiten oder Meckern. Einer der Gründe, warum Radball ein reiner Männersport ist.

Was passiert, wenn sich einer von euch verletzt?

Das wollen wir natürlich nicht hoffen, aber wenn keiner aus der unteren Mannschaft nachrücken könnte, würde bestimmt auch Christian Heß einspringen.

Kann man von Radball leben?

Man kann auf keinen Fall davon leben. Wir sind auch alle keine Profis sondern Amateure. Die richtig Guten unterstützt die Sporthilfe ein wenig. Die Preisgelder decken oft gerade die Fahrtkosten. Selbst Abel und Heß haben in ihrer erfolgreichsten Saison, in der sie alles gespielt haben, maximal 2000 € Gewinn erzielt. Aber wir machen das ja nicht wegen dem Geld, der Erfolg ist manchmal besser.


Stefanie Gundel

Infos
Wer die beiden Sportler in Aktion erleben möchte: Der Heimspieltag der neuen Saison ist am Sa, 16.01.2010 ab 14 Uhr in der Rad­sporthalle des RV Hechtsheim, Heuerstraße 40, www.rv-hechtsheim.de